Mit Kimono und Dirndl

Charlotte Wilhelm ist nach einem Austausch von Japan begeistert

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Sind Freundinnen geworden: Charlotte Wilhelm und Ayami Fujita.

Jügesheim - Die 17-jährige Charlotte Wilhelm reiste über das Rotary-Netzwerk für drei Wochen nach Japan und brachte ihre Austauschpartnerin gleich mit. Ayami Fujita ist gerade bei Familie Wilhelm zu Gast und lernt Deutschland kennen. Von Simone Weil

Andere Länder, andere Sitten: Das japanische Essen gehörte sicher zu den größten Herausforderungen für Charlotte Wilhelm. Immerhin waren die Gasteltern rechtzeitig informiert, dass die 17-Jährige Fisch und Seafood überhaupt nicht mag. Freiwillig hat sie dennoch Oktopusbällchen probiert und auch die Rinderzunge gekostet. Das Schlimmste aber waren für sie die fermentierten Sojabohnen: „total ekelhaft“. Die junge Jügesheimerin hatte zuvor viel über die fremde Kultur gelesen, war dort dann angenehm überrascht: „Alle waren sehr offen und nett. Ich habe mich zu Hause gefühlt.“ Die Schülerin der Claus-von-Stauffenberg-Schule war so gepackt von dem aufregenden Ausflug in die andere Welt, dass sie dort einen einjährigen Aufenthalt nach dem Abitur anpeilt, das für sie im kommenden Jahr ansteht.

Bei ihrem Vortrag beim Rotary Club Rodgau über den Japanaustausch sprach der Teenager seinen Herzenswunsch an und stieß damit auf offene Ohren. Für den Besuch bei den Förderern der Begegnung hatten sich beide junge Frauen in ungewöhnliche neue Kleidung gehüllt: Charlotte Wilhelm war in Japan von ihren Gasteltern mit einer Art Kimono begrüßt worden und Ayami Fujita hatte von den Wilhelms ein Dirndl bekommen.

Ganz bewusst stellten die deutschen Gasteltern das Ausflugsprogramm für ihren Besuch zusammen. Außer klassischen touristischen Attraktionen wie Würzburg, Heidelberg und Schwarzwald zeigten sie dem japanischen Mädchen vor allem solche Orte, die es in ihrer Heimat nicht gibt: Angefangen bei Metzger und Bäcker besuchten sie etwa einen typischen Wochenmarkt und die Giesemer Zuckerstubb. Weil gerade Gelegenheit bestand, deutsche Bräuche kennenzulernen, feierte Ayami Fujita einen Polterabend mit und wird daheim auch davon berichten können, dass die JSK-Fastnachter um Dietmar Wilhelm repräsentativ Spalier stehen, wenn jemand aus ihrem Kreis heiratet.

Beeindruckt war der japanische Gast auch von den Eisdielen mit den großen Eisbechervariationen und vom Eiskaffee. Den kennt sie nämlich nur als kalten Kaffee – und schon gar nicht mit Eis und Sahne. Außerdem mag die junge Frau auch hessische Spezialitäten wie Süßgespritzten und Grüne Soße. „Weniger gut kamen Rippchen und Sauerkraut an“, berichtet Ute Thoma-Wilhelm. Auch Lakritz mochte die Besucherin überhaupt nicht. Gummibärchen schmeckten ihr dagegen schon: Deswegen will die Japanerin Süßigkeiten und Früchtetees als Mitbringsel mit nach Hause nehmen.

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Gastgeberin Ute Thoma-Wilhelm musste das eine oder andere Mal Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem jungen Mädchen beweisen und war unter anderem auch durch die japanische Sitte gefordert, dass viermal am Tag gegessen wird, davon zweimal warm. „Aber Ayami hat auch im Haushalt mitgeholfen, das kennt sie von Zuhause nicht“, verrät sie. Auch Tiere seien dem Mädchen fremd gewesen -– und im Haus der Gastgeber leben zwei Katzen.

Hat die Reise in die Ferne bei Charlotte Wilhelm den Blick auf die eigene Heimat verändert? „Ich habe gemerkt, wie offen Deutschland ist“, sagt die Schülerin. In Japan ist ihr zum Beispiel aufgefallen, dass es absolut verpönt ist, öffentlich Körperkontakte wie Umarmungen und Begrüßungsküsschen zu zeigen und dass behinderte Menschen in der Gesellschaft kaum eine Rolle spielen, weil sie gar nicht auftauchen. „Außerdem gibt es nur wenig Nicht-Asiaten, also kaum Ausländer“, erzählt sie. Bei Wilhelms waren schon diverse Austauschschüler aus Europa zu Gast. Dietmar Wilhelm hält viel von solchen Gelegenheiten und den Erfahrungen, die sein Nachwuchs machen kann: „Das schafft Verständnis für das Miteinander“, findet er.

Quelle: op-online.de

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