33 Kreative präsentieren ihre Werke im Grünen

Kunst im Wald: „Naturkultur“-Ausstellung

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Die Gespenster scheinen richtig zu schweben.

Nieder-Roden - Natur und Kultur, sind das Gegensätze? Diese Frage stellte der städtische Kulturdezernent Winno Sahm zu Beginn der fünften „Naturkultur“-Ausstellung im Wald bei Nieder-Roden, ehe er mit Gerd Steinle, Initiator der Veranstaltung und Iris Husemann vom Forstamt Langen die Werke von 33 Künstlern den Blicken von mehr als hundert Besuchern überließ.

„Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen,/ Und haben sich, eh’ man es denkt, gefunden;/ Der Widerwille ist auch mir verschwunden,/Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.“ Mit diesem Reim stellte Sahm zunächst Goethe und dessen Verse zur Kunst an den Beginn der Ausstellung. Der Dichterfürst hatte sich wie viele andere kluge Köpfe der vergangen Jahrhunderte schon Gedanken über das Verhältnis von Kunst, Kultur und Natur gemacht und schwankt ebenfalls zwischen Gegensatz und Harmonie von Kunst und Natur. Im Zuge seiner zentralen Fragestellung nach diesem Verhältnis war dem Rodgauer Dezernenten für Kultur, Sport und Ehrenamt sehr daran gelegen, den besonderen Charakter der Präsentation herauszukehren, da die Ausstellung im Wald weder einer in musealen Räumlichkeiten gleiche noch ähnlich zu betrachten sei. Durch den Widerspruch zwischen Artifiziellem und Natürlichem sei die Naturkultur-Schau unter einem besonderen Blickwinkel zu begutachten und zu genießen.

Gerd Steinle erschien es besonders erwähnenswert, dass das fünfte Jahr der Naturkultur-Initiative sämtliche Rekorde der vorherigen Jahre gebrochen habe. Während beim ersten Anlauf nur 14 Künstler beteiligt waren, waren es in diesem Jahr ganze 33, also mehr als doppelt so viele. Für Iris Husemann aber auch ein Grund zu den Wurzeln der Veranstaltung zurückzublicken. Die Idee zur ersten Ausstellung im Wald seien Steinle und ihr bei einem Spaziergang gekommen, erinnerte sie sich mit Stolz.

Und dann ging es endlich los. Die Ausstellung war eröffnet und überall im Wald konnten gesellschaftskritische, mysteriöse oder Kunstwerke mit praktischem Nutzen wie verzierte Sitzbänke bestaunt werden. Und egal, ob es die riesigen Holzsäulen von Lothar Streckenreiter, Goldschmied und Bildhauer von Beruf, waren, die in ihrer Anordnung ein chaotisches Gebilde erzeugten, das an die Folgen eines Sturmes erinnern sollte oder der „rosarote Drache“ von Alois Linduschka, der dem Rodgauer Wald eine Fabelfigur schenkte, alle Kunstwerke fanden ihren Weg in die Herzen ihrer Betrachter.

Wer die Eröffnung verpasst haben sollte, dem steht es noch vier Wochen frei, einen Spaziergang durch den Wald zu machen und sich von einzigartiger Kunst berauschen zu lassen. Auf der 1 800 Meter langen Strecke sollten sich alle Besucher aber gewahr sein, dass der Weg das Ziel ist – gemäß dem Titel des ausgestellten Werks von Harald Hertel, welches sich durch parallele Reihen von Designer-Gartenleuchten auszeichnet. Führungen werden am 10. Juli um 14 Uhr, am 17. Juli um 17 Uhr und am 23. Juli um 15 Uhr angeboten. sjs 

Quelle: op-online.de

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