Kreisverkehrsgesellschaft soll Pläne überarbeiten

Kein Bus-Stopp mehr in der Ortsmitte?

+
Kein Halt mehr an der Rodgau-Passage? Das Stadtparlament fordert, den Nahverkehrsplan des Kreises zu überarbeiten.

Rodgau - Die Stadt Rodgau gibt den Nahverkehrsplan für die nächsten Jahre zur Überarbeitung an die Kreisverkehrsgesellschaft (kvgOF) zurück. Die darin enthaltenen Empfehlungen verschlechterten das Angebot, heißt es in der Stellungnahme der Stadt. Von Ekkehard Wolf 

Zwei Beispiele: Die Buslinie 99 soll künftig nicht mehr durchs Gewerbegebiet Jügesheim fahren. Mehrere Haltestellen sollen entfallen, unter anderem an der Rodgau-Passage. „Der Plan versucht, den Stadtbus in eine andere Linienführung zu drängen“, erklärte Bürgermeister Jürgen Hoffmann in der Stadtverordnetenversammlung. Wesentliche Teile der Bevölkerung wären dann nicht mehr so gut an Bus und S-Bahn angebunden. Die kvgOF kritisiert die Fahrtrouten als umständlich und fordert, alle Buslinien „gestreckter“ zu führen. Die Stadt hält das jedoch nicht für sinnvoll. Sie verweist darauf, dass der Stadtbus als Zubringer zur S-Bahn der „Feinerschließung“ der Stadtteile dient. Es sei nicht die Aufgabe der Buslinien, ein Parallelangebot zur S-Bahn herzustellen. In diesem Zusammenhang erinnert die Stadt in ihrer Stellungnahme an die frühere Buslinie 950 zwischen Offenbach und Ober-Roden. Sie wurde zum S-Bahn-Start 2003 eingestellt, weil ein Parallelverkehr unerwünscht war.

Auch die angestrebten Änderungen der Buslinie 99 stoßen im Rathaus nicht auf ungeteilten Beifall. Ein durchgehender 30-Minuten-Takt sei zwar zu begrüßen, dürfe aber nicht auf Kosten von Dudenhofen und Nieder-Roden gehen. Ein Strecken-Ast der Linie 99 führt durch diese beiden Stadtteile. Die Stadt trägt deshalb auch einen Teil der Kosten. Die Kreisverkehrsgesellschaft möchte die Linie 99 künftig nicht mehr in zwei Strecken-Äste aufspalten. „Die Einschätzung, die Splittung verwirre die Fahrgäste, kann nicht geteilt werden“, heißt es in der Stellungnahme aus Rodgau. Zudem sollen die 99-er Busse künftig nicht mehr durch das Gewerbegebiet Jügesheim fahren, sondern daran vorbei. Stattdessen ist eine Haltestelle an der Kreisquerverbindung nach Seligenstadt vorgesehen. „Ich kann mit nicht vorstellen, wie das gehen soll“, sagt Bürgermeister Hoffmann. Die Stadt rät dringend davon ab, die Busse über die stauanfällige Kreuzung Dudenhöfer Straße / K 174 fahren zu lassen. Die Fahrzeit werde dadurch nicht kürzer.

Die Mehrheit des Stadtparlaments beurteilt den Plan als noch nicht beschlussreif. Er lasse viele Fragen offen. Auch die Folgekosten seien unklar. „Wer diesem Nahverkehrsplan zustimmt, ohne zu wissen, was es am Ende kostet, ist verantwortungslos“, betonte FDP-Fraktionsvorsitzender Heino Reckließ, der für die regierende Vierer-Kooperation sprach. Auch die Stadtverordneten von „Zusammen mit Bürgern“ und Linken stimmten dafür, den Entwurf des Nahverkehrsplans nochmals zu überarbeiten. Die CDU enthielt sich der Stimme, aber mit einer Ausnahme: Renate Seib stimmte gegen die Stellungnahme der Stadt und gegen eine Überarbeitung des Plans. „Nibelungentreue“ warf Clemens Jäger (CDU) der Parlamentsmehrheit vor. Noch für dieses Jahr kündigte er einen Antrag an, um ein neues Konzept für die Stadtbuslinien und das Anruf-Sammeltaxi (AST) zu erarbeiten. Ein Ziel der Union sei, die Kosten zu senken. Die derzeitigen Verträge laufen Ende 2018 (AST) und Ende 2019 (Bus) aus.

Quelle: op-online.de

Kommentare