Rainer Fenchel seit 30 Jahren künstlerischer Leiter

Musikalische Märchen beim Musikverein Dudenhofen

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Die Trompeten-Abteilung war heuer so gut besetzt, dass es sich die Dudenhöfer leisten konnten, ihren Trompetenstar Mathias Müller in die Schlagzeug/Percussion-Abteilung „abzuschieben”.

Dudenhofen - Aus dem Vollen schöpfte das symphonische Blasorchester des Musikvereins Dudenhofen am Sonntag. Mit all ihrem Können konzentrierten sich Rainer Fenchel und seine Musiker darauf, märchenhafte Geschichten zu erzählen. Das Orchesterkonzert war diesmal keines weiter die Leiter „Höher, schneller, weiter” hinauf. Es war anders als sonst. Von Manfred Meyer 

Keine kleinen Ensembles, die die zweite Halbzeit mit Speziellem und ganz besonderen Schmankerln eröffneten. Kein grandioses, mehr oder weniger gewagtes, exklusives Filetstück in der ersten Konzerthälfte. Kein Gehen an interpretatorische Grenzen und darüber hinaus. Keine Solisten-Überflüge. Nein, diesmal gab es ein programmliches Motto, und das durchgängig. Dafür schöpfte man aus dem übervollen Füllhorn der Dudenhöfer Tutti-Fähigkeiten gezielt und wohldosiert, um Atmosphären und Stimmungen zu schaffen. Sie wurden benötigt, um Märchen und märchenhafte Geschichten zu erzählen. Das „Erzählen” ist auch wörtlich gemeint. Denn Moderator Tobias Kämmerer wurde am Sonntag auch als Erzähler eingesetzt. Für das „musikalische Märchen für Sprecher und Orchester Op. 67” von Sergej Prokofjew, „Peter und der Wolf”.

Hellauf begeistert war das Publikum im voll besetzten Bürgerhaus. Auch Anna Fenchel (vorne rechts), die Ehefrau des Dirigenten, spendete kräftig Applaus.

Kämmerer kommentierte und schilderte mit dem nötigen Ernst, auch augenzwinkernd und auf vereinzelte Reaktionen aus dem Publikum geschwind reagierend, was das Orchester sowie einzelne Instrumente in den Rollen von Peter (Klarinetten und Saxofone), seinem Großvater (Fagott, Waldemar Nowak), von Vogel (Flöte, Jasmin Brechtel), Ente (Oboe, Thorsten Nowak), Katze (Klarinette, Roberto Süß), Wolf (Hörner) und Waidleuten (Pauken) klangzeichneten. Für die Darstellung dieses Märchens sind gesprochene Passagen und Musikparts hintereinander gesetzt - und etliche fließen ineinander. Bei letzteren gab Programmgestalter Rainer Fenchel auch Kämmerer die Einsätze. Damit all seine Worte exakt neben und über die entsprechenden Töne kamen - und an den Handlungsenden auch alle Ausführenden gleichzeitig fertig wurden.

Begonnen hatte der „Peter und der Wolf”-Teil des Abends auch mit Prokofjew. Kurz und bündig, zackig marschierend - akkurat gespielt: der Marsch aus der Oper „Die Liebe zu den 3 Orangen”. Dann, nach der Pause: „Tales From Andersen” des 59-jährigen englischen Komponisten Martin Ellerby - Ouvertüre, „Der standhafte Zinnsoldat”, Soliloquy, „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern”, Scherzo, „Der Kaisers neue Kleider”, Idyll, „Die Schneekönigin”, Finale und Choral, „Die roten Schuhe”. Interpretation: tadellos, gekrönt von einem hell erstrahlenden, optimal abgerundeten Schlussakkord.

Daran anschließend kündigte Tobias Kämmerer sein Lieblingsstück des Abends an. Und er landete damit einmal mehr (wie bei den Kamelienkonzerten) einen Volltreffer, was die folgende Umsetzung durch das Orchester angeht.

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Gemeint sind „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” von Karel Svoboda, der vor einem Jahrzehnt knapp 70-jährig starb. Interpretation: Highlight des Abends, was das Publikum lautstark quittierte. Und dann gaben die Dudenhöfer doch noch dem Affen Zucker - mit dem „Dschungelbuch”. Insbesondere bei den schmissigen Stellen hieß es: Leinen los! Mit den umwerfenden New-Orleans-Parts daraus knüpften die Dudenhöfer an ihre Bestmarke an, die sie vor einigen Jahren mit Billy Joels „Root Beer Rag” erreicht hatten. Die Zugabe war ausgesprochen gefühlvoll: „Abendsegen” aus der Oper „Hänsel und Gretel” von Engelbert Humperdinck.

Bei den Danksagungen am Schluss des Orchesterkonzerts bedankte sich Willi Kratz, Vorsitzender des Musikvereins Dudenhofen, zweimal bei Rainer Fenchel. Zunächst für die engagierte Realisation des gerade verklungenen Konzerts. Und dann, ausführlicher, detaillierter, feierlicher, für 30 Jahre Dirigat bei den Dudenhöfern. Fenchel bekam allerlei überreicht, darunter ein Präsentkorb. Und, davon hatte er keine Ahnung gehabt, von der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände, Stuttgart, die Dirigentennadel in Gold mit Diamant. Man sah ihm an, wie sehr ihn diese Anerkennung freute. Fast so sehr, wie Ehefrau Anna begeistert war, als sie hörte, dass der Gutschein von Rainer Fenchels Verein für eine gemeinsame Unternehmung mit seiner Frau ein Tanzkurs ist. Darüber indes hielt sich die Begeisterung des Maestros in Grenzen: „Eine Veranstaltung im Sitzen wäre mir lieber gewesen.“

Quelle: op-online.de

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