Grizzlys und Wale bestaunt

Rodgauer Paar ist seit zehn Monaten auf Weltreise

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Manuela Gebhardt und Thomas Guthmann (hier in Kanada am Moraine-See) haben lang von ihrer Weltreise geträumt und sich intensiv vorbereitet. 

Jügesheim - Seit 287 Tagen sind Manuela Gebhardt und Thomas Guthmann unterwegs. Sie haben inzwischen sechs Länder bereist und zwölf Flüge absolviert. 66 Stunden im Flieger und 760 gewanderte Kilometer liegen hinter ihnen. Ihr aktueller Aufenthaltsort ist Fairbanks in Alaska. Von Simone Weil 

Im Oktober vergangenen Jahres sind die beiden promovierten Biologen zur Weltreise aufgebrochen. Die beiden abenteuerlustigen Rodgauer hatten ihre Jobs gekündigt und waren fest entschlossen, die Welt mit eigenen Augen kennenzulernen (wir berichteten). Am Anfang stand der Plan, zwei Jahre lang zu reisen, weil dies das Maximum ist, welches ihre Auslandskrankenversicherung hergibt. Aber mittlerweile wollen die beiden 33-Jährigen immerhin so lange unterwegs sein, wie eben ihr Erspartes reicht. „Australien und Neuseeland waren teurer als erwartet“, hat Thomas Guthmann nämlich festgestellt.

Los ging es für die beiden in der Millionenmetropole Singapur, danach reisten sie an Australiens Ostküste von Brisbane nach Sydney und weiter nach Melbourne. Zwei Monate verbrachten sie auf Tasmanien, waren begeistert von der vielfältigen Natur und faszinierenden Tieren. Sie wanderten durch die Bergwelt Tasmaniens auf dem Overland Track und erlebten dabei ein ungemütliches Abenteuer, da es heftig stürmte, regnete und morgens eisige Temperaturen den Wanderweg gefrieren ließen oder waren in Spinnenseide gehüllt mit Blutegeln an den Waden und vorbei an Tigersnakes unterwegs.

In die atemberaubende Landschaft Neuseelands haben sich die beiden Biologen verliebt.

Drei Monate zogen sie durch Neuseeland und verliebten sich in die atemberaubende Landschaft der Südinsel. Über 500 Kilometer wanderten sie dort und wurden erneut auf eine Probe gestellt, als sie tagelang in einer Hütte festsaßen, da die Flüsse wegen Starkregen zu wild zum Durchqueren waren. Diese Wettereinbrüche aber waren bislang das Schlimmste, womit die beiden Weltreisenden zu kämpfen hatten: Andere Katastrophen blieben aus. Dennoch gibt es unliebsame Überraschungen: „Beim Wandern in Tasmanien öffnete ich am Morgen meinen Rucksack und erblickte völlig unerwartet einen Skorpion. Dieser war zum Glück nicht angriffslustig“, berichtet Guthmann.

Es sind trotz dieses kleinen Schreckens vor allem die Begegnungen mit Tieren, die die Herzen der beiden Naturbegeisterten höher schlagen lassen: So sahen sie beispielsweise eine Tölpelkolonie mit Jungen, die ihre ersten Flugversuche unternahmen oder Seehundbabys, die an der Steilküste im Wasser spielten. „Als speziellen Biologenglücksgriff“ bezeichnet es Thomas Guthmann, dass es herzerwärmend sei, Tiere wie Weißkopfseeadler, Grizzlys, Echidnas, Keas, und Buckelwale live zu sehen und nicht in einer TV-Doku oder im Zoo: „Eben in ihrem Habitat fernab der Zivilisation.“

Weltreise: Günstig um die Erde fliegen

Geschlafen wird übrigens die überwiegende Zeit im Auto, ansonsten im Zelt. Das aktuelle Gefährt ist ein Minivan, in den sie selbst eine Couch-Bett-Kombination aus Holz gebaut und sich gemütlich eingerichtet haben. „Für die meisten sicherlich kaum vorstellbar, aber es ist super bequem“, meint Guthmann. Das Hab und Gut des Paares findet Platz in einem Trekkingrucksack, wobei die Kameraausrüstung einen großen Teil beansprucht, um ihre Weltreise dokumentieren zu können.

Außergewöhnliche Speisen (also Essen gehen) gibt das Reisebudget nicht her. Also wird zubereitet, was der Campingkocher ermöglicht und in andere Aktivitäten wie Wanderungen investiert. Nichtsdestotrotz essen beide gerne „fish’n chips“, dies am liebsten in kleinen Häfen auf schwankenden Docks, wo die Fischer anlegen.

Als echten Glücksgriff empfinden die beiden ihre gesamte Reise. Für das Paar ist es ein Privileg, dies auf ihre Art und Weise tun zu können. Obwohl sie seit Oktober täglich 24 Stunden aufeinanderhocken, streiten sie nicht oder werden sich lästig.

Mit einsetzendem Herbst wollen die beiden die Länder Südamerikas erkunden. Wer das Weltreiseabenteuer weiter verfolgen möchte: www.thomasguthmann.de

Quelle: op-online.de

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