Dank an Mitarbeiter und Bürger

Parlament beschließt Millionenprojekt: Neues Heim für Flüchtlinge

Rodgau - Die Stadt baut am Mühlweg in Weiskirchen zwölf Wohnungen für Flüchtlinge. Die dort bestehende und seit Jahren verwahrloste Unterkunft für Obdachlose wird abgerissen. In Rodgau leben derzeit zehn Obdachlose.

Sie sollen künftig im früheren Doktorhaus in Dudenhofen wohnen. Das hat das Parlament beschlossen. Die Dynamik der Flüchtlingswelle zwingt die Stadt zu weiteren Maßnahmen. 410 Asylsuchende leben derzeit in Rodgau. Diese Zahl wird weiter zunehmen. Deshalb baut die Stadt die neue Unterkunft für 2,4 Millionen Euro. Diesem Plan stimmten alle Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung am Montag zu. Dissonanzen gab es lediglich darum, wo in Rodgau künftig die zurzeit zehn Obdachlosen leben sollen. Die Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern beschloss zusammen mit den Stimmen von ZmB („Zusammen mit Bürgern“), das Haus Nieuwpoorter Straße 130 (früheres Doktorhaus) zu diesem Zweck für 50.000 Euro herrichten zu lassen. Heino Reckließ (FDP) erläuterte, dieses Gebäude sei per Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 2012 zwar eigentlich zum Verkauf an den Dietzenbacher Investor Uwe Werkmann vorgesehen. Der Magistrat wolle diese Zusagen jetzt aber davon abhängig machen, ob Werkmann ein anderes Projekt von ihm, den seit Mitte 2012 versprochenen Bau des für Rodgau so wichtigen Ärtzehauses „Medicum“ in Nieder-Roden, nun endlich hinbekomme. „Sie bringen ihren Zweitwagen ja auch nicht ausgerechnet in die Werkstatt, die vorher ihren eigentlichen Wagen verbockt hat“, zog Reckließ einen rustikalen Vergleich.

Diese Entwicklung erzürnte die CDU-Fraktion. Deren Vorsitzender, Clemens Jäger, nannte es aufgebracht einen „Skandal“, dass der Magistrat für das frühere Doktorhaus offenbar einen neuen Investor suche, davon aber dem Parlament bisher nichts berichtet habe. Und jetzt plaudere Heino Reckließ darüber quasi mal nebenbei aus dem Nähkästchen. Die CDU enthielt sich, als es um die Frage ging, dass das Doktorhaus als Obdachlosenunterkunft dienen soll. Investor Werkmann sagte dazu gestern auf Anfrage unserer Zeitung, sein Herz hänge nicht am Doktorhaus. Er habe auf dem Grundstück Servicewohnen für Senioren realisieren wollen. Sofern die Stadt das Gelände nun anders vermarkten wolle, solle sie dies ruhig tun. Rodgau sei „nicht der Nabel der Welt“. Sein Unternehmen treibe das Ärztehausprojekt – wie versprochen – voran, auch wenn dies schwierig sei.

Elke Tomala-Brümmer hatte im Parlament für die CDU den Neubau der Flüchtlingsunterkunft zwar grundsätzlich gelobt. Zugleich reklamierte sie allerdings, dies werde nicht ausreichen, um die Nachfrage zu decken. Vom Magistrat forderte sie zur besseren Bewertung der Lage deshalb eine Gesamtplanung zur Flüchtlingsproblematik – unter Hinzuziehung des Rats von Experten. Heiko Stenzel (Die Linke) warf der Verwaltung vor, die Flüchtlingsarbeit verlaufe „im Schneckentempo“. Der Magistrat solle die Karten endlich auf den Tisch legen. Die Nutzung des bald freien Standorts der Stadtwerke in Jügesheim an der Hans-Böckler-Straße als Flüchtlingswohnheim werde unausweichlich sein.

Gegen den Vorwurf, zu langsam zu arbeiten, nahmen sowohl Heino Reckließ als auch sein Parteikollege, der Erste Stadtrat Michael Schüßler, die Mitarbeiter der Verwaltung in Schutz. „Die arbeiten bis zum Anschlag“, so Reckließ. Zugleich gebe es in der Bevölkerung zum Glück „eine unglaubliche Hilfsbereitschaft“. Schüßler schilderte die ganze Brisanz der Entwicklung. Seit März 2014 habe Rodgau 410 Flüchtlinge aufgenommen. Der Kreis Offenbach rechne ab Januar 2016 mit einem Zustrom von 150 Menschen pro Woche, die dann auf die Kommunen verteilt werden. „Dies bedeutet, dass im Kreis Offenbach alle vier Tage eine solche Unterkunft neu entstehen müsste, wie sie der Kreis Offenbach in Nieder-Roden gebaut hat. Das ist weder leistbar, noch finanzierbar. Und schon gar nicht planbar.“ Die Unterkunft in Nieder-Roden ist für 80 Bewohner ausgelegt. Im Mai war sie bezugsfertig – und platzt inzwischen aus allen Nähten. Schüßler zufolge hat der Kreis beantragt, dass dort künftig 120 Asylsuchende auf Zeit leben sollen.

bp

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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