Grünanlage in Jügesheim

Theater im Rodau-Park liegt voll im Trend 

+
Zum Schreien komisch: „Die 39 Stufen“ versprechen ein temporeiches Theatervergnügen.

Jügesheim - Kulturvereine haben den Rodau-Park als Veranstaltungsort entdeckt: Nach dem Entenrennen und dem festlichen Essen an der Weißen Tafel gibt es dort nun auch Musik und Theater. Von Ekkehard Wolf 

Tanja Garlt inszeniert gerade den Spionage-Klassiker „Die 39 Stufen“ als Komödie mit Slapstick- Elementen. Acht Schauspieler spielen gefühlte 100 Rollen. In zwei Wochen ist Premiere. Die Theaterproben finden in aller Öffentlichkeit statt, auf einer Wiese zwischen der Konrad-Kappler-Straße und dem Alten Weg. Drei, vier Personen üben theatralische Gesten, während andere auf einer Decke sitzen und zusehen. Ab und zu springt eine Frau auf und greift ins Geschehen ein. Die meisten Spaziergänger gehen vorbei. Nur einzelne bleiben stehen und erleben mit, wie eine Theaterszene entsteht.

Zwei junge Leute sind mit Handschellen aneinandergefesselt. „Ein Fluss? Da gehe ich nicht rüber!“, kreischt die Frau voller Panik. Ihr Begleiter ist ratlos: Was soll er tun? „Nimm sie auf die Arme“, rät eine Zuschauerin von der Decke. Aber wie macht man das mit Handschellen? „Am besten so, wie du eine Braut über die Schwelle trägst.“ Gesagt, getan: Die Fesseln erfordern artistische Verrenkungen, bis sie endlich in seinen Armen liegt. Das Bild wirkt stimmig, nur am Tempo müssen die Darsteller noch etwas feilen. Schnelligkeit und Rhythmus sind extrem wichtig, damit es komisch wirkt.

Ein melodramatisches Stück

Die Slapstick-Comedy „Die 39 Stufen“ läuft seit fast zehn Jahren im Londoner Westend. Kaum zu glauben, aber die Vorlage ist schon 100 Jahre alt: Das melodramatische Stück basiert auf einem Roman von John Buchan aus dem Jahr 1915. Alfred Hitchcock verfilmte ihn 1935.

Das Bühnenstück erzählt die Geschichte mit wenigen Schauspielern, die mit Ausnahme des Hauptdarstellers ständig die Rollen wechseln. Zum Umkleiden bleibt keine Zeit: Ein neuer Hut - und schon verändert sich die Persönlichkeit. Das stellt hohe Anforderungen an die Akteure der Theatergruppe „Theater total“. Regisseurin Tanja Garlt ist voll des Lobes: „Meine Schauspieler sind einfach die besten.“ Die Kostüme und das Bühnenbild sind minimalistisch. Doch das macht nichts aus: Die Phantasie der Zuschauer ergänzt mühelos all das, was an Ausstattung fehlen mag. Der Blick konzentriert sich auf die Schauspieler. Sie agieren schon in den Proben mit einer Spielfreude, die den Zuschauern großes Vergnügen verspricht.

Die acht Schauspieler proben auf der Wiese. Die Bühne wird erst am Tag der Premiere aufgebaut. Dieser Umstand wirkt sich auf die Inszenierung aus. „Wenn ich nicht mit Licht und Ton proben kann, muss ich es so einfach wie möglich machen“, sagt Tanja Garlt. Sie sieht darin kein Problem: „Mir gefällt es, so reduziert zu arbeiten.“

Festspiele in Bad Hersfeld: Neue Bilder

„Im Prinzip ist es wie ein Straßentheaterprojekt“, fasst die Regisseurin zusammen. Die ganze Ausrüstung passt in ein Auto. Das eröffnet die Möglichkeit, das Stück woanders noch einmal aufzuführen. Denn bisher ist nur eine einzige Vorstellung geplant: am 4. Juli im Rodau-Park.

Tanja Garlt begrüßt es, dass diese Grünanlage jetzt auf einmal Konjunktur hat: „Den Park finde ich toll. Ich hab’ schon immer gedacht, hier müsste man mal Theater machen.“ Bei den „39 Stufen“ auf der Bühne: Sven Johann Stripling, Eva Breidenbach, Leonie Löw, Tanja Roßbach, Ilona Kraus, Sandra Gallasch, Conny Walter und Jochen Rehse.

Hitchcock-Fans werden an diesem Theaterstück übrigens ihre besondere Freude haben. Handlung und Text enthalten mehrere Anspielungen an Hitchcock-Filme wie „Fenster zum Hof“, „Psycho“, „Vertigo“ und „Der unsichtbare Dritte“.

Quelle: op-online.de

Kommentare