Vertrauensbeweis für Kooperation

Parteien bewerten das Ergebnis der Bürgermeisterwahl

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Die überschaubare Anzahl an Stimmzetteln ist schnell ausgezählt. In diesem Wahllokal im Haus der Begegnung gaben nur 373 der 1270 Wahlberechtigten ihre Stimmen ab.

Rodgau - Nach der Bürgermeisterwahl vom Sonntag richten die Parteien den Blick nach vorn. Sowohl die regierende Mehrheit (SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler) als auch die CDU erhoffen sich Rückenwind für die Kommunalwahl am 6. März. Von Ekkehard Wolf 

Die niedrige Wahlbeteiligung wird jedoch unterschiedlich bewertet. Sonniges Herbstwetter lockte am Sonntag zum Spaziergang. Trotzdem gaben nur etwa vier von zehn Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Margit Müller-Ollech, die Vorsitzende der CDU Rodgau, bezeichnet die niedrige Wählerzahl als „bedenklich“. Winno Sahm (Grüne) hingegen sieht die Wahlbeteiligung von 39 Prozent nicht als problematisch an. „Bei einer relativ undramatischen Ausgangslage“ sei das für eine Stadt dieser Größe ein üblicher Wert. Nur in kleineren Gemeinden oder bei aufgeheizter Stimmung gingen prozentual mehr Menschen zur Wahl. Es sei ein Trugschluss, die niedrige Wahlbeteiligung als Zeichen von Politikferne zu interpretieren: „Die Politikferne ist nicht größer als vor 50 Jahren.“ Vielmehr sei die Bereitschaft zu nicht hinterfragten Pflichthandlungen gesunken.

Die Ehefrauen sind immer dabei - ob bei Wahlsieger Jürgen Hoffmann oder auf der CDU-Wahlparty, wo Olaf Burmeister-Salg den Parteifreunden dankt.

Wem hätte eine höhere Wahlbeteiligung genutzt? Da gehen die Ansichten auseinander. Sein größter Gegner im Wahlkampf sei der Satz „Es ist doch alles gelaufen“ gewesen, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Die CDU-Vorsitzende Müller-Ollech hingegen führt das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten auch auf die geringe Beteiligung zurück. Sie nennt die 30,8 Prozent für Olaf Burmeister-Salg ein „sehr respektables Ergebnis“. Dass der zuvor unbekannte Kandidat es innerhalb kurzer Zeit zu großer Bekanntheit gebracht habe, sei auch ein Verdienst des Wahlkampfleiters Lars Neumann. Nur in einem Wahllokal (Sozialzentrum Nieder-Roden) und in zwei Briefwahlbezirken kam der CDU-Kandidat auf mehr als 40 Prozent. Dass die Union in Rodgau ein höheres Wählerpotenzial hat, zeigt das Ergebnis der Landratswahl. Oliver Quilling (CDU) erhielt in allen Stadtteilen die absolute Mehrheit: in Weiskirchen 56,6 Prozent, in den anderen Stadtteilen um die 52 Prozent. „50,8 Prozent wären mir lieber gewesen“, sagte Olaf Burmeister-Salg am Morgen nach der Wahl. Die Partei habe im Wahlkampf wunderbar zusammengearbeitet und ihn durch große Einigkeit beeindruckt. „Es war ein toller Wahlkampf, wir haben alles gegeben.“

Wahlergebnisse in den Stadtteilen:

Jügesheim: Hoffmann 70,1 %, Burmeister-Salg 29,9 %

Dudenhofen: Hoffmann 71,1 %, Burmeister-Salg 28,9 %

Nieder-Roden: Hoffmann 66,5 %, Burmeister-Salg 33,5 %

Hainhausen: Hoffmann 72,3 %, Burmeister-Salg 27,7 %

Weiskirchen: Hoffmann 67 %, Burmeister-Salg 33%

Bürgermeister Jürgen Hoffmann sieht in seinem Wahlergebnis von 69,2 Prozent einen Vertrauensbeweis nicht nur für seine Person, sondern für ein Gesamtwerk von Bürgermeister, Kooperation und Verwaltung: „Wir arbeiten nachhaltig und ehrlich.“ Die gleichmäßige Zustimmung im ganzen Stadtgebiet zeige, „dass wir es richtig gemacht haben“. Trotz der niedrigeren Wahlbeteiligung erhielt Hoffmann 179 Stimmen mehr als 2009 bei der Stichwahl gegen Alois Schwab. Die regierende Kooperation sieht in der Wiederwahl des Bürgermeisters eine Bestätigung ihrer Arbeit. Dank Hoffmann habe sich in den vergangenen Jahren in Rodgau so viel bewegt wie schon lange nicht mehr, würdigt SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Kunert. Die Suche nach der besten Lösung für die Stadt bringe die Kooperation bisweilen an ihre Grenzen. Heino Reckließ (FDP) nennt die Gewerbesteuer als Beispiel: „Die Erhöhung wurde uns vom Land aufgedrückt, aber uns als Partei hat es beinahe zerrissen.“ In der 30-köpfigen Kooperationsrunde werde kontrovers und ergebnisoffen diskutiert, so Winno Sahm (Grüne). Dabei gehe es stets um das Wohl der Stadt, betont Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP). Auch die Sparrunden im Rathaus seien vom Verständnis für die Situation des anderen geprägt. Die Bürger hätten die konstante und berechenbare Linie bei der Wahl honoriert.

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Die vier Kooperationspartner wollen die Zeit bis zur Kommunalwahl nutzen, um ihre Profile zu schärfen. „Wir sind kein Bürgermeister-Wahlverein“, so Kunert (SPD). Karl-Heinz Dauth von den Freien Wählern ergänzt: „Ich bin guter Dinge, dass unsere Politik auch im März von den Bürgern honoriert wird.“ Auch die CDU will die Wahl im März gewinnen. „Wir sehen das sehr optimistisch“, sagt Fraktionsvorsitzender Clemens Jäger. In Gesprächen mit Bürgern sei die Union in den letzten Wochen auf hohe Zustimmung gestoßen. Fraglich sei, ob die Grünen ohne den Fukushima-Effekt ihr letztes Wahlergebnis wiederholen könnten. Offen bleibt, ob sich Olaf Burmeister-Salg im März um einen Sitz im Stadtparlament bewirbt. Als Antwort auf diese Frage gab es gestern nur ein Lächeln. Der Listenparteitag der CDU Rodgau ist erst am 5. November.

Quelle: op-online.de

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