Zum Ärger von Patienten und Apothekern

Mehrstündige Odyssee: Ärzte kaum erreichbar

Apotheker Rudolf Kern telefonierte eine halbe Stunde dem ärztlichen Bereitschaftsdienst hinterher, um eine Frage zu einem Rezept zu klären. - Foto: Wolf

Jügesheim - Der Ärger über die ärztlichen Bereitschaftsdienste (ÄBD) im Kreis Offenbach reißt nicht ab. Dabei geht es nicht nur um stundenlange Wartezeiten. Jetzt erlebte ein Patient eine mehrstündige Odyssee, bis er endlich seine Arznei bekam. Von Ekkehard Wolf 

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Das kann sich jederzeit wiederholen. Es war samstags kurz nach 14 Uhr, als der junge Mann mit seinem Rezept zur Nikolaus-Apotheke kam. „Tut mir leid, dieses Präparat habe ich nicht vorrätig“, sagte Apotheker Rudolf Kern. Ob der Kunde vielleicht eine andere Apotheke aufsuchen wolle? Zweieinhalb Stunden später stand er wieder vor der Tür. Er hatte zehn Apotheken abgeklappert - ohne Erfolg.

Das Problem: Der Bereitschaftsarzt hatte seinem Patienten ein Antibiotikum verschrieben, das niedergelassene Ärzte selten verordnen. Deshalb ist es in vielen Apotheken nicht vorrätig. Ein anderes Medikament darf der Apotheker nur nach Rücksprache mit dem Arzt herausgeben. Also griff Rudolf Kern zum Telefon - und erlebte nun seinerseits eine Odyssee durch den Irrgarten des ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Mit Glück traf Patient Arzt auf Parkplatz

Das Rezept trug einen Arztstempel aus Langen. Statt im Westkreis landete der Anruf in der ÄBD-Zentrale Frankfurt. Sechs Minuten Warteschleife. Nach mehrfachem Hin- und Herverbinden erreichte Rudolf Kern eine entnervte Mitarbeiterin in Dietzenbach - denn wie sich herausstellte, war der Patient dort in Behandlung gewesen. Nur mit viel Glück erwischte der Apotheker den Arzt noch auf dem Parkplatz - er hatte Dienstende und wollte gerade heimfahren.

„Das ist eine Zumutung“, ärgert sich Rudolf Kern: „Ich war fast eine halbe Stunde mit Telefonieren beschäftigt, um einen einzigen Patienten zu bedienen.“ Drei weitere Kunden standen in der Warteschlange. Die frühere Notdienstzentrale Dudenhofen sei viel besser erreichbar gewesen, erinnert sich der erfahrene Apotheker: „Es gab zwei Telefonnummern, man hatte sofort jemanden dran und bekam Auskunft.“

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Eine bessere Zusammenarbeit zum Wohl der Patienten ist nicht in Sicht. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen teilte gestern mit, auch Apotheker müssten die zentrale ÄBD-Nummer anrufen. Zudem sei es Absicht, dass die drei Bereitschaftsdienste in Langen, Dietzenbach und Seligenstadt gemeinsam als „ÄBD Langen“ abrechnen.

Was dem Patienten aus Rodgau passiert ist, kann sich also jederzeit wiederholen.

Quelle: op-online.de

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