Jetzt kommen Milliarden Schnaken

Regen gefährdet Standsicherheit der Bäume

+
Die Gänsbrüh in Dudenhofen ist eine