Kind bei Tagesmutter statt in U3-Gruppe

Kreis kippt Rabatt für Geschwister

Rodgau - Geschwisterkinder bezahlen die Hälfte. Das gilt nicht nur im Kindergarten, sondern auch für Kinder, die von Tagesmüttern betreut werden. In Rodgau hat der Kreis Offenbach diese Regel jedoch teilweise außer Kraft gesetzt. Von Ekkehard Wolf 

„Ich finde es ein Unding, dass manche Eltern so benachteiligt werden“, ärgert sich eine betroffene Mutter aus Rodgau. „In einer städtischen Krippe bezahlen Geschwisterkinder nur die Hälfte. Mein Sohn geht zur Tagesmutter und muss den vollen Betrag bezahlen.“

Der Junge, um den es geht, ist zwei Jahre alt. Seine große Schwester geht in den Kindergarten. Eigentlich hatte die Mutter den Jungen ebenfalls in einer Kita angemeldet, und zwar in einer speziellen Gruppe für Kinder unter drei Jahren (U 3). Als er dort keinen Platz bekam, gab es nur eine Möglichkeit: eine Tagesmutter. Der Junge hat sich längst eingelebt und fühlt sich wohl. Ärgerlich ist nur die Sache mit dem Geld. Für die Kindertagespflege überweist die Mutter monatlich 336 Euro an den Kreis Offenbach. Für die Kinderkrippe müsste sie nur 155 Euro bezahlen (die Hälfte von 310 Euro). „Das finde ich ganz schön heftig“, sagt die Betroffene.

Die Vorschriften sind eindeutig: Wenn zwei oder mehr Kinder einer Familie in den Kindergarten oder zur Tagesmutter gehen, bezahlt das zweite Kind nur die Hälfte.

Die Stadt geht einen Schritt weiter

Sowohl die Stadt Rodgau als auch der Kreis Offenbach haben diesen Passus in ihren Satzungen: die Stadt für die Kindertagesstätten, der Kreis für die Kindertagespflege. Die Stadt geht sogar noch einen Schritt weiter: Das dritte Kind ist gebührenfrei - immer vorausgesetzt, dass mehrere Geschwister gleichzeitig betreut werden.

Diese Regeln waren ursprünglich dazu gedacht, die mehrfache Belastung der Eltern abzufedern. Die Kreis-Behörde will sich nun nicht mehr daran halten. Sie begründet das damit, dass Kinder ab drei Jahren in Rodgau kostenlos die Kita besuchen.

Kreis-Pressesprecher Ralf Geratz-Krambs formuliert das juristisch-trocken: „Der Kreis Offenbach sieht hier einen direkten Zusammenhang zwischen der Kostenpflicht für das erste Kind und einer Befreiung für das zweite Kind.“ Auf Deutsch: Nur wer für das erste Kind bezahlt, erhält fürs zweite eine Ermäßigung.

In der Satzung steht das so nicht. Und das, obwohl sie jüngsten Datums ist: Erst am 10. Dezember 2014 hat der Kreistag die Satzung über die Betreuung von Tagespflegekindern aktualisiert. Die frühere Version war nur ein Jahr alt. Kostenfreie Kindergartenplätze gibt es in Rodgau aber schon seit Anfang 2011. Der Kreis hätte also jahrelang Zeit gehabt, um die Geschwisterermäßigung an neue Kriterien zu knüpfen. Doch weder Verwaltung noch Politik sahen dazu bisher einen Anlass.

Irrtum oder Absicht? Der Fachdienst „Jugend, Familie und Soziales“ im Kreishaus lässt sich jedenfalls von den Eltern der Tagespflegekinder eine Vereinbarung unterschreiben, in der es auch um die Geschwisterermäßigung geht. Wer den 50-Prozent-Rabatt in Anspruch nehmen möchte, muss bestätigen, dass er die Kita-Gebühren voll bezahlt. Was ist aber, wenn der Kita-Träger wie in Rodgau nur das Essengeld verlangt? Kann man - um es auf die Spitze zu treiben - null Euro voll bezahlen?

Solche Spitzfindigkeiten würde die Mutter des Zweijährigen am liebsten dem Verwaltungsgericht überlassen. „Es kann doch nicht sein, dass ich die erste Mutter bin, die sich da beschwert“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie ärgert sich über die lapidare Auskunft aus dem Kreishaus, eine Satzung könne „nicht alles regeln“.

Auch die Kindergartensatzung in Rodgau enthält einen Geschwisterrabatt. Die Kriterien sind seit vielen Jahren unverändert. Die Stadt hält sich buchstabengetreu daran. „Bei uns steht nichts anderes drin, wir legen es nur anders aus“, sagt Pressesprecherin Sabine Fischer.

Klagen auf einen Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Ob Hort, Kita oder U 3-Gruppe: Für das älteste Kind fällt die volle Gebühr an, für das zweite 50 Prozent, alle weiteren Kinder sind frei. Und solange ein Kind älter als drei Jahre ist, haben die Eltern eben Glück. Ob Geschwister in der Gruppe oder bei der Tagesmutter betreut werden, ist dabei unerheblich. „Weil die Tagespflege laut Gesetz gleichgestellt ist“, wie Sabine Fischer betont.

Gesetz und Wirklichkeit sind zweierlei: Obwohl Kita und Tagesmutter als gleichwertig gelten, unterscheiden sich die Kosten. Für Eltern ist das schwer verständlich.

Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) will das ändern. Im Kreistag hat er angeregt, die Zuständigkeit für Tagesmütter an die Städte und Gemeinden zu übertragen, um vor Ort einheitliche Bedingungen anbieten zu können. Dafür könnte der Kreis die Nachmittagsbetreuung an den Schulen übernehmen.

Quelle: op-online.de

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