Zwei Kampagnen im Jahr auch an Rodau

Rattenjagd in Rodgaus Untergrund

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Alles Gute kommt in diesem Fall nicht von oben. Zumindest aus der Sicht von Ratten. Die von der Industrie- und Handelskammer geprüften Schädlingsbekämpfer Maximilian Menge (links) und Thomas Norris seilen einen Giftköder in einen Kanalschacht ab.

Rodgau - Langsam senkt Maximilian Menge den Rattengiftköder an einem Seil in den miefigen Kanalschacht. „Manchmal fressen sie nicht nur den Köder, sondern nehmen gleich auch das Seil zum Nestbau mit“, erzählt der erfahrene Schädlingsbekämpfer. Von Bernhard Pelka 

Zweimal im Jahr sind Menge und sein Kollege Thomas Norris in Rodgau unterwegs. Dann bestücken sie pro Tag 150 Schächte mit Rattengift. Über Rattenalarm in Nieder-Roden nahe der Münchener Straße und in Jügesheim an der Rodau hat unsere Zeitung schon berichtet. Gibt es diesen Sommer besonders viele Ratten? Maximilian Menge kann das nicht bestätigen. Insgesamt sei die Lage an der Schädlingsfront – von nervenden Insekten, über Wühlmäuse bis hin auch zu Ratten – dieses Jahr aber angespannter als in den Vorjahren. „Wir hatten einen extrem milden Winter und dann im Frühjahr und bis jetzt sehr wenig Regen“, nennt der Experte Gründe für diese Entwicklung.

Im Auftrag der Stadtwerke bekämpft er zweimal im Jahr in den Kanälen unter der Stadt und am Ufer der Rodau die garstigen Nager. Auch viele Privathaushalte schätzen seine Dienste. Derzeit ist der Fachmann aus Bruchköbel wieder für die Stadtwerke unterwegs. Nachweislich entspannter geworden ist nach seiner Einschätzung die Situation in der Rodgauer Unterwelt. Bei den Stadtwerken gibt es dafür eine plausible Erklärung. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Kanäle saniert“, erläutert der Sachgebietsleiter Stadtentwässerung, Manfred Wasserek. Bei der Inspektion der Kanäle mit fahrbaren Kameras tauchten Ratten vor der Linse kaum noch auf. „Früher kam das häufiger vor“, weiß Wassereks Kollegin Ingrid Sattler.

Maximilian Menge und sein Kollege Thomas Norris bestücken im Kanalnetz sämtliche Kreuzungspunkte. In etwa 1000 Schächten baumeln am Ende einer Kampagne Köder. Noch bis vor zwei Jahren war die Bekämpfung relativ unstrukturiert. Verteilt wurde nach dem Gießkannenprinzip. Zum Schutz der Umwelt und gemäß neuer Bundesvorschriften müssen nun zunächst von Wirkstoffen freie Köder ausgelegt werden, um zu testen, ob an der entsprechenden Stelle überhaupt Ratten zubeißen. Erst wenn das klar ist, folgt der vergiftete, rote Würfel in einer zweiten Runde.

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Die Beschaffenheit der Köder ist gesetzlich geregelt. Nur bestimmte Wirkstoffe sind zugelassen. Ein extrem starker Bitterstoff soll verhindern, dass andere Tiere das Gift aufnehmen. In den Kanälen ist das sowieso ausgeschlossen – nicht aber an der Rodau. Am Ufer werden die Köder deshalb gut versteckt und tief ins Erdreich eingebracht, sodass im Normalfall nichts passieren kann.

Manchmal bedienen sich Menge und seine Mitarbeiter auch spezieller Köderstationen. Die Boxen können nur mit einem Spezialschlüssel geöffnet werden und sind im Boden oder auch an Hauswänden fest verankert. Der Köder ist in der Kunststoffschachtel fixiert und kann nicht weggeschleppt werden. Zur Tarnung sehen manche Köderstationen heute so aus wie ein großer Stein. „Die sind für Parks“, sagt Menge.“ Die Lage der Boxen wird in einem Kontrollplan kartografiert. Immer befinden sich Warn-Aufkleber auf den Schachteln. Ein weiteres Schildchen nennt die Telefonnummer der Giftnotrufzentrale in Mainz. Sicher ist sicher.

Quelle: op-online.de

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