Minister besucht Georg-Büchner-Schule

Bei jungen Leuten ist noch Platz im Kopf

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Vorweihnachtliche Gaben vom Minister: Turnbeutel mit Landkarten und weiteren Schulutensilien hat Tarek Al-Wazir mitgebracht.

Jügesheim - Über den Unterricht für Kinder von Flüchtlingen und Zuwanderern in so genannten Intensivklassen hat sich gestern Tarek Al-Wazir, hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, an der Georg-Büchner-Schule in Jügesheim informiert.

Was machst du in der Schule? Anhand von kleinen Bildern beschreiben die Schüler, was sie sehen: Er schreibt. Er rechnet. Außerdem muss ein karg möbliertes Zimmer eingerichtet werden: Das geschieht zwar nur auf dem Papier, liefert den Kindern und Jugendlichen aber einen Anlass, um möglich viel auf Deutsch zu sprechen. Deswegen besuchen die insgesamt 32 Schüler nämlich eine der beiden Intensivklassen der Georg-Büchner-Schule in Jügesheim. Außer Deutsch steht für sie auch noch Mathematik, Englisch, Sport und Kunst auf dem Stundenplan. Tarek Al-Wazir, Hessens Vize-Ministerpräsident, verfolgt zunächst den Unterricht. Jetzt will er wissen, woher die 11- bis 16-Jährigen stammen und wie lange sie schon in Deutschland sind: viele kommen aus Afghanistan, andere aus Syrien, Bosnien, Rumänien, Polen, Pakistan und Kroatien. Als junger Mensch lerne man schnell, sagt Al-Wazir: „Da ist noch Platz im Kopf.“

Er selbst habe diese Erfahrung gemacht, als er mit 14 Jahren im Jemen Englisch und Arabisch lernen musste und anfangs nichts verstanden habe, erzählt er. Und sei es nicht auch eine Motivation, dass ihre Lehrerin Aleksandra Karczewska, die aus Polen stammt, selbst erst spät Deutsch gelernt habe? „Ich glaube, dass schafft ihr“, gibt er den Schülern zum Abschied mit auf den Weg.

„Die Landesregierung will zeigen, dass es funktioniert“, begründet der Wirtschaftsminister seinen Besuch an der Kooperativen Gesamtschule in Rodgau. Seit Beginn der großen Zuwanderung seien an Hessens Schulen etwa 20 000 Kinder und Jugendliche ohne ausreichende Deutschkenntnisse aufgenommen worden, sagt der Grünen-Politiker aus Offenbach. Von der Schulleitung und den Mitarbeitern will der hessische Vize-Ministerpräsident wissen, ob und wie es möglich sei, die Schüler in den Regelunterricht einzugliedern und wie die Zuwandererkinder von den Mitschülern aufgenommen würden.

Nachhilfe vom PC: Apps und Lernprogramme für Schüler

Das Bildungsniveau sei extrem unterschiedlich, berichtet Aleksandra Karczewska. Bei vielen Schülern aus Afghanistan gehe es um Grundlegendes wie die Alphabetisierung und weitere große Bildungsdefizite, bei den Schülern aus anderen Ländern dagegen nur um die Sprache. Integration sei ein Marathonlauf. Hessen habe dabei einen guten Start hingelegt, meint der Minister. Man stoße an Kapazitätsgrenzen und Raumprobleme, berichtet Schulleiter Winfried Döring. Der Pädagoge greift das Bild des Marathonlaufs auf und sagt: „...bis Kilometer 20 sind wir unterwegs.“ Dann stehe ab Kilometer 21 die Frage nach Lehrstellen und Berufen an: „Das wird schwierig sein“, glaubt Döring. Denn oft seien die Erwartungen der jungen Leute völlig überzogen, die Berufswünsche fern der Wirklichkeit und ihres Bildungsstands.

Tarek Al-Wazir verspricht sich gerade deshalb viel von der Wirtschaft, die Zuwanderer ins Duale Ausbildungssystem integrieren will: Dabei seien 1000 Plätze Einstiegsqualifizierungen im Handwerk angepeilt, 700 Plätze für einjährige Berufsqualifizierungen sowie weitere 400 begleitete Ausbildungsplätze. (siw)

Quelle: op-online.de

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