Restaurant im Bürgerhaus Weiskirchen geöffnet

Minibagger stört beim Speisen nicht

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Bürgerhauspächter Fikri Yilmaz an der neuen Bartheke: Er hat im Sommer rund 180 000 Euro in das Restaurant investiert.

Weiskirchen - Nach sechs Wochen Umbau ist das Restaurant des Bürgerhauses Weiskirchen moderner als je zuvor. Die Stadt und der Pächter haben viel Geld hineingesteckt. Jetzt wird schon wieder gebaut. Ein schadhaftes Abwasserrohr muss erneuert werden. Von Ekkehard Wolf 

Es liegt ausgerechnet an der unzugänglichsten Stelle des Hauses: 2,20 Meter unter dem Restaurant. Von den neuerlichen Bauarbeiten bekommen die Gäste praktisch nichts mit, denn die Baustelle befindet sich in einem abgetrennten Teil des Lokals. Für Gastwirt Fikri Yilmaz sind die Folgen spürbar: Etwa 50 Sitzplätze fehlen, der Umsatz ist entsprechend geringer. Doch Yilmaz beklagt sich nicht: „Ich habe Geduld, weil ich langfristig denke.“ Vom neuen Einkaufsmarkt und den großzügigen Parkplätzen erwartet er größeren Zulauf für sein Lokal.

Der Kleinbagger hebt im Restaurant des Bürgerhauses Weiskirchen eine Baugrube aus, damit das Abwasserrohr ausgetauscht werden kann.

Der erhöhte Teil des Restaurants ist derzeit abgesperrt. Durch die Fenster kann man einem Minibagger bei der Arbeit zusehen. Zu hören ist er praktisch nicht, denn er wird von einem Elektro-Aggregat angetrieben. Durch ein raumhohes Fenster kam der Bagger an seine Einsatzstelle: Zum Transport lässt sich sein Fahrwerk auf schmale 70 Zentimeter verkleinern.

Bauunternehmer Ansgar Bischof aus Kleinostheim hat sich auf solche kniffligen Arbeiten spezialisiert. „Wir machen die Sachen, an die sich die anderen nicht herantrauen“, sagt er selbstbewusst. Wenn es eng zugeht, ist er mit seinen Männern dabei: ob beim Fettabscheider einer Profiküche oder beim Abbau meterdicker Maschinenfundamente in einer Werkshalle.

Auch die Baustelle im Bürgerhaus brachte einige Überraschungen mit sich. Erst kam der geliehene Elektro-Bagger mit drei Tagen Verspätung, dann lag das Abwasserrohr an einer anderen Stelle als im Plan, schließlich tauchte überraschend ein 1000-Volt-Stromkabel im Boden auf. Auch das Kabel wurde behutsam freigelegt. Die letzten 40 Zentimeter der Baugrube müssen die Arbeiter ohnehin von Hand ausschachten: Der Kleinbagger reicht nur 1,80 Meter tief.

Die Bauarbeiten sind notwendig, um die Geruchsbelästigung in den Bürgerhaustoiletten in den Griff zu bekommen. Eine Kanalbefahrung brachte es an den Tag: Im Lauf der Jahrzehnte hat sich ein Rohr so zugesetzt, dass nur noch ein geringer Durchfluss möglich ist. Noch ist das Rohr nicht ganz freigelegt. Wenn es ausgetauscht ist und wenn die Baugrube wieder gefüllt ist, lässt die Stadt den Gastraum im Pavillon wieder neu herrichten. Boden und Wände müssen erneuert werden.

Gastwirt Fikri Yilmaz wartet schon auf den Tag, an dem er wieder das komplette Restaurant bewirtschaften kann. Statt der angekündigten Bauzeit von vier Wochen hat er vorsichtshalber sechs Wochen einkalkuliert. Danach wird es für ihn eng: „An Weihnachten habe ich das Haus voll. Ich habe Termine für Weihnachtsfeiern angenommen, alle anderen Feiern habe ich abgesagt.“

Seit 14 Jahren ist Yilmaz für seine Gäste im Bürgerhaus da. In dieser Zeit hat er das Restaurant dreimal modernisiert – aber noch nie so umfangreich wie dieses Jahr. Rund 180.000 Euro hat er in die neue Einrichtung gesteckt: einen Büfettraum mit moderner Wärmetechnik, eine Getränketheke mit Weinregalen für alle Temperaturen und hochwertiges Mobiliar. Auch die Stadt Rodgau als Eigentümerin ließ sich nicht lumpen. Sie nutzte den Sommer, um die Küche auf den neuesten Stand zu bringen. Anstelle der früheren Fliesen gibt es dort nun fugenlose Wände und Decken aus einem speziellen Kunststoff, der Schmutz abweist und sich viel leichter reinigen lässt. Der neue Bodenbelag ist rutschfest und weist ebenfalls keine Fugen mehr auf.

Der Austausch der Küchenlüftung brachte ungeahnte Folgen mit sich, wie Erster Stadtrat Michael Schüßler am Montag im Stadtparlament berichtete. Dabei habe sich gezeigt, dass die rund 50 Jahre alte Elektro-Installation nicht mehr den aktuellen VDE-Richtlinien entsprach: „Um unseren Vertrag mit dem Pächter aufrecht zu erhalten, waren wir gezwungen, die komplette Elektrik zu erneuern.“

Seit 2014 hat die Stadt laut Schüßler mehr als 300.000 Euro in das Bürgerhaus Weiskirchen investiert. Die Fenster wurden ausgetauscht (rund 200.000 Euro), der Saal bekam eine neue Decke mit Beleuchtung (mehr als 100.000 Euro) und ein neues Parkett. Die Toiletten der Gaststätte warten noch auf eine Erneuerung. Sie seien zwar nicht mehr schön, aber noch funktionsfähig, sagte Baudezernent Schüßler auf Anfrage der Fraktion „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB). Der Magistrat sei sich dessen bewusst, müsse aber auch an die beiden anderen Bürgerhäuser in Dudenhofen und Nieder-Roden denken.

Quelle: op-online.de

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