Arbeitskreis beginnt mit Digitalisierung von Heimatstreifen

Filme für Nachwelt gesichert

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Rudi Keller (links) bekam eine Kamera in die Hand gedrückt und sollte filmen: Frank Stoffels sorgt heute dafür, dass diese Aufnahmen weiterleben.

Nieder-Roden - Der Arbeitskreis für Heimatkunde denkt schon eine Weile darüber nach, alte Filmdokumente für künftige Generationen zu sichern. Ehrenamtliche Heimatfilmer haben seit rund sechs Jahrzehnten wichtige Ereignisse im Ort festgehalten. Jetzt sollen die 16-Millimeter-Streifen digitalisiert und vertont werden. Von Simone Weil 

Die Zeit drängt: Irgendwann kann niemand mehr erläutern, was auf den etwa 180 Filmrollen seit dem Jahr 1954 zu sehen ist. Deswegen beschäftigt sich der Arbeitskreis für Heimatkunde schon seit geraumer Zeit mit der Frage, was mit dem historischen Schatz geschehen soll (wir berichteten). Doch wurden jetzt zunächst 6000 Euro investiert, um die notwendige Technik für dieses Projekt anzuschaffen. Dieser Kauf war zugleich Anlass für einen Vertrag mit der Stadt: Die „Vereinbarung über die Digitalisierung, Aufbewahrung und weitere Verwendung der sogenannten Rodgau-Filme“ unterzeichneten Bürgermeister Jügen Hoffmann und Vereinsvorsitzender Günther Keller im Heimatmuseum. Außerdem plant die Stadt, dem Verein  000 Euro fürs Überspielen der städtischen Streifen zu bezahlen.

„Das sind einzigartige Dokumente“, sagt der Vorsitzende. Per Kamera festgehalten hat Rudi Keller (83) als städtischer Mitarbeiter damals im Auftrag des Bürgermeisters etwa den Abbruch eines Hauses, Bauarbeiten für Wasserleitungen oder ein Fest. Bislang steuerte er seine Kommentare mündlich bei. Frühere Heimatfilmer wie der Lehrer Müller können keine Auskunft mehr zu ihren Aufnahmen geben, weil sie bereits verstorben sind.

Um die Filme auch künftig nutzen und folgenden Generationen zugänglich machen zu können, müssen die Streifen digitalisiert und schließlich alle vertont werden. Denn noch flimmern die Aufnahmen ohne jegliche Erklärung über die Leinwand. Seit gut drei Jahren beschäftigt sich der Heimatverein nun mit dem Thema. Auch die Stadt hat ein Interesse an der zeitgemäßen Bearbeitung des Materials: Sie holte im Sommer 2012 ein erstes Angebot ein. Die geschätzten Kosten für etwa 60 Stunden Material lagen bei 23.000 Euro.

Ehrenamtliche Helfer könnten das Projekt zwar sicher preiswerter machen, doch auch die von Günther Keller angepeilten Ausgaben von insgesamt 8000 bis 10.000 Euro sind freilich ein Brocken, an dem der kleine Arbeitskreis schwer zu knabbern hat.

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Das Umwandeln der zahllosen Filmkilometer in digitale Dateien ist allerdings nur der Anfang. Dann erst können die Streifen bearbeitet und gekürzt werden. Das ist nötig, weil die Heimatfilmer die Kamera einfach nur draufgehalten haben: gleichgültig ob sie eine Ansprache, einen Tanz, Baumfällarbeiten oder eine Einschulung aufs Zelluloid bannten.

Mit Frank Stoffels fand vor drei oder vier Jahren ein technisch Interessierter den Weg zum Arbeitskreis für Heimatkunde, der jetzt die ersten Filmmeter umgewandelt hat und die Arbeit fortsetzen will. Dem Heimatverein ist es wichtig, dass die Streifen ein geschlossenes Ensemble bleiben und nicht auseinandergerissen werden.

Quelle: op-online.de

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