Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl

Amtsinhaber und Herausforderer bleiben sachlich

Bunter Auftakt zur Podiumsdiskussion: Beide Kandidaten bewiesen ihren langen Atem unter den Blicken der Journalisten (von links: Olaf Burmeister-Salg, Ekkehard Wolf, Michael Löw, Jürgen Hoffmann).

Weiskirchen - „Was wollten Sie Ihren Mitbewerber schon immer fragen?“ Bei der Schlussfrage der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl liefen beide Kandidaten noch einmal zu Hochform auf. Von Peter Petrat 

Gut zwei Stunden lang stellten sich Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) und sein Herausforderer Olaf Burmeister-Salg (CDU) am Montag den Fragen unserer Redakteure und Leser. Fast 300 Zuhörer verfolgten die sachliche Diskussion im Bürgerhaus Weiskirchen. Unentschieden endete die kleine Spielrunde am Beginn des Abends. Beide Kandidaten sollten spielerisch beweisen, dass sie einen langen Atem haben und die Balance zwischen unterschiedlichen Interessen halten können. Sie mussten Luftballons aufpusten und einen Stift auf dem Zeigefinger balancieren. Beim Pustespiel war Burmeister-Salg etwas schneller, dafür waren Hoffmanns Luftballons etwas dicker.

Zweieinhalb Stunden später konnten noch einmal beide punkten. Olaf Burmeister-Salg hatte die Lacher auf seiner Seite und Jürgen Hoffmann erhielt Applaus. Dabei waren die Fragen durchaus dazu angetan, den Konkurrenten in die Enge zu treiben. „Für wie viele Mitarbeiter sind Sie zurzeit verantwortlich?“, fragte Bürgermeister Hoffmann, der Chef von rund 600 Mitarbeitern ist. Die Antwort: „Ich führe im Moment 50 Mitarbeiter, aber ich habe auch oft genug mit einer Kanzlerin zusammengesessen. Sie auch?“ Auch die Gegenfrage von Burmeister-Salg hatte einen kritischen Unterton: „Haben Sie wirklich keinen Plan B, falls Sie nicht gewählt werden?“ Antwort: „Ich habe noch nie einen Plan B gebraucht. Ich fokussiere mich mit ganzer Kraft auf das, was ich tue. Wenn es doch so sein sollte, werde ich mit der Situation umgehen.“

Schon am Beginn der Fragerunde waren beide gefordert. Nur 60 Sekunden hatten sie für die erste Frage: „Was sind Ihre größten Stärken und Schwächen?“ Beide räumten ein, ungeduldig zu sein. Olaf Burmeister-Salg hob bei sich Authentizität, Geradlinigkeit und eine positive Dickköpfigkeit hervor. Als Führungskraft müsse man stark sein und durchhalten, aber auch bereit sein, seine Meinung im richtigen Moment zu revidieren. Jürgen Hoffmann betonte seine Ehrlichkeit und Zielstrebigkeit. Außerdem denke er nachhaltig und habe großen Spaß daran, mit Menschen zu arbeiten und sich auszutauschen. Weil er dabei manchmal zu direkt werde, habe er aber auch den Mut sich zu entschuldigen.

An Rodgau und seinen Bürgern schätzt Hoffmann besonders, dass viele Rodgauer in Vereinen aktiv seien. Dadurch bestehe ein gigantisches Netzwerk in der Stadt: „Die Menschen haben, leben und lieben den Kontakt untereinander.“ Burmeister-Salg würdigte, dass die Rodgauer ihr Herz auf der Zunge trügen und sagten, was sie denken. An der Stadt schätze er die Vielfalt an Lebensentwürfen. Vom gemütlichen Dorf bis zum urbanen Stadtgebiet habe Rodgau alles.

Ihre Rolle als Bürgermeister sehen beide Kandidaten unterschiedlich. Olaf Burmeister-Salg sieht sich als Chef mehrerer Teams, die zusammenarbeiten - also als Führungskraft, Finanzchef und Motivator zugleich. Als eine Mischung aus Moderator und Mediator nannte Jürgen Hoffmann seine derzeitige Tätigkeit. Dabei gelte es er die Bürger mitzunehmen, ohne an Führungskraft einzubüßen. Bei der Verpflichtung gegenüber der eigenen Partei waren sich beide einig: Die Partei sei Grundeinstellung und Wertefundament. Amtsinhaber Hoffmann bezeichnete die hinter ihm stehende Vierer-Kooperation als großen Vorteil. Die Schnittmenge und der politischen Strömungen bilde ein breites Spektrum an Meinungen ab. Etwas unabhängiger gab sich der Herausforderer. Parteipolitik sei zwar die Grundlage, aber er werde nicht alles schlucken, was diktiert werde.

