Respekt vor Nachtfrost

Erdbeeren werden fachmännisch umsorgt

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Dan Fischer passt derzeit höllisch auf seine Erdbeeren auf. Die Blüten dürfen keinen Nachtfrost abbekommen, sonst sind sie hin. Das war’s dann mit der ersten Ernte.

Rodgau - Aufpassen, aufpassen, aufpassen: Das ist derzeit die Devise von Landwirt Dan Fischer. Auf seinem Sandhof im Jügesheimer Feld wachsen empfindliche Erdbeerpflanzen für die nächste Ernte heran. Sie dürfen nur eines auf keinen Fall abbekommen: Nachtfrost. Von Bernhard Pelka

Sonst ist ausgerechnet die erste Blüte hinüber, die gewöhnlich die größten Früchte bringt. Bei Landwirt Dan Fischer herrscht derzeit die höchste Aufmerksamkeitsstufe. Seine Erdbeeren dürfen auf keinen Fall Nachtfrost abbekommen. Abdeckfolien liegen neben den Pflanzreihen griffbereit, um im Fall der Fälle schnell reagieren zu können. Auch hat Fischer am Dienstag zwischen den Pflanzen die Wasserleitungen für die Frostschutzberegnungsanlage installiert. Bei Nachtfrösten benetzt die Sprinkleranlage die zarten Blüten mit Wasser. Dann bildet sich ein schützender Eispanzer. Bei minus acht Grad helfen aber auch diese Schutzmaßnahmen (Abdeckvlies und Vereisung) nicht mehr. „Dann ist’s eben einfach zu kalt, da machst du nichts mehr ohne Heizung“, erläutert der erfahrene Erdbeerspezialist.

Auf 1,5 Hektar Fläche wachsen bei ihm drei Sorten, die zeitlich abgestuft ab etwa Anfang, Mitte Mai, reif sind. Deshalb gibt es auf dem Sandhof praktisch den ganzen Sommer über saftige Früchte. Des Deutschen liebste Sommerfrucht sieht zwar schlicht aus. Sie ist aber ein begehrtes Forschungsprojekt, um das sich die Wissenschaft wegen des Klimawandels Sorgen macht. Die Hochschule Geisenheim im Rheingau erforscht deshalb aktuell, wie sich die Klimaverschiebung auf Wachstum und Fruchtqualität auswirkt. Die Uni im Spanischen Malaga koordiniert das ehrgeizige Projekt. Vier Jahre lang lernen die Experten beim Projekt „Goodberry“ die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen kennen. Fest steht für die Geisenheimer Forscher, dass die Klimaerwärmung unbestreitbar Einfluss nimmt auf die Blütenanlage und die Winterruhe. Sofern es im Herbst und Winter den Erdbeeren zu warm wird (wie im vergangenen Jahr), bilden sie zu kurze Blüten, Frucht- und Blattstiele aus. Auch die Blätter werden dann kleiner als gewöhnlich. Kurze Fruchtstiele erschweren die Ernte. Und kleine Blätter mindern den Ertrag. Milde Temperaturen zur falschen Jahreszeit führen überdies zum verspäteten Eintritt in die Winterruhe und zu übermäßigem Blütenansatz. Dies wiederum verursacht kleinere Früchte von minderer Qualität.

Erdbeeren richtig verarbeiten

Dan Fischer hält von solchen Forschungsprojekte für die Landwirtschaft im Allgemeinen zwar viel. Ob die Ergebnisse dann aber immer praxistauglich sind, zieht er jedoch in Zweifel. „Wie gravierend sich der Klimawandel auswirkt, ist meiner Meinung nach offen. Das lässt sich nicht genau eingrenzen, worunter eine Pflanze nun wirklich leidet und worunter weniger. Die Grenzen sind fließend.“ Für den erfahrenen Landwirt sind die wichtigsten Kriterien, die eine Erdbeerpflanze erfüllen muss, zuerst der Geschmack und dann die Vitalität gegenüber Pilz- und Schädlingsbefall: „Gut schmecken muss sie!“

Quelle: op-online.de

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