Künstlerin verwandelt Industriedenkmal

Klänge im Wasserturm

Jügesheim - Der Wasserturm zieht neue Saiten auf. Helga Griffiths aus Ober-Ramstadt hat das Jügesheimer Wahrzeichen in ein riesiges Musikinstrument verwandelt. Ihre Installation ist Teil der regionalen Veranstaltungsreihe „Klangkunst trifft Industriekultur“. Von Ekkehard Wolf 

Mehr als 40 Meter lang ist das Drahtseil, an dem diese Klangschale hängt. Durch ein Loch im Beton geht das Seil mitten durch den Wasserbehälter.

An drei Wochenenden können Besucher den Turm zum Klingen bringen. Ein völlig neues Wasserturm-Erlebnis erwartet die Besucher. Wer die 170 Stufen zum Turmzimmer hinaufgestiegen ist, steht erst mal im Dunklen. Blaue Linien, immer fünf auf einmal, leuchten in der Finsternis. Meeresrauschen mischt sich mit dem gedämpften Verkehrslärm von der Bundesstraße. Die leuchtenden Linien bestehen aus gespannten Drahtseilen. Es sind die Saiten eines großen Instruments. Man kann sie zupfen oder mit einem Bogen spielen. Tiefe Schwingungen, elektronisch verstärkt, beginnen den Raum zu füllen. Die Drähte sind im Dachgebälk verankert. Das Holz schwingt mit. Als Resonanzkörper dient der ehemalige Wasserbehälter. 400 Kubikmeter. Welch ein Volumen! Etwa sieben Meter lang sind die Stahlsaiten im Oberstübchen des Wasserturms. Die längste Saite zieht sich von der Turmspitze mitten durch den Wasserbehälter bis fast zum Boden. Am Ende hängt eine Klangschale, die mitschwingt.

„Tower of Resonance“ (Turm der Resonanz) nennt Helga Griffiths ihr temporäres Kunstwerk. „Als ich den Wasserturm zum ersten Mal gesehen habe, habe ich gleich an eine Saitentrommel gedacht“, erzählt sie. Mit den Resonanzen will sie etwas erlebbar machen, was sie das Raumgedächtnis nennt. Die Historie des Baudenkmals kann man sogar riechen: Der Wasserturm hat einen eigenen Geruch.

Hören, Sehen, Fühlen, Riechen: Mit ihren Installationen will die Künstlerin mehrere Sinne ansprechen. Die Veranstalter sprechen von „immersiven Multi-Sense-Installationen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst“. Der „Tower of Resonance“ ist eines von sieben Werken der Reihe „Klangkunst trifft Industriekultur“. Im Gegensatz zum Ruhrgebiet sei Klangkunst in Hessen eher ungewöhnlich, sagt Kuratorin Dr. Julia Cloot vom gemeinnützigen Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main. Eine Eigenart dieser Kunstform erklärt sie so: „Anders als beim musikalischen Werk können Sie selbst entscheiden, wie lange das Werk dauert.“

Öffnungszeiten: heute von 14 bis 19 Uhr, morgen von 10 bis 17 Uhr sowie am 17., 18., 19., 24., 25. und 26. Juli.

Quelle: op-online.de

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