Aber was ist, wenn der Bürgermeister bei seinem Amtsantritt im Juni keine Mehrheit hinter sich hat? Das kann passieren, schließlich wird das Stadtparlament im März neu gewählt. Einen Bürgermeister ohne politische Mehrheit sieht Burmeister-Salg als sehr unwahrscheinlich an. Doch auch dann sei das Stadtoberhaupt zuallererst dem Wohl der Stadt verpflichtet und müsse dafür sorgen, dass „der Laden läuft“. Auch Hoffmann ist bestrebt, eine Parlamentsmehrheit hinter sich zu wissen. Man dürfe die Stadt gerade jetzt nicht zurückfallen lassen: „Es läuft, es rollt, es geht voran.“ Falls keine Mehrheit zustande komme, dann sei eben das der Auftrag der Wähler, mit dem man umgehen müsse.

Bilder zur Podiumsdiskussion in Rodgau

Bei der Frage nach der finanziellen Lage der Stadt vertraten Amtsinhaber und Herausforderer konträre Standpunkte. Nach einem Defizit von elf Millionen Euro zu Beginn seiner Amtszeit weise der Haushalt 2016 ein Plus von 340.000 Euro auf, verkündete Stadtkämmerer Hoffmann stolz: „Wir sind auf einem Weg die Schulden abzutragen und haben die Chance auf einen positiven Haushalt, auch dauerhaft.“ Allerdings betreibe die Stadt einen hohen Personalaufwand, besonders durch den Ausbau der Kinderbetreuung.

„Ich kann nicht mehr ausgeben als ich habe“, brachte es Burmeister-Salg auf eine einfache Formel. Ein ausgeglichener Haushalt sei die Grundlage für alles Verwaltungshandeln. Kredite könnten nur Ausnahmen sein und müssten schnell zurückgezahlt werden. Der Verkauf von „Tafelsilber“ sei keine Lösung. Stattdessen gelte es weitere Einsparpotenziale auszumachen und eine nachhaltige Wirtschaftsförderung samt Flächenvergabe zu betreiben. Ein „Sparen auf Teufel komm raus“ lehnte Bürgermeister Hoffmann ab. Die Stadt müsse mit ihrem Geld haushalten, aber auch die Erwartungen der Bürger erfüllen.

In zwei Punkten zeigten sich beide Kandidaten einig: Kita-Plätze für Drei- bis Sechsjährige sollen kostenlos bleiben und Straßenbeiträge sollen den Bürgern erspart bleiben. Bei den Nutzungsgebühren für Sporthallen und Bürgerhäuser hatten die Äußerungen einen unterschiedlichen Zungenschlag. Während Burmeister-Salg eine weitere Belastung der Vereine ablehnt, zumal die Einnahmen die Kosten nicht decken, verweist Amtsinhaber Hoffmann auf die lenkende Wirkung: Durch die Gebühren seien blockierte Hallenzeiten frei geworden.

Keine Patentlösungen

Zum nachhaltigen Ausbau der Wirtschaft will Olaf Burmeister-Salg die Wirtschaftsförderung neu ausrichten und kurze Entscheidungswege etablieren. Der Verkauf der letzten großen Gewerbefläche für den VGP-Park bringe zwar mehr Lastverkehr, aber die Steuereinnahmen seien fraglich. Jürgen Hoffmann entgegnete, der VGP-Park bringe nicht nur 700 bis 1000 neue Arbeitsplätze nach Rodgau, sondern die Mieter zahlten auch Gewerbesteuer. Zudem arbeite die Stadt erfolgreich mit ihrer Immobilienbörse. Die Lage sei das wichtigste Argument für jede Firmenansiedlung.

Den Weiterbau der Rodgau-Ringstraße brachte Kurt Klein ins Gespräch. Der Handwerker aus Dudenhofen war einer von mehreren Bürgen, die im Lauf des Abends ans Saalmikrofon traten. Auch er sei zu Beginn seiner Amtszeit davon ausgegangen, dass diese Straße gebaut werde, sagte Hoffmann. Eine von „Hessen mobil“ geforderte neue Verkehrsprognose habe jedoch jede Hoffnung auf Zuschüsse zunichte gemacht. In drei Jahren könne das ganz anders aussehen. Burmeister-Salg sprach sich für einen baldigen Weiterbau aus.

Auf eine Leserfrage von Ursula Flottmann über den starken Straßenverkehr gab es unterschiedliche Antworten. Der Bürgermeister sagte, die jüngste Baustellen-Sperre in der Ludwigstraße habe den Durchgangsverkehr erfolgreich auf andere Straßen verdrängt. Auch ein neues Stadtzentrum in Jügesheim bedeute nicht zwangsläufig mehr Verkehr. „Der Verkehrsinfarkt wird kommen“, widersprach der CDU-Kandidat. Ein Zentrum werde Einzelhandel aus anderen Stadtteilen abziehen. Dies widerspreche dem wichtigen Ziel der Nahversorgung. Dennoch würden viele Bürger ihr Geld weiterhin nach Frankfurt tragen. Die ärztliche Versorgung war ein weiteres wichtiges Thema des Abends. Auch dafür gab es keine Patentlösung.

Quelle: op-online.de

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