76 Betten im ehemaligen „Darmstädter Hof“

Kreis mietet ein komplettes Hotel für Flüchtlinge

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Der Kreis Offenbach quartiert am Montag 50 Flüchtlinge im ehemaligen „Darmstädter Hof“ ein. Der Eigentümer des Hauses kann in den nächsten Jahren mit sicheren Einnahmen rechnen.

Weiskirchen - Das Hotel „Olive Inn“ wird zum Flüchtlingsheim. Der Kreis Offenbach mietet das Haus an der Schillerstraße für zehn Jahre. Die ersten 50 Bewohner sollen am Montag einziehen.

Für die Stadt Rodgau kam die Nachricht überraschend. Auf der Zuweisungsliste für diese Woche standen zunächst elf Namen. Erst später kam die Mitteilung, dass der Kreis nächste Woche eine weitere Gemeinschaftsunterkunft belegen will - im ehemaligen „Darmstädter Hof“.

Die Stadt hätte lieber eine längere Vorbereitungszeit gehabt, auch um die ehrenamtlichen Helfer des Flüchtlingsnetzwerks besser einzubeziehen. „Wir tun ja wirklich, was wir können. Aber ich bin es langsam leid, ständig in die Bresche zu springen“, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler verärgert. Nicht zum ersten Mal kritisiert er die holprige Kommunikation zwischen den Verantwortlichen des Kreises Offenbach und der Stadt. Offen sei etwa die Frage, wie die 50 Neuankömmlinge auf die Aufnahmeverpflichtung der Stadt Rodgau angerechnet würden.

„Die Belegungsplanung läuft gerade“, berichtet Pressesprecherin Ursula Luh vom Kreis Offenbach. Es sei angedacht, das Hotel zunächst mit 50 Menschen zu belegen. Insgesamt stünden dort 76 Betten zur Verfügung. Das Haus werde für zehn Jahre angemietet. Die Höhe des Mietpreises sei vertraulich. Die Flüchtlinge an der Schillerstraße würden auf das Kontingent der Stadt angerechnet, bekräftigt Ursula Luh. Die jüngste Zuweisung von elf Personen nach Rodgau beziehe sich hingegen auf freie Schlafplätze, die die Stadt gemeldet habe.

Den Komfort eines Hotels dürfen die Neuankömmlinge im „Olive Inn“ nicht erwarten. Wie in anderen Gemeinschaftsunterkünften gilt der Grundsatz: Für Sauberkeit und Verpflegung sorgt jeder selbst. Eine Kochgelegenheit steht wohl in der Küche des ehemaligen Restaurants zur Verfügung. Bisher verbietet die Hausordnung, in den Schlafzimmern zu essen.

Der „Darmstädter Hof“ hat eine lange Geschichte. Ein Wirtshaus und Hotel gibt es an dieser Stelle seit mehr als 100 Jahren. Das Hotel „Olive Inn“ in Aschaffenburg übernahm das Haus in Weiskirchen vor einigen Jahren. Die Zimmer wurden im März 2013 renoviert. Das Restaurant steht jedoch seit einiger Zeit leer. Mehrere Wirte hatten dort vergeblich ihr Glück versucht.

Die Vermietung an den Kreis Offenbach wirft in Weiskirchen einige Fragen auf: Was wird aus den bisherigen Mitarbeitern des Hotels? Sind Umbauten im Haus notwendig? Kann der Musikverein weiterhin dort proben? Antworten darauf könnte Olive-Inn-Geschäftsführer Necla Kus, geben. Er war aber für unsere Zeitung bisher nicht erreichbar.

Die Flüchtlingsbetreuer der Caritas sollen sich ab Montag auch um die Menschen im ehemaligen „Darmstädter Hof“ kümmern. Ehrenamtliche Helfer aus dem Flüchtlingsnetzwerk wollen versuchen, den Neuankömmlingen die ersten Tage in Weiskirchen zu erleichtern. Auch Ortsvorsteherin Annemarie Jonas reagierte zunächst überrascht auf die Nachricht von der bevorstehenden Belegung des Hotels. Minuten später dachte sie schon darüber nach, die Hilfe zu organisieren. (eh)

Quelle: op-online.de

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