Drache verrät Gefühle

Beratungszentrums-Leiterin setzt auf neue Instrumente

Nieder-Roden - Neue Angebote und neue Instrumente braucht die Flüchtlingsarbeit. Das hat Sybille Schilling auch in der eigenen Beratungsarbeit erfahren. Denn der Umgang mit den traumatisierten Hilfesuchenden erfordert Kenntnisse und Fingerspitzengefühl. Von Simone Weil 

Der Drache zeigt, was Sache ist: Kinder können mit den Holztieren spielen und brauchen nicht über Gefühle zu reden.

Die neue Leiterin des Beratungszentrums Ost in Nieder-Roden folgte dem langjährigen Chef Karl-Heinz Busse, der im November in den Ruhestand ging. Sie stammt aus Gelnhausen und war bereits in verschiedenen Positionen in der Familienhilfe, der Jugendhilfe und als selbstständige Eheberaterin tätig. Darüber hinaus ist die 48-Jährige Heilpraktikerin für Psychotherapie und ausgebildete systemische Beraterin. Schilling, die zwei erwachsene Söhne hat, („Das ist mir wichtig zu sagen, wenn man in der Erziehungsberatung arbeitet: Die Menschen merken, ob man weiß, wovon man spricht.“) hat schon vieles gemacht. Zur neuen Aufgabe sagt sie: „Es passt gut. Mit macht es Spaß und ich bin froh, so viele erfahrene und kompetente Mitarbeiter um mich zu haben.“ Im Auftrag des Kreises bietet das Beratungszentrum Ost seit 2007 Bürgern aus Rodgau, Rödermark, Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen Unterstützung an. Träger der Einrichtung ist der Caritasverband Offenbach. 2014 wurde etwa 2 400 Ratsuchenden geholfen.

Zu den Angeboten zählen Erziehungsberatung (im Jahr 2015 wurden insgesamt 1185 Personen erreicht), Familienberatung, Beratung für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, Beratung für Erzieher, Lehrer und pädagogische Fachkräfte, der sogenannte Begleitete Umgang sowie die Schulsozialarbeit. In Kooperation mit dem Suchthilfezentrum Wildhof findet am Puiseauxplatz 1 in Nieder-Roden Suchtberatung statt und in Kooperation mit dem Diakonischen Werk gibt es auch eine Schuldnerberatung, die im vergangenen Jahr 627 Menschen nutzten.

Bei der Neuausrichtung des Zentrums will Sybille Schilling einen Schwerpunkt in der Lebenswelt der Familien und Paare setzen. Dabei nimmt das Thema Trennung und Scheidung einen großen Platz ein. Deswegen soll es auch bald eine Gruppe für Sechs- bis Zwölfjährige aus betroffenen Familien geben.

Darüber hinaus wird der Umgang mit den Flüchtlingen professionalisiert. Zwei Fortbildungsangebote hat die neue Leiterin bereits initiiert, die den Fachkräften wichtige Impulse für ihre Arbeit geben sollen. Bereits stattgefunden hat der Fachtag „Trauma und Flucht“. Dabei hat Schilling beispielsweise die Erkenntnis gewonnen, „dass die Flüchtlinge, so lange sie nicht anerkannt sind, sich immer noch auf der Flucht befinden.“

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Eine Hilfe im Umgang mit den traumatisierten Kindern sind für die diplomierte Sozialarbeiterin die Ostheimer Holzfiguren. Mit deren Unterstützung kann der Nachwuchs seine Gefühle artikulieren: Die Tiere erlauben es den Kindern, einerseits distanziert zu bleiben, andererseits aber auch, ihre Emotionen zu spielen. Gerade wenn Sprachbarrieren hinzukommen, ist die Situation heikel genug, „weil Kinder nicht gern über Gefühle reden“, weiß die Zentrums-Leiterin.

Schilling hält viel von dem Instrument des Kinderpsychodramas, das bei der zweitägigen Weiterbildung „Teilearbeit mit Flüchtlingsfamilien“ mit Alfons Aichinger am 21. und 22. April Thema ist. Einige Plätze sind noch frei: 06106/66009-0.

Quelle: op-online.de

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