Richtig mit Farben austoben

Inklusives Projekt will Kinder und Jugendliche für Kultur begeistern

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Actionpainting bei Jackson Pollock abgeguckt: Die drei Grazien haben sich auf der großen Papierbahn ausgetobt. 

Jügesheim - Künstlerische und musische Bildung für Kinder und Jugendliche verbindet die neu gegründete Kulturakademie mit Inklusion. In einem ersten Ferienprojekt kamen jetzt Nachwuchskünstler in den Räumen der Kulturinitiative „Open Stage“ zusammen. Von Simone Weil

Was dort entstanden ist, wollen sie am Samstag, 24. Oktober, von 11 bis 13 Uhr in der Stettiner Straße 17 in Jügesheim der Öffentlichkeit präsentieren. Laura malt. Ein pinkfarbenes Gebäude und eine gelbe Sonne leuchten auf dem plakatgroßen Papier. Peter Fox singt von seinem Haus am See, während die Nachwuchskünstler versuchen, ihren Einfällen zum Lied eine Gestalt zu geben und ihre Gedanken zu malen.

Bei den meisten entstehen ein Haus, ein See und eine Sonne. Doch da und dort blitzt Anderes auf: ein Regenbogen, ein Baum, ein Auto. Ein wundervolles Bild hat Nursah gemalt: Zwischen kunterbunte Farbtupfer hat sie ein Herz und eine Blume gesetzt. Das Gemälde sieht wirklich schön aus. Die 18 Kinder und Jugendlichen, die in den Räumen der Jügesheimer Kulturinitiative „Open Stage“ werkeln, sind zwischen 11 und 15 Jahre alt. Einige sind behindert. Das soll aber keine Rolle spielen. Gemeinsam werden sie in der ersten Woche der Herbstferien Kunst und Musik entdecken. Die Idee, die hinter der Aktion steckt: Jedem der Teilnehmer soll sich durch diese Begegnung eine neue Welt eröffnen. Die Erfahrung soll alle bereichern.

Jetzt geht’s los: Die Workshop-Teilnehmer lassen ihren Assoziationen freien Lauf und malen, was ihnen zur Musik einfällt. 

Die Designerin und Kunstlehrerin Tanja Jacoby und der Musiker Christopher Bihn vom Verein „Gemeinsam mit Behinderten“ haben die Kulturakademie „Kultinklusive“ gegründet und bieten bei dem aktuellen Ferienprojekt Mitmachaktionen an. Die Nachwuchskünstler dürfen sich dabei richtig austoben: Zunächst ist das sogenannte Actionpainting angesagt. Mal so richtig mit der Farbe wüten wie der amerikanische Maler Jackson Pollock: den Pinsel schwingen, klecksen, spritzen und richtig mit der Hand eintauchen. Das muss doch Spaß machen. Als ob sie ihre Freude hätten sehen die Maler jedenfalls aus. Ihre Schonbezüge aus Abfallsäcken haben nur das Nötigste abgehalten. Die meisten tragen noch Farbspuren im Gesicht, im Haar, an Jeans und Händen.

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Doch nicht jedem liegt es, hemmungslos seine Gefühle rauszulassen. Künstlerin Barbara Schork weiß, dass es nicht allen Teilnehmern leicht fällt, sich auf dieses „dynamische und unstrukturierte Angebot“ einzulassen. Deswegen folgt im Anschluss eine konkretere Aufgabenstellung: nämlich das Haus am See zu malen.

Im Laufe der Woche stehen noch andere Aufgaben an: Um Töne und Musik geht es beim Projekt Bodypercussion, den Cajonbau und das Spielen des Instruments sowie dem Thema Beatbox. Am Samstag, 24. Oktober, zeigen die Workshopteilnehmer der Öffentlichkeit in der Zeit zwischen 11 und 13 Uhr in der Stettiner Straße 17, was sie produziert haben.

Das Domizil der Rodgauer Kulturinitiative Open Stage dürfen die Teilnehmer des Projektes „Sinn(e)los lassen“ kostenlos nutzen. Darüber sind die Organisatoren sehr froh. Allerdings werden weitere Sponsoren für künftige Aktionen gesucht, damit die Workshops gratis angeboten werden können, „um niemanden auszugrenzen“, wie Tanja Jacoby sagt.

Quelle: op-online.de

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