Hallen als Unterkunft

Kreis sucht Gewerbegebiete nach Räumen für Flüchtlinge ab

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Mitarbeiter der Kreisverwaltung suchen derzeit nach leer stehenden Immobilien, um dort Unterkünfte für Flüchtlinge zu etablieren. Auch Industriebrachen in Gewerbegebieten sind kein Tabu mehr. Das Foto zeigt ein beliebiges Gebäude in Weiskirchen – und nicht eine Halle, die als Flüchtlingsunterkunft dienen soll. - Foto: Wolf Mitarbeiter der Kreisverwaltung suchen derzeit nach leer stehenden Immobilien, um dort Unterkünfte für Flüchtlinge zu etablieren. Auch Industriebrachen in Gewerbegebieten sind kein Tabu mehr. Das Foto zeigt ein beliebiges Gebäude in Weiskirchen – und nicht eine Halle, die als Flüchtlingsunterkunft dienen soll.

Rodgau - Die Flüchtlingslage in der Stadt spitzt sich zu. In den letzten drei Monaten dieses Jahres werden Rodgau viermal so viele Asylanten zugewiesen, wie noch im Sommer angekündigt.

Über eine drastische Zuspitzung der Situation berichtete der Erste Stadtrat Michael Schüßler der Stadtverordnetenversammlung. Statt – wie bisher – 16 Flüchtlinge pro Monat muss die Stadt ab dem 12. Oktober 16 pro Woche aufnehmen. Die Zahl kann auch auf bis zu 20 steigen. „In dieser Dramaturgie ist das seitens des Landes bisher nicht kommuniziert worden“, sagte Schüßler besorgt. Er sei in dieser Sache anderer Meinung als Kanzlerin Merkel. Das Recht auf Asyl dürfe zwar keinen Beschränkungen unterliegen. „Es gibt aber faktische Grenzen des Machbaren“, erinnerte er an die Belastung der professionellen und ehrenamtlichen Helfer, die zum Beispiel in Gemeinschaftsunterkünften und Stadtverwaltungen arbeiten. Diese Grenzen seien in Rodgau wohl zum Jahresende erreicht. „Bis dahin wird’s noch gehen, aber dann müssen wir uns bei einem gleich bleibenden Flüchtlingsstrom neu aufstellen.“ Selbst wenn Rodgau finanziell in der Lage wäre, weitere Mitarbeiter für die Flüchtlingsbetreuung anzustellen, gäbe es diese Fachkräfte nicht. Das gebe der Markt einfach nicht her.

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Schüßler rechnet vor: „Bei 800 Flüchtlingen im Jahr in Rodgau bräuchte Rodgau pro Jahr zehn Flüchtlingsunterkünfte, wie sie der Kreis Offenbach in Nieder-Roden für mehr als zwei Millionen Euro neu gebaut hat. Das heißt, man müsste allein in Rodgau 20 Millionen Euro pro Jahr in Neubauten investieren.“ Das sei nicht realistisch. Umso wichtiger sei die Suche nach bestehenden Gebäuden, die als Gemeinschaftsunterkünfte dienen könnten. Die Suche nach solchen Liegenschaften liege nun wieder in Händen der Kreisverwaltung – und nicht mehr in Verantwortung der Stadt. Der Kreis sei in Weiskirchen bereits fündig geworden. Kreis-Sprecherin Ursula Luh sagte, es handele sich um ein Haus, in dem 76 Plätze bereit gestellt werden könnten. „Die Verhandlungen laufen. In 14 Tagen wollen wir dort die ersten Plätze belegen.“

Auch Industriebrachen in Gewerbegebieten sind inzwischen nicht mehr tabu. Erste Wahl sind Schüßler zufolge aber Hotels. „Die sind brandschutztechnisch auf dem aktuellen Stand“, erläuterte er diese Rangfolge. Schwierig sei es hingegen, das städtische Gebäude an der Friedberger Straße in Dudenhofen zur Flüchtlingsunterkunft umzubauen. Der Grundstückszuschnitt der Liegenschaft, in der bis zum Jahreswechsel 2014/15 die ärztliche Notdienstzentrale arbeitete, sei problematisch.

bp

Quelle: op-online.de

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