Am liebsten der eigene Chef

IHK kümmert sich um Neulinge im Geschäft

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Adam Sopala vertreibt übers Internet zum Beispiel Armbanduhren und Schmuck. Dafür genügt ihm ein schlichtes Büro. Oder er arbeitet unterwegs. Die Industrie- und Handelskammer Offenbach hat ihn bei der Existenzgründung begleitet. „Die IHK war für mich ein Fels in der Brandung“, lobt er deren Engagement.

Rodgau - Firmengründer haben’s nicht leicht. Manchmal ergeht es ihnen wie kleinen Kindern beim Laufenlernen. Sie stolpern, ringen ums Gleichgewicht, setzen sich auf den Hosenboden, rappeln sich wieder auf und machen die ersten Schritte dann doch ganz allein. Von Bernhard Pelka 

Zwei Neu-Bosse stellen wir anlässlich des Gründertags der Offenbacher Industrie- und Handelskammer (IHK) heute vor. Wühlmäuse im Kompost? Wespen im Rollladenkasten? Jonas Kitzinger kann aus der Patsche helfen. Der frischgebackene Schädlingsbekämpfer mit IHK-Prüfung hat sich vor vier Wochen aufs glatte Parkett der Neugründungen begeben. Vorbild für diese spannende Variante des Berufslebens ist sein Vater Johannes. Der Florist betreibt in Offenbach und Frankfurt Blumenläden der gehobenen Klasse. Sohn Jonas tritt nun in seine Fußstapfen. Zwar nicht als Nachfolger, aber immerhin als Unternehmer. „Ich will mein eigener Chef sein und mein Leben selbst steuern“, schildert der 23-Jährige seine Motive.

Nach dem Realschulabschluss an der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden lernte der junge Mann zwar zunächst Industriekaufmann. „Aber immer nur im Büro – das war nichts für mich.“ Es folgte ein krasser Umschwung: eine Ausbildung als Schädlingsbekämpfer und Fachmann für Holz- und Bautenschutz sowie für biologischen Pflanzenschutz mit dem Ziel der Selbstständigkeit. Während der dualen Lehre stand der junge Mann von Anfang an seinem Arbeitgeber immer in Blöcken zur Verfügung und paukte dazwischen einige Wochen lang an einem Berufskolleg in Gelsenkirchen. Drei Jahre und drei Abschlussprüfungen später dürfte Jonas Kitzinger jetzt sogar selbst ausbilden. Das überlegt er sich auch. Derzeit zieht er seinen Ein-Mann-Betrieb allerdings höher fliegenden Plänen noch vor. „Das Ganze muss erst mal ins Laufen kommen.“

Jonas Kitzinger verankert eine Rattenköderstation. Die Box aus Metall ist innen so konstruiert, dass der darin befestigte Köder nicht verschleppt werden kann. Auch ist es unmöglich, dass Hunde oder gar spielende Kinder an den Köder gelangen.

Unterstützung bekommt der Jungunternehmer sechs Monate lang von der Arbeitsagentur. Die hatte der Rodgauer zuvor mit einem schlüssigen Businessplan im Einzelgespräch von seinem Konzept überzeugt. Den Rest erledigte der Schädlingsexperte selbst. Nun hofft er auf Verträge mit Großfirmen wie der Stadt, Bäckereien, Hausverwaltungen oder Restaurants. Das würde regelmäßige Einnahmen verschaffen und damit ein sicheres Wirtschaften ermöglichen. Vielleicht überzeugt die Kundschaft ja Kitzingers spezieller Service: Er hat an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr Bereitschaftsdienst. Schon länger sein eigener Herr ist Adam Sopala. Der Weiskircher hat vor einem Jahr einen Onlinehandel für hochwertige Uhren, Schmuck und Sonnebrillen aufgezogen. Das Internetgeschäft kennt er aus dem Effeff. Als leitender Angestellter hat er den Vertrieb von Produkten übers weltweite Netz bei Holzland Becker gelernt. Die dabei erworbenen Kenntnisse nutzt der 41-Jährige jetzt, „um die berufliche Zukunft eigenverantwortlich zu steuern“. Die sei auch der Antrieb zur Selbstständigkeit gewesen.

Der Start vor einem Jahr war extrem spannend. „Wie komme ich an? Wie kommen meine Preise an? Wie reagieren die Kunden auf meinen Auftritt?“ Das waren Fragen, die Adam Sopala damals immer wieder beschäftigten. Für sein Geschäftsmodell nutzt der Unternehmer klassische Portale wie eBay und Amazon. Geplant ist aber im Lauf dieses Jahres ein eigener Onlineshop unter www.schicke-uhr.de. Bemerkenswert findet Sopala, dass eBay und Amazon neue Händler „nicht einfach so zulassen“. Man müsse da schon bestimmte Bedingungen und Standards erfüllen. Warenlieferanten zu finden sei hingegen nicht schwer gewesen.

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Positiv überrascht hat ihn auch, wie viel gute Software mittlerweile für neue Onlinehändler zur Verfügung steht. Es ist für den Geschäftsmann deshalb überhaupt kein Problem, derzeit ein komplettes Warenwirtschaftssystem mit Verwaltung des Lagerbestand, Kundenmanagement und Buchhaltung aufzubauen. Nicht missen möchte er seine Freiheit: „Das Geschäft läuft auch unterwegs per Laptop und Handy wunderbar.“

Quelle: op-online.de

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