Einleben in der neuen Heimat leicht gemacht

Deutschland für Anfänger

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Holger Hitzel und Kollegin Sandra Wenzel haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Asylbewerber schnell integrieren wollen und hochmotiviert sind. 

Nieder-Roden - Sandra Wenzel und Holger Hitzel helfen Flüchtlingen beim Einleben in ihrer neuen Heimat. Das ist aber nicht immer einfach. Von Simone Weil 

„Was man da an Geschichten hört, ist der Wahnsinn." Sandra Wenzel und ihr Kollege Holger Hitzel haben inzwischen eine Vorstellung davon bekommen, was es heißt, sein Heimatland mit ein paar Habseligkeiten verlassen und sich unter abenteuerlichen Bedingungen nach Westeuropa durchschlagen zu müssen.

Seit Anfang Juli hilft die Sozialarbeiterin Flüchtlingen aus allen Teilen der Welt beim Einleben in ihrer neuen Heimat Rodgau. Seit November unterstützt der Soziologe sie. Die beiden Betreuer nehmen die zum Teil schwer traumatisierten Menschen an die Hand und helfen ihnen, sich in der neuen Heimat zurechtzufinden. Dazu gehören viele Fragen des praktischen Lebens, aber auch Hilfestellungen bei Behördengängen und die Vermittlung zu Beratungsangeboten.

Die meisten Asylbewerber wollen sich zunächst von den Strapazen der aufreibenden Flucht erholen und wünschen sich nichts sehnlicher, als endlich Ruhe und Frieden zu finden. Oft kommen sie aus völlig anderen Kulturen und müssen sich in Deutschland eingewöhnen. Inzwischen sind es 180 Menschen aus Ländern wie Eritrea, Somalia, Afghanistan, Iran, Kosovo, Albanien und Syrien, die in Rodgau eine neue Heimat finden wollen.

Mit Händen und Füßen verständigen

Deutschland für Anfänger. Der Grundkurs beginnt vom ersten Moment an: Wenn sich die Mitarbeiter des Caritasverbands Offenbach und die Asylbewerber in der zugewiesenen Wohnung gegenüberstehen, verständigen sie sich manchmal mit Händen und Füßen. Denn nicht immer kommen sie mit Englisch weiter, manchmal helfen deswegen andere Flüchtlinge als Übersetzer aus.

Wo kann man einkaufen? Wie fahre ich mit dem Bus? Wo stellt man die Heizung an? Wie komme ich zur Ausländerbehörde? Es sind viele Fragen zu klären und zahlreiche Handgriffe zu zeigen. Woran man sicher nicht gleich denkt: Auch mit der Mülltrennung müssen sich die Neuankömmlinge beschäftigen. „Denn das birgt Konfliktpotenzial“, weiß Holger Hitzel. Schließlich werden die Asylbewerber nicht von allen Nachbarn mit offenen Armen empfangen, sondern sowieso skeptisch beargwöhnt. Deswegen ist es wichtig, das komplizierte Abfallsystem zu beherrschen.

Der Rundfunkbeitrag ist ein weiteres Stichwort für den Soziologen: Die Flüchtlinge werden per Antrag davon befreit. „Doch das muss man erst mal jemanden klarmachen, dass er Gebühren bezahlen müsste, auch wenn er überhaupt keinen Fernseher hat.“

Weil es bei den Behörden jede Menge bürokratischer Hürden gibt, haben Wenzel und Hitzel viel damit zu tun, Formulare auszufüllen und beim Kontakt mit allen öffentlichen Stellen wie Kindergärten, Schulen und Ämtern zu helfen. Ihr Büro in der gerade ins Erdgeschoss verlegten Beratungsstelle am Puiseauxplatz 1 in Nieder-Roden ist deswegen eine wichtige Anlaufstelle für Ratsuchende.

Ein Sozialarbeiter ist immer für 100 Neuankömmlinge zuständig: Weil bei diesem Zuteilungsschlüssel eine persönliche Betreuung beim Einleben in dem fremden Land nicht möglich ist, unterstützen auch viele engagierte Bürger diese Arbeit: 50 ehrenamtlich und 120 in Bereitschaft. Die Freiwilligen kümmern sich um die Beschaffung von Hausrat und Fahrrädern und helfen beim Einleben. Koordiniert wird das ehrenamtliche Engagement von der städtischen Mitarbeiterin Sibille Steinmeyer.

Menschen flüchten nicht gerne

Kontakt: 06106 66009-171, -172, oder www.caritas-offenbach.de

„Man muss sich immer klar machen, dass diese Menschen nicht gerne flüchten“. sagt Holger Hitzel. Die beiden Betreuer haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Asylbewerber schnell integrieren wollen und hochmotiviert sind. Außerdem würden sie sehr gerne arbeiten. Das allerdings dürfen sie meistens erst, wenn ihr Status geklärt ist. Auch dann ist es schwierig, weil oft Zeugnisse und Papiere fehlen.

Sandra Wenzel wundert das nicht: „Da flüchten Menschen zu Fuß durch die Wüste und auf Booten übers Meer und sollen dann noch laminierte Zeugnisse in der Hosentasche haben?“, fragt sie provokativ. Qualifikationen würden außerdem oft nicht anerkannt oder herabgestuft. Aber es gibt auch Erfreuliches zu berichten: Immerhin kamen bereits fünf gesunde Babys zur Welt. „Es gibt viele tolle Begegnungen und die Menschen freuen sich so sehr“, erzählt die Sozialarbeiterin.

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Quelle: op-online.de

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