Artenschutz-Maßnahme am Gewerbepark

Landebahn für Lerchen

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Getreidefeld beim VGP-Gewerbepark: Künstlich angelegte Freiflächen sollen verhindern, dass die Feldlerchen abwandern.

Dudenhofen - Eine der Artenschutz-Maßnahmen zum Bau des Gewerbe- und Logistikparks östlich der B45 hat im ersten Jahr nicht die erhoffte Wirkung gezeigt. An den 20 Lerchenfenstern in den nahe gelegenen Getreidefeldern haben keine Lerchen gebrütet. Von Ekkehard Wolf 

Das teilte der Magistrat jetzt dem städtischen Umweltausschuss mit. Hat die Großbaustelle die gefährdete Vogelart verdrängt? „Ganz so pessimistisch sind wir nicht“, sagt Biologe Dr. Hans-Georg Fritz vom Büro Ökoplanung in Darmstadt. Die Dudenhöfer Feldgemarkung sei noch vergleichsweise artenreich gegenüber anderen Regionen. Neben der Feldlerche seien auch andere Vogelarten wie Bluthänfling, Neuntöter und Feldsperling gut vertreten. Warum die Lerchen zunächst nicht in den Feldern brüteten, erklärt Bürgermeister Jürgen Hoffmann so: Die „schütter bewachsenen Ackerbrachen“ auf dem Baugelände seien für die Vögel vermutlich attraktiver als die neu angelegten Nistplätze gewesen.

Die Lerchenfenster sind eine der wenigen Ausgleichsmaßnahmen, die in Zusammenhang mit der Bebauung vorgeschrieben wurden. Die VGP Deutschland GmbH will auf einer Fläche von 23 Hektar mehrere riesige Gewerbehallen errichten. Die erste steht schon. Da das Gebiet früher intensiv als Acker und Weide genutzt wurde, stufen die Behörden den Verlust für die Natur als gering ein. Feldlerchen sind Bodenbrüter. Sie brauchen geschützte Flächen, auf denen sie ihre Nester anlegen können. In der Nähe dieser Stellen muss aber genügend Platz für eine Start- und Landebahn sein. Lerchenfenster lösen das Problem: Bei der Aussaat von Raps, Mais und Wintergerste lassen die Bauern kurze Streifen von drei mal sieben Metern aus. Die Lerchen können von dort aus ins Getreide laufen und ihre Nester bauen, ohne dass die hohen Halme später ihren An- und Abflug behindern. Der Deutsche Bauernverband und der Naturschutzbund propagieren diesen Beitrag zum Artenschutz seit ein paar Jahren. Ein Lerchenfenster kostet etwa zehn Euro pro Jahr.

In Dudenhofen legten zwei Landwirte im Auftrag der VGP erstmals solche künstlichen Freiflächen in ihren Feldern südlich der Blumenau an. Mit dem Traktor drückten sie im März 2014 das anwachsende Wintergetreide wieder platt. Bei einem Kontrollgang Ende Juni fand der beauftragte Biologe jedoch keinen Hinweis darauf, dass dort Feldlerchen gebrütet hätten, wie der Magistrat berichtet. Ein Jahr später kontrollierte Dr. Hans-Georg Fritz das Gebiet erneut. Ergebnis: Trotz der Großbaustelle beobachtete er Lerchen über den Getreidefeldern. Wo sich die Vögel in den nächsten Jahren zum Brutgeschäft niederlassen, bleibt abzuwarten. Die VGP-Gruppe muss die Lerchenfenster auf den Feldern nur für fünf Jahre finanzieren. Ab 2018 stellt die Stadt Rodgau eigene Grundstücke zur Verfügung. Dort sollen Blühwiesen eingesät werden, die den Bodenbrütern nicht nur Brutplätze, sondern auch Sämereien als Nahrung bieten.

Baustelle im Gewerbegebiet

Die Feldlerche, Vogel des Jahres 1998, gilt in Deutschland als bekannteste Vogelart der offenen Kulturlandschaft. Dennoch ist ihr trällernder Gesang längst nicht mehr überall zu hören. Seit den 1980er Jahren geht der Bestand bundesweit zurück. Der einstige Allerweltsvogel wird auf der Roten Liste der Brutvögel in Deutschland nun als gefährdet bezeichnet.

Quelle: op-online.de

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