Wohnraum wieder an "Bestandsbürger"

Neue Sammelunterkunft für Flüchtlinge

Nieder-Roden - Etwa 80 der rund 600 Flüchtlinge in Rodgau sollen aus Mietwohnungen in eine neue Gemeinschaftsunterkunft umziehen. Dadurch will der Magistrat Wohnraum für Einheimische freibekommen. Derzeit warten rund 200 Rodgauer auf eine Sozialwohnung.

Die Stadt habe Wohnungen in Anspruch genommen, um Menschen in einer Notlage unterzubringen, sagte Erster Stadtrat Michael Schüßler gestern vor der Presse. Nun habe sich die Situation etwas entspannt. Deshalb könne man nun eine Reihe an Wohnungen wieder an „Bestandsbürger“ vergeben. Besonders erwähnte Schüßler 22 Sozialwohnungen, in denen derzeit Geflüchtete leben. 16 dieser Wohnungen gehören der Stadt, sechs der Nassauischen Heimstätte. Weitere 44 Wohnungen hat die Stadt von privaten Eigentümern angemietet. Im Rathaus gibt es eine Warteliste für Menschen, die eine Sozialwohnung suchen. Rund 200 Namen stehen darauf.

Nicht alle Geflüchteten, die derzeit in Mietwohnungen leben, will der Magistrat umquartieren. Familien sollen dort bleiben, wo sie sind. Die neue Gemeinschaftsunterkunft ist in erster Linie für allein Stehende gedacht, die bisher in zusammengewürfelten Wohngemeinschaften leben. Das betrifft etwa 80 Menschen. Stadt-Pressesprecherin Sabine Fischer spricht von „Zwangs-WGs“. Gab es in diesen „Zwangs-WGs“ Schwierigkeiten? Zu dieser Frage ließen sich Bürgermeister und Erster Stadtrat gestern keine Antwort entlocken. Kulturdezernent Winno Sahm sagte, für Einzelpersonen sei eine dezentrale Unterbringung nicht besser als eine Sammelunterkunft.

Die neue Behausung soll in der Borsigstraße 35 entstehen, also im Gewerbegebiet Nieder-Roden-Süd. Über die Vergangenheit des Gebäudes spricht Bürgermeister Jürgen Hoffmann nur ungern. Dort agierte vor einigen Jahren ein Internetbetrüger, dem Polizei und Staatsanwälte auf den Fersen waren. Sein „Geschäftsfeld“ waren sogenannte Abofallen, die arglosen Bürgern das Geld aus der Tasche zogen. Unter neuem Eigentümer soll das Haus nun einem besseren Zweck dienen.

Wenn das Stadtparlament zustimmt, mietet die Stadt das Gebäude ab 1. Oktober. Der Eigentümer baut es so um, dass bis zu 90 Menschen darin leben können. Vorgesehen sind Drei- bis Zehn-Bett-Zimmer mit sehr einfacher Ausstattung: „etwa wie in der alten Schule Jügesheim“, wie Laura Klein von der Rathaus-Pressestelle sagt. Die Stadt wolle die Unterkunft „kostendeckend belegen“, hieß es gestern in der Pressekonferenz des Magistrats. Das heißt: Die staatlichen Pro-Kopf-Beträge müssen für Miete und Betriebskosten ausreichen. Laut Magistrat sind das rund 400 000 Euro pro Jahr. Wie lange der Mietvertrag laufen soll, wurde nicht genannt. eh

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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