Kita-Streik in Rodgau

Nerven der Eltern liegen blank

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Kürzlich machten Erzieherinnen und Erzieher bei einer Demo in Rodgau ihrem Frust Luft. Heute pusten vorm Dietzenbacher Kreishaus Rodgauer Eltern von Kindern aus der U-3-Betreuung in die Trillerpfeifen. Alle meinen: Der Tarifkonflikt muss endlich enden.

Rodgau - Nach vier Wochen Kita-Streik liegen bei manchen Eltern die Nerven blank. Sie kündigen bei der Stadt das Lastschriftverfahren für die Betreuungsgebühren. Von Bernhard Pelka 

Keine Leistung, kein Geld! Während die Verhandlungspartner im Tarifstreit gestern noch an einem Tisch saßen, kündigte der Gesamtelternbeirat für heute, 15 Uhr, vor dem Kreishaus in Dietzenbach, eine Eltern-Demo an. Schon am Montag hatten 45 Eltern von Kindern in der Kita Binger Weg einen Brief mit Unterschriftenliste an Bürgermeister Jürgen Hoffmann übergeben, um auf die „unerträgliche Situation in unserer Kindertagesstätte durch Streik der Erzieherinnen hinzuweisen“, heißt es in dem Schreiben. Die Betroffenen erwähnen ihre starke Belastung und betonen zugleich, „wie sehr wir trotz alledem voll hinter den Forderungen der Erzieherinnen nach angemessener Entlohnung ihrer Tätigkeit stehen. Die Erzieherinnen (. . .) genießen unsere vollste Wertschätzung für ihre tolle Arbeit mit unseren Kindern.“ Aber obwohl in der Kita ein Notdienst angeboten wurde, sei für viele Familien die Grenze der Belastbarkeit erreicht.

„Alternative Betreuungsmöglichkeiten, zum Beispiel Großeltern, sind entweder nicht mehr verfügbar oder genauso entnervt, wie alle anderen Beteiligten. Die Arbeitgeber sind mit ihrem Verständnis ebenso am Ende wie wir alle. Urlaubsansprüche sind erschöpft und alle Überstunden abgebaut.“ Auch die Kinder leiden offenbar. Sie seien „durch die veränderte Situation in der Kita, das heißt neue Ansprechpartner, andere Abläufe usw., total verwirrt und verunsichert“. Besonders die Kinder, die noch nicht so lange dabei seien, müssten sich nach dem Ende des Streiks dann erst wieder neu eingewöhnen. Dies gleiche „fast einem Neustart“. Es könne nicht sein, dass die negativen Auswirkungen des Streiks „einzig und allein von den Kindern, ihren (Groß-)Eltern und deren Arbeitgebern getragen werden müssen“. Auf Arbeitgeberseite hingegen baue sich keinerlei Leidensdruck auf. Mit Berufung auf die Presse schreiben die Eltern, die Kommunen profitierten sogar noch vom Streik, da sie die Lohnkosten sparen.

Demo: 15.000 Menschen protestieren in Frankfurt

Dazu nahmen Bürgermeister Jürgen Hoffmann und Erster Stadtrat Michael Schüßler gestern auf Anfrage unserer Zeitung Stellung. Es sei eine verkürzte Sicht, von Einsparungen für die Stadt zu sprechen. Zwar reduziere die Stadt tatsächlich an jedem Streiktag ihre Personalkosten um bis zu 30.000 Euro – wofür die Gewerkschaft einstehe. Dem gegenüber stünden aber die jährlich zehn Millionen Euro, die sich die Stadt die Kinderbetreuung Jahr für Jahr kosten lasse. Die im U-3-Bereich und für Hortplätze erhobenen Gebühren deckten die tatsächlichen Kosten nur knapp zu einem Drittel. Und für Kitas erhebe Rodgau entgegen der anderen Kommunen keinen einzigen Cent Gebühren. Sofern das Parlament in seiner nächsten Sitzung Mitte Juli Entschädigungen an die Eltern beschließe, werde man diesem Beschluss aber natürlich folgen. Die Richtung, in die es dabei gehen könnte, gibt die Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern vor. In einem Antrag an die nächste Stadtverordnetenversammlung regt die Rathausmehrheit an, dass Eltern die fürs Mittagessen ihrer Sprösslinge fälligen Beiträge rückwirkend für einen Monat erstattet werden. Stadtrat Schüßler zufolge geht es um rund 45 000 Euro (800 Mittagessen à 56 Euro Monatspauschale). Schon im Jahr 2009 hatte die Stadt aus Kulanz nach einem Erzieherinnenstreik sowohl die Essensbeiträge als auch die damals noch erhobenen Kitagebühren zurückerstattet.

Zur Demonstration der Eltern heute vorm Kreishaus sagt die stellvertretende Gesamtelternbeiratsvorsitzende Daniela Radovanovic: „Wir wollen die Erzieher unterstützen und ein Zeichen setzen, dass wir hinter ihnen stehen. Der Tarifkonflikt müsste endlich ein Ende haben. Wir setzen alle Hoffnungen auf Verhandlungen, aber keiner weiß, ob es zur Einigung kommt. Wir sind alle erschöpft. Wir bekommen ja auch den Frust der Eltern ab, obwohl es auch viele gibt, die das verstehen.“

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Quelle: op-online.de

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