Mandarinenbäumchen ist begehrt

Pflanzentauschbörse des Obst- und Gartenbauvereins

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Eine staunenswerte Artenvielfalt bot am Samstag die fünfte Pflanzentauschbörse des Obst- und Gartenbauvereins Hainhausen. Am Bahnpfädchen fanden sich zahlreiche Besucher ein.

Hainhausen - Tauschen und schenken über den Zaun – unter Gartennachbarn guter Brauch, wenn alle Beete bepflanzt und noch Stecklinge übrig sind. Von Oliver Klemt 

Der Obst- und Gartenbauverein Hainhausen hat daraus eine Veranstaltung gemacht, die den Horizont guter Nachbarschaft inzwischen weit über den Ort hinaus, sogar bis über die Rodgauer Stadtgrenzen erweitert hat: Zum fünften Mal fand am Samstag am Bahnpfädchen eine Pflanzentauschbörse statt. Kopfsalat und Erdbeerpflänzchen, Schnittlauch und ein kleiner Beerenstrauch – in Töpfen, Kästen, Eimerchen und Marmeladengläser warten die Klassiker auf Gartenfreunde, die in einem der städtischen Kleingärten rundum oder daheim hinterm Häuschen noch ein paar sonnige Ecken frei haben. Der schmale Rasenstreifen am Hauptweg der Kolonie, die gegenüber dem S-Bahn-Gleis die verlängerte Frankenstraße säumt, könnte auch ein Präsentationstisch in einer Großgärtnerei sein. Ohne Blütenmeer in verlockenden Farben, dafür mit einer Artenvielfalt, die Staunen macht.

„Getauscht wird hier einfach alles“, sagt Sabine Liebich, Erste Vorsitzende der organisierten Gartenfreunde. Grenzen haben die Veranstalter nicht gesetzt: Mindestens die Hälfte der Tauschobjekte, die Mitglieder und Stammgäste zuhause ausgegraben und in einigen Fällen auch eigens für den Grünzeug-Basar gezogen haben, kommen aus dem Blumenkasten oder von der Fensterbank. Kakteen, Farne und der ehemals unvermeidliche Asparagus sind zu sehen, Maranten-Stecklinge recken durstig die Blätter. Eine Hobbygärtnerin bietet winzige Efeu-Pflänzchen an, eine Besucherin bringt einen ganzen Fahrradkorb voll Sukkulenten. Wer Glück hat, erwischt noch ein Mandarinenbäumchen. Die Liebichs haben sie mit Kernen aus Mallorca gezogen, und sie sind begehrt.

Nicht jeder, der etwas Grünes oder Blühendes für den Vorgarten oder das Wohnzimmer sucht, muss zwingend selbst ein Gewächs mitbringen. Viele Pflänzchen werden einfach verschenkt, so manche Spende landet in einer kleinen dafür bereitgestellten Blech-Gießkanne. „Es ist auch die Freude am Teilen“, sagt eine Gartenbesitzerin, die gerade mit zwei anderen über eine ganze Steige Setzlinge verhandelt. Der Deal ist schnell festgeklopft, es wird schwesterlich geteilt. Derweil rätselt ein Grüppchen über ein geheimnisvolles Gewächs mit schlanken Blättern, das staudenartig aus einem Weinkarton ragt. Wie es heißt, bleibt offen, Konsens erzielt die Fachwelt aber doch: Es blüht früh und wahrscheinlich gelb.

Wissen und Ideen austauschen, den richtigen Baumschnitt oder auch neue Pflanzen kennen lernen – fruchtbare Geselligkeit zu pflegen, ist laut Sabine Liebich der wichtigste Zweck des Obst- und Gartenbauvereins. Lust zum Verweilen und Fachsimpeln macht bei der Pflanzentauschbörse ein sonnenbeschirmter Tapeziertisch mit Getränken, Kuchen und Hausmacher-Vesperbroten. Demnächst wollen sich die Mitglieder in einem fremden, dabei aber imposanten Biotop umschauen: Für den 28. Mai ist ein Vereinsausflug in den Seligenstädter Klostergarten geplant.

Quelle: op-online.de

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