Erster Gottesdienst am Sonntag in einem Provisorium

Kirchensaal wertet Gemeindehaus auf

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Bauausschussvorsitzende Claudia Wolny und Architekt Uwe Kollmenter haben gut lachen: Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan und die Baukosten sind geringer als geplant.

Nieder-Roden - Noch knapp zwei Monate bis zur Einweihung: Die Bauarbeiten am evangelischen Gemeindezentrum Nieder-Roden gehen in den Endspurt. Das Haus ist nun ein vollwertiger Ersatz für die ehemalige Christuskirche, die die Gemeinde vor zwei Jahren verkauft hat. Von Ekkehard Wolf 

Schon ab Sonntag feiern die Protestanten ihre Gottesdienste wieder am Puiseauxplatz – vorerst aber noch in einem Provisorium. Durch den Umbau ist das Haus zwar keine Kirche geworden, aber etwas, das ihr ziemlich ähnlich ist. Architekt Uwe Kollmenter hat sozusagen eine Kirche ins Gemeindehaus eingebaut. Der hohe Sakralraum wirkt auf alle Sinne – durch seine Höhe, die Buntglasfenster, die Orgel und auch durch den leichten Raumhall, wie er für eine Kirche typisch ist. Gemeindemitglieder werden in dem Kirchensaal viel Bekanntes wiederfinden. Die beiden hohen Giebelfenster in Rot und Blau, die früher das Kirchenschiff der Christuskirche abschlossen, befinden sich nun vorne am Altar. An der rechten Seite gibt es ein Wiedersehen mit dem „Schöpfungsfenster“ von Robert Münch aus dem Jahr 1994. Die Pfeifenorgel wird wieder aufgebaut. Ein Blick nach oben zeigt die gewohnten Kugelleuchten. „Wir haben versucht, ganz viel mitzunehmen“, sagt Claudia Wolny, die Vorsitzende des Bauausschusses im Kirchenvorstand.

Ein neuer Anblick bietet sich vom Parkplatz Lichtenbergstraße: Ein geschwungener Weg führt zum barrierefreien, zweiten Haupteingang. Der höhere Gebäudeteil hat statt des Flachdachs ein Pultdach erhalten und ist so auch äußerlich als Kirchenbau erkennbar.

Für den Kirchensaal hat die Gemeinde 50 neue Stühle bestellt. Bei Bedarf lässt sich der Saal auf bis zu 150 Sitzplätze erweitern. Eine Schiebewand macht‘s möglich. Dahinter liegt ein großer, heller Raum mit Blick zum Puiseauxplatz. Er eignet sich für Seniorennachmittage und andere Veranstaltungen. Dieser Gemeinderaum ist ein weiteres Schmuckstück des Hauses. Eine Fensterfront öffnet die Gemeinde zum alltäglichen Leben im Ort. Uwe Kollmenter hat schon viele neugierige Passanten beobachtet: „Hier drücken sich ständig Leute die Nase platt, um zu sehen, was sich drinnen tut.“ Der neue Gemeinderaum wurde angebaut. Gemessen an den Baukosten von rund 875.000 Euro ist diese Erweiterung eher bescheiden. Doch der Gewinn für die Kirchengemeinde lässt sich eben nicht nur in Quadratmetern messen. Durch den Umbau hat sie eine Kirche bekommen, deren hohes Pultdach dem einstigen Zweckbau ein ganz neues Gesicht gibt. Innen gibt es eine gerade Verbindungsachse zwischen den beiden Eingängen. Dadurch wird der Flur zum Foyer. Der bisherige Nebeneingang vom Parkplatz wird zum zweiten, barrierefreien Haupteingang. Ob mit Rollstuhl oder Rollator: Wer das Gemeindehaus besucht, kann das künftig ohne fremde Hilfe tun.

Fest zur Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald

Seit dem Baubeginn vor einem Dreivierteljahr feierten die evangelischen Christen ihre Gottesdienste in der Heilig-Kreuz-Kirche in Rollwald. Pfarrer Dr. Felipe Blanco-Wißmann ist dankbar für die Gastfreundschaft der Katholiken. Nun kehrt die Gemeinde an den Puiseauxplatz zurück. Obwohl eine Putzkolonne gestern den letzten Baustaub beseitigt hat, erinnert noch manches an eine Baustelle. Einige Zimmertüren fehlen (die Herstellerfirma hat Ferien), die Deckenleuchten sind nicht komplett, die neuen Stühle noch nicht da. Der Kirchenvorstand sieht das Provisorium nicht als Problem an. Für die meisten Gemeindemitglieder sei es sicher interessant, das Haus wachsen zu sehen, meint Claudia Wolny vom Bauausschuss. Die Kirchenorgel liegt in Einzelteilen in der Orgelbauwerkstatt Gerald Woehl (Marburg). In der zweiten Septemberwoche kommen die Orgelbauer nach Nieder-Roden, um das Instrument aufzubauen und zu intonieren. Bis dahin singt die Gemeinde zu den Klängen eines Klaviers.

Am 26. September will die Kirchengemeinde ihr „neues“ Haus einweihen. Architekt Kollmenter ist zuversichtlich, dass bis dahin auch die Außenanlagen fertig sind. „Und dann geht es im Keller weiter“, sagt Claudia Wolny. Dort sind ein Türdurchbruch, eine neue Küche und Renovierungsarbeiten geplant. Bis Weihnachten soll alles fertig sein. Eine gute Nachricht zeichnet sich jetzt schon ab: „Die Baukosten liegen unter unserem Budget“, sagt Uwe Kollmenter. Nun fehlt nur noch ein Glockenturm, der in der Bauvoranfrage bereits positiv beschieden wurde. Aber das ist Sache des neuen Kirchenvorstandes, dessen Amtszeit im September beginnt.

Quelle: op-online.de

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