Lebewohl Ortsbeirat

Stadtteilgremien nach fast 40 Jahren abgeschafft

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Annemarie Jonas (CDU): Weiskirchen

Rodgau - Die allerletzte Sitzung dauerte nur wenige Minuten. Am Donnerstag um 20. 09 Uhr war sie vorbei. Auf der Tagesordnung in Jügesheim standen nur noch Formalien: Zwei Antworten des Magistrats auf frühere Anfragen, drei kurze Wortbeiträge zum Abschied ... und Schluss.

Sascha Pokojewski (SPD): Hainhausen

Zwei Tage zuvor hatte der Ortsbeirat Hainhausen noch fünf Straßennamen fürs Neubaugebiet festgelegt. In den anderen vier Stadtteilen gab es nichts von Belang zu bereden. Eigentlich hätten die Sitzungen ausfallen müssen. Aber das wollte keiner der Ortsvorsteher seinen Beiratsmitgliedern antun. Die Ortsbeiräte waren ein Kind der kommunalen Gebietsreform 1977. Die Fusion der fünf Rodgau-Gemeinden war keine Liebesheirat. Durch die gewählte Vertretung blieb den Ortsteilen ein Rest an Einfluss. Die Ortsbeiräte konnten über Standorte öffentlicher Einrichtungen entscheiden. Bei den Haushaltsberatungen achteten sie darauf, dass ihr Stadtteil nicht zu kurz kam.

Rolf Kronenberger (Grüne): stellv. Ortsvorsteher Jügesheim

Bei Bauvorhaben, bei der Gestaltung von Freiflächen und bei der Entwicklung von Baugebieten brachten die Beiräte ihre Ortskenntnis ein. Mitunter mit großem Erfolg, etwa als der Ortsbeirat Nieder-Roden den verkehrsberuhigten Ausbau der Karolingerstraße durchsetzte: Mit Sachkenntnis und Beharrlichkeit brachten die Nieder-Röder alle anderen zu der Einsicht, dass eine gepflasterte Straße nicht nur besser zum alten Ortskern passte, sondern auch billiger zu bauen war. Ähnliche Sternstunden fallen Ortspolitikern auch in den anderen Stadtteilen ein. In den letzten Jahren gab es allerdings nur noch wenig zu entscheiden: Straßennamen, Gelder für die Städtepartnerschaften und Senioren-Weihnachtsfeiern.

Gemeinschaft statt Familie - Was ist den Deutschen wichtig?

Gerald Klein (SPD): Dudenhofen

Von Aufbruch- statt von Endzeitstimmung sprachen die fünf Ortsvorsteher vor fünf Jahren im Interview mit unserer Zeitung. „Ich hoffe, dass wir die Bürger mehr für das örtliche Geschehen interessieren können“, sagte damals Jügesheims Ortsvorsteher Gert Schmalenbach (SPD). Am Ende der Amtszeit zieht sein Stellvertreter Rolf Kronenberger (Grüne) das nüchterne Fazit: „Der Bürgerbesuch in den Sitzungen war relativ gering. Im letzten Jahr waren einmal welche da.“ Das bestätigt auch Sascha Pokojewski in Hainhausen; große Bürgerversammlungen seien jedoch gut besucht gewesen.

Edgar Ott (SPD): Nieder-Roden

Von einer guten und konstruktiven Zusammenarbeit berichtet er ebenso wie Ortsvorsteherin Annemarie Jonas (CDU) in Weiskirchen. „Am Anfang schwierig, am Ende sehr harmonisch“, nennt Edgar Ott (SPD) die Atmosphäre im Ortsbeirat Nieder-Roden. Gerald Klein (SPD) möchte seine Zeit als Ortsvorsteher von Dudenhofen nicht missen: „Ich fand es spannend, obwohl wir nur beratende Funktion hatten. Mir hat es Spaß gemacht und ich glaube den meisten anderen auch.“

eh 

Quelle: op-online.de

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