Urteil: Bewährungsstrafe und 300 Sozialstunden

Abstellkammer als Cannabis-Bunker

Rodgau / Darmstadt - Zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit und zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilte das Landgericht Darmstadt gestern einen 34-jährigen Mann aus Nieder-Roden. Fahnder hatten in seiner Wohnung 2,1 Kilogramm Marihuana gefunden. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Es hätte schlimmer kommen können. Einer etwas nachlässigen Polizeiarbeit hat der 34-jährige Angeklagte es womöglich zu verdanken, dass er „nur“ wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt wurde - und zwar ohne den Zusatz „bewaffnet“. Letzterer wurde am Montag noch in der Anklageschrift verlesen, wie berichtet. Das hätte eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren zur Folge gehabt. Der nicht vorbestrafte Lagerarbeiter kommt nun jedoch mit zwei Jahren Haft auf Bewährung davon, muss die Prozesskosten tragen und 300 Sozialstunden abarbeiten. Am 20. Februar 2015 wurde die Wohnung des Angeklagten in Nieder-Roden durchsucht. Dort stellten vier Beamte der Drogen- und Zollfahndung 2,1 Kilogramm Marihuana, einen Schlagring, ein Einhandmesser, 95 Gramm Haschisch, zwei Feinwaagen und 1 650 Euro sicher.

Während die dritte Strafkammer und die Staatsanwaltschaft das Messer noch als Wohnungsinventar durchgehen lassen, fällt der Schlagring eindeutig unter das Waffengesetz verbotener Gegenstände. Nun gibt es hier allerdings eine juristische Feinheit zu beachten. Die in der Anklage erwähnte metallene Handwaffe mit den typischen vier Finger-Ringen muss dem Träger jederzeit verfügbar sein, sonst gilt er nicht als „bewaffnet“.

In diesem Punkt widersprechen sich die Aussagen der Fahnder zum Fundort. Zwischen „in einer mittelgroßen Tasche mit oder ohne sonstigem Inhalt“ und „in einem Umzugskarton“ besteht doch ein größerer Unterschied. Sämtliche sichergestellten Drogen wurden genauestens dokumentiert, nicht jedoch der für die Urteilsfindung so wichtige Gegenstand.

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Auch die Staatsanwaltschaft verschließt sich dieser Sachlage nicht. Der Ankläger in seinem Plädoyer: „Er musste sich jederzeit Zugriff zum Schlagring verschaffen können. Darüber ist keine sichere Aussage möglich.“ Er fordert sogar eine geringere Strafe als die vom Vorsitzenden Richter Jens Aßling ausgesprochene: Eineinhalb Jahre auf Bewährung. Auch der Bundesgerichtshof beschäftigte sich schon mit der Auslegung des Paragrafen 30 a des Betäubungsmittelgesetzes (BTMG). Er urteilte, dass der Träger der Waffe sich bewusst sein muss, diese zu besitzen und einsetzen zu können. Was bei dem Nieder-Röder doch mehr als zweifelhaft erschien.

Der 34-Jährige selbst schweigt bis zum Ende der Beweisaufnahme am dritten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Dann gibt er doch noch eine kurze Stellungnahme ab - über seinen Verteidiger. Rechtsanwalt Oliver Wallasch: „Mein Mandant hat sich von einem Bekannten breitschlagen lassen, seine Abstellkammer als Cannabis-Bunker zur Verfügung zu stellen. Seine Entlohnung war ein bisschen Haschisch zum Eigenkonsum.“ Fragen des Gerichts werden nicht beantwortet.

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Das Verfahren gegen den drei Jahre älteren Bruder des Angeklagten war zu Beginn des Prozesses abgetrennt worden. Für ihn soll zunächst ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden. Gegenstand darin soll - naheliegend - der Drogenkonsum des Jügesheimers sein. Ihm werden gleich vier Verstöße gegen das BTMG angelastet.

Das ursprünglich 2013 in Nordrhein-Westfalen eröffnete Verfahren begann damit, dass dem Zoll Hinweise über einen regen niederländisch-deutschen Marihuanahandel vorlagen. In dem Zusammenhang wurde ein Kurier identifiziert, der regelmäßig im grenznahen niederländischem Arnheim größere Drogenmengen abnahm. Über die Telefonüberwachung dieses Kuriers stieß man auf den Jügesheimer und im weiteren Verlauf auch auf den nun Verurteilten mit der Aussage, man solle seinem Bruder „irgendwas geben“.

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Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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