Landwirtschaft leidet unter der Dürre

Die Erde ist staubtrocken

+
Landwirt Stefan Wolf an der Beregnungsanlage. Eine Turbine jagd 30 Kubikmeter Wasser pro Stunde durch die Rohre. Im Hintergrund: der Regner.

Rodgau - Die Dürre bringt Bauern langsam in die Klemme. In Nieder-Roden rechnet Landwirt Günther Keller bei Hafer und Sommergerste mit 40 Prozent Einbußen bei der Ernte. „Erst hatten wir ein trockenes Frühjahr und jetzt einen extremen Sommer.“ Von Bernhard Pelka 

„Im Mai hatten wir neun Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das ist so wenig, wie man mit einer Gießkanne auf dem Friedhof aufs Grab schüttet“, findet Keller einen erhellenden Vergleich. In Nieder-Roden mit besonders durchlässigen Sandböden, trifft der Mangel an Regen die Bauern besonders hart. Keller fürchtet, dass auch die Milchviehbetriebe leiden werden. „Die Wiesen bringen 25 Prozent weniger Futter als bei normalem Wetter. Da ist keine Substanz mehr drin.“ Und der Zweitschnitt, den das Wachstum der Gräser üblicherweise gestattet, „geht in diesem Jahr wohl in die Hose“. Mit der Folge, dass Milchbauern aus den teuer gekauften Vorräten in den Silos zufüttern müssen. Und das bei einem dramatischen Preisverfall bei der Milch.

„Nur noch Staub. Da bleibt nichts in den Händen“, demonstriert Landwirt Günther Keller die Trockenheit auf einem seiner Felder.

Gerade jetzt kommt’s drauf an. Aktuell entscheidet sich die Qualität der Ernte. Kann das Korn genug Nährstoffe aufnehmen? Bildet es große oder kleine Früchte aus? Aktuell müsste viel mehr Regen fallen, um ein gescheites Ergebnis erzielen zu können. Ohne Wasser kann selbstverständlich auch der Dünger nicht gut aufgenommen werden. Aber ausgerechnet jetzt herrscht Trockenheit. Auf einem Feld von Günther Keller hat der Hafer mit Müh und Not die 30-Zentimeter-Marke erreicht. Eigentlich müsste er derzeit etwa dreimal so hoch stehen. Hinzu kommt, dass bei spärlichem Wuchs die Feldfrucht den Boden nicht bedeckt. Deshalb ist er viel mehr dem Wind ausgesetzt als das gesund wäre. „Wind trocknet noch viel mehr aus als die Sonne“, erläutert der Landwirt.

Der Frühling 2015 war viel zu trocken

Wegen Wassermangels leiten viele Pflanzen eine Notreifung ein. Sie bekommen nicht genug Wasser, wollen aber trotzdem so schnell wie möglich fertig wachsen. Diese unglückliche Kombination führt dazu, dass die Feldfrüchte mickrig bleiben. In Weiskirchen ist die Lage dank künstlicher Bewässerung besser. Landwirt Stefan Wolf ist dort Vorsitzender eines Beregnungsverbands. Zwei Tiefbrunnen, mehrere Kleinbrunnen und eine Pumpstation an der Rodau speisen dessen Anlagen. Die Großregner haben bisher etwa 40 Prozent mehr Wasser verspritzt als sonst zu dieser Jahreszeit üblich.

„Schlafen ist Nebensache geworden“, beschreibt Wolf die harte Arbeit, die oft zu nachtschlafender Zeit geschieht. Dicke Rohre müssen verlegt und die Bewässerungsmaschinen versetzt werden. „Nachts ist es meist windstill und es verdunstet nicht so viel.“ Dem Beregnungsverband gehören noch drei aktive Landwirte und einige Vorstandsmitglieder an. „Früher waren wir 15“, erinnert sich Wolf. Schon in den 60er Jahren sei über künstliche Bewässerung nachgedacht worden. „Wir haben unsere Anlagen immer gut in Schuss gehalten. Davon profitieren wir jetzt“, sagt Wolf. Er ist überzeugt, dass sich Landwirtschaft in Zukunft nur noch bei künstlicher Beregnung lohnen wird.

Quelle: op-online.de

Kommentare