CDU sucht Gespräch mit SPD, Viererbündnis will Möglichkeiten ausloten

Nach der Wahl: Parteien strecken die Fühler aus

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In 45 Wahlbezirken wurden am Sonntag kurz nach 18 Uhr die Wahlurnen geleert, wie hier in der Sporthalle Hainhausen.

Rodgau - Die Viererkooperation hat im Rathaus keine Mehrheit mehr. Damit hat die CDU ein Wahlziel erreicht. Durch das Kumulieren und Panaschieren hat die Union gegenüber der Trendmeldung vom Sonntag zwei Sitze gewonnen. Von Ekkehard Wolf 

Der CDU-Vorstand will nun mit der SPD über eine Zusammenarbeit sprechen. Die vier Partner der bisherigen Kooperation suchen nach Möglichkeiten, ihre Arbeit fortzusetzen. Mit zusätzlichen Kreuzen bei ihren bevorzugten Kandidaten haben die Wähler die Listen gehörig aufgemischt. Zu den größten Gewinnern zählen drei ehemalige Ortsvorsteher. Die Bürger katapultierten sie von aussichtslosen Listenplätzen weit nach vorne: Annemarie Jonas (Weiskirchen) bei der CDU von Platz 29 auf 14, Edgar Ott (Nieder-Roden) bei der SPD von 17 auf 6 und Gerald Klein (Dudenhofen) bei der SPD von 24 auf 9.

Als Eisbär war Anabelle Jäger (Grüne) am Samstag ein Blickfang auf dem Wochenmarkt. Ihr gutes Wahlergebnis aus dem Fukushima-Jahr 2011 konnten die Rodgauer Grünen nicht wiederholen.

Besonders die CDU profitierte von der Möglichkeit, Stimmen auf mehrere Listen zu verteilen. Das ergab die Auszählung der restlichen Stimmzettel am Montag. Gegenüber der Trendmeldung vom Sonntag legte die Union 3,7 Prozentpunkte zu. Das bedeutet zwei Parlamentssitze mehr. Der Verein „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) verbesserte sich um 1,3 Prozentpunkte und einen Sitz. SPD, Linke und Freie Wähler erhielten je einen Sitz weniger als zunächst erwartet. Im neuen Stadtparlament ist die CDU weiterhin mit 13 Köpfen vertreten. Die SPD wiederholte ihr Ergebnis von 2011 und hat erneut zwölf Stadtverordnete. Die bisherige Mehrheit ist futsch: Die Grünen büßen drei Mandate ein, die Freien Wähler eines. Da hilft es auch nicht, dass die FDP um ein Mandat zulegte. „Wir haben gewonnen und doch verloren“, sagt FDP-Fraktionschef Heino Reckließ bitter.

„Das Ergebnis zeigt, dass die Kooperation keine Bestätigung gefunden hat“, sagt Margit Müller-Ollech, die Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes. Die CDU als stärkste Fraktion wolle Politik gestalten. Eine Zusammenarbeit mit der SPD liege nahe: „Im Moment sehe ich keine andere Option.“ Ein erstes Gespräch könne bereits in den nächsten Tagen stattfinden: „Ich hatte schon Kontakt.“ Für den SPD-Ortsvorsitzenden Jürgen Kaiser ist noch alles offen: „Mit Sicherheit werden alle mit allen reden, außer mit der AfD.“ Im Lauf der Woche werde der örtliche Parteivorstand über die nächsten Schritte beraten. Das Ergebnis der Sozialdemokraten könne sich sehen lassen: Bei gestiegener Wahlbeteiligung habe die SPD trotz gleicher Prozentzahl mehr Stimmen erzielt als 2011.

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Von einem enttäuschenden Wahlergebnis spricht Werner Kremeier (Grüne). Die Kooperation sei mit der Absicht angetreten, ihre Arbeit fortzusetzen. Deshalb gelte es als Erstes gemeinsam die Möglichkeiten auszuloten. Auch eine Minderheitenregierung sei denkbar. Kremeier: „Wir hätten gern einen größeren grünen Einfluss gehabt. Das wird natürlich schwierig mit so einem Ergebnis.“ Auch ZmB musste Federn lassen, wenn auch nicht ganz so stark wie die Grünen. „Wir haben unser Minimalziel erreicht, wir wollten zweistellig bleiben“, sagt Vorsitzender Horst Böhm. Die Wahl habe gezeigt, dass Sachpolitik durchaus ankomme. ZmB könne sich eine Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen vorstellen: „Wir stehen für jeden zu Gesprächen bereit, außer mit der AfD.“

Für die FDP will sich Ortsvorsitzender Michael Schüßler nicht festlegen: „Es ist wirklich ein schwieriges Ergebnis, weil keine andere der etablierten Parteien einen Zuwachs hat.“

Quelle: op-online.de

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