Auf Wachstumspfad

Spedition Agotrans: Klage über harten Preiskampf

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Roland Wernig, Geschäftsführer von Agotrans, setzt auch auf Logistik-Dienstleistungen.

Rodgau - Transportunternehmen liefern sich einen harten Konkurrenz- und Preiskampf. Erfolgreich agiert die Rodgauer Firma Agotrans am Markt. Der Logistikbereich soll sogar weiter ausgebaut werden. Von Marc Kuhn 

„Jeder braucht die Spedition, aber keiner will sie haben.“ Mit dieser Einschätzung spielt Roland Wernig darauf an, dass die Brummis für die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern jeglicher Art unbedingt notwendig sind. Gleichzeitig weiß der Geschäftsführer der Rodgauer Agotrans Logistik GmbH, dass die Belastungen im Straßenverkehr viele Menschen nerven, und die Suche nach Standorten häufig schwierig ist. Dennoch ist Wernig für seine Branche zuversichtlich. Er erwartet, dass Agrotrans von den Zuwachsraten im Speditionsgeschäft profitieren wird. Vor allem der Handel mit osteuropäischen Staaten werde zunehmen.

Agotrans schickt Lkws in alle Länder Europas. Sämtliche wichtigen Wirtschaftszentren würden beliefert, sagt Wernig. Zudem werde Malta und auch schon einmal der Iran angefahren. Die nationalen und internationalen Transporte seien ein Standbein der Rodgauer Firma, erklärt der Geschäftsführer. Ein weiteres seien Logistik-Dienstleistungen.

Im Schwerlastbereich werden beispielsweise Maschinen transportiert, die auch mal 50 Tonnen und mehr wiegen. In der sogenannten Stückgutsparte werden zum Beispiel Kartons oder Paletten bewegt. Dabei müssen die Transporte so organisiert werden, dass die Lastwagen möglichst voll sind. Denn Leerfahrten kosten richtig Geld, beklagt Wernig. „Da ist das Fingerspitzengefühl des Disponenten gefordert.“ Und wenn der Geschäftsführer über Finanzen redet, ärgert er sich auch über die Lkw-Maut. Würde sie zweckgebunden eingesetzt, dann gebe es in Deutschland „goldene Straßen“, erläutert er. Stattdessen lande das Geld in irgendwelchen Haushaltslöchern. Mit Blick auf die marode Infrastruktur hierzulande hat die Politik laut Wernig Investitionen „verpennt, und die Wirtschaft muss das ausbaden“.

Wernig rechnet trotzdem mit steigenden Umsätzen bei Agrotrans. Etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. „Wir haben keinen eigenen Fuhrpark“, berichtet der Geschäftführer weiter. Stattdessen arbeite die Spedition mit Subunternehmern zusammen. Rund 35 Fahrzeuge - meist Zwölf-Tonner - sind für Agotrans im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Dass der Schriftzug der Firma auf Lastwagen dennoch in der Öffentlichkeit präsent ist, liegt an der Werbung, die die Subunternehmer machen.

Allerdings klagt Wernig über einen harten Preiskampf mit den großen Konkurrenten. „Einer unterbietet den anderen.“ Vor allem im Stückgut-Bereich sei der Wettbewerb hart, berichtet er. Viele Speditionen hätten das Stückgut-Geschäft bereits eingestellt. Deshalb gebe es nur noch wenige kleinere Speditionen. „Die Preise müssen nach oben korrigiert werden“, fordert Wernig.

Agotrans profitiert vom Verbund Online Systemlogistik, dem das Unternehmen seit Gründung vor 20 Jahren angehört. Es ist auch einer der vier Gesellschafter der Firma mit Hauptsitz in Paderborn. Jeder private Spediteur müsse einem solchen Verbund angeschlossen sein, sonst sei er nicht mehr konkurrenzfähig, sagt Wernig. Auf diese Weise könne Agrotrans in jeden Winkel der Republik liefern. Und es würden sich Sparpotenziale ergeben. Die Stückgut-Frachten werden zu zentralen Umschlagplätzen in Schlitz bei Fulda, Bielefeld und dem schwäbischen Nördlingen gefahren. Dort werden Transporte neu zusammengestellt, sodass die Lkw für Ziele etwa in Hamburg oder München voll sind. Sie können aber auch direkt angefahren werden. Die 78 Partner der Kooperation haben 2014 mehr als 2,6 Millionen Sendungen transportiert. Sie haben über eine Million Tonnen gewogen. Über den internationalen Verbund Allnet kann Online Systemlogistik in 42 europäische Länder liefern.

Einen Schub hat das Geschäft von Agotrans nach den Worten von Wernig auch durch den Neubau bekommen. Vor einem Jahr ist das Unternehmen von Dietzenbach nach Rodgau gezogen. In der Kreisstadt war es auf fünf Standorte verteilt, jetzt ist es einer. „Das ist für uns ein Schritt nach vorne gewesen“, erklärt der Geschäftsführer.

Deshalb geht er auch davon aus, dass der Logistikbereich weiter ausgebaut wird. Am neuen Standort gibt es 13.500 Quadratmeter Fläche, die sich auf 4000 Quadratmeter Umschlag- und 9500 Quadratmeter reine Lagerfläche verteilen. Zudem stehen rund 5000 Stellplätze im Hochregallager zur Verfügung. Güter von Kunden von Agotrans werden eingelagert und kommissioniert - für den Endempfänger zusammengestellt. Das Lager ist bereits voll, sodass Agrotrans Kapazitäten in der Nachbarschaft angemietet hat.

Quelle: op-online.de

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