Farbe gegen Langeweile

Künstlerin Daniela Pulwey bemalt Betonmauer am Badesee

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Daniela Pulwey verschönt die Mauer, die am behindertengerechten Zugang zum Badesee entstanden ist.

Nieder-Roden - Was Pinsel, Farbe und künstlerisches Talent aus einer tristen Betonwand machen können, zeigt derzeit Daniela Pulwey. Sie verwandelt am Badesee die dröge Mauer am Behindertenzugang in ein farbenfrohes Freiluftgemälde. Von Simone Weil 

Dass St. Tropez in Rodgau eine Rolle spielt, wundert seit dem Erfolg der Rodgau Montones niemand mehr: Der kleine Hafenort an der Côte d’Azur ist zwar nicht die Partnerstadt von Nieder-Roden – und doch fühlen sich hiesige Lokalpatrioten dem bekannten Städtchen am Mittelmeer eng verbunden. Deswegen soll nun zusammengebracht werden, was dank der Hessen-Barden mit Weitblick für viele schon längst zusammengehört: nämlich St. Tropez und der Baggersee.

Das Unmögliche möglich macht Daniela Pulwey. Die Tiermalerin verschönt im Auftrag der Stadt die Mauer, die am behindertengerechten Zugang am Badesee entstanden ist. 40 Meter Beton und zwei Meter hoch: Da passt ordentlich was drauf. Seit Ende September arbeitet die Malerin am See, fast 80 Stunden sind es bislang.

Schnell war die Idee entstanden, die Natur rund um den See darzustellen mit Enten, Nilgänsen, Reiher, Eisvogel den schwimmenden Pontons und einem Anglerboot – alles realistisch abgebildet. Durch die Verwendung von Licht und Schatten entsteht außerdem beim Betrachter der Eindruck, das Bild sei dreidimensional oder habe richtig Tiefe.

Pulwey hat nicht nur Tiere, sondern auch einen Angler mit stattlichem Karpfen gemalt und einige witzige Details in ihrem Wandgemälde versteckt: Im Anglerboot etwa gibt es eine Dose mit Regenwürmern, die lustige Gesichter haben und sich vor Lachen krümmen. Ihren rustikalen Humor beweist die Malerin auch mit dem Eisvogel, der das Schild „St.Tropez am Baggersee“ vollgekackt hat.

„Wenn alles so glatt und neu ausschaut, hat das kein bisschen Flair“, meint Pulwey, die üblicherweise im Raumausstatterbetrieb ihres Mannes arbeitet. Erst wenn Dinge Gebrauchsspuren aufweisen und ein bisschen verwittert sind, findet die gelernte Einzelhandelskauffrau sie interessant.

Modellflieger-Rennen am Badesee

Bis zum Badesaisonauftakt im kommenden Jahr muss die 41-Jährige fertig sein. Deswegen ist sie froh, dass sie im Moment noch so viel Glück mit dem Wetter hatte. Denn sie habe sich etwas verschätzt, gesteht sie ein. Schließlich sei die Mauer auch ihr bislang größtes Projekt, erzählt Daniela Pulwey.

Üblicherweise malt sie eher kleinformatig. Zum Beispiel auf Eiern, die sie bei internationalen Osterausstellungen präsentiert. Am See aber wird richtig rangeklotzt: Mit Volltonfarbe wie für Hausfassaden grundiert die Malerin zunächst die Fläche. Dann werden mit Bleistift zarte Linien vorgezeichnet.

Neben der heimatlichen Landschaft entsteht im Moment eine mediterrane Ansicht mit Palmen, wie sie am Mittelmeer zu sehen ist. Außerdem ist eine Unterwasseransicht geplant. Fische, Krebse, Schildkröte, Delfin: In erster Linie sind es die Tiere, die es der Jügesheimer Malerin als Motiv angetan haben.

Die andere Seite der Mauer übrigens ist zu uneben, um bemalt zu werden. Deswegen sind dort kleine Bäume und Sträucher vor die Wand gepflanzt worden, um sie hinter zartem Grün unauffälliger werden zu lassen.

Durch die Berichterstattung in unserer Zeitung angeregt, meldete sich die überzeugte Rodgauerin selbst bei der Stadt und bot ihre Künste an. „Ich bin hier aufgewachsen und mag den See“, sagt sie. „Dann muss das ja niemand von außerhalb machen.“

Quelle: op-online.de

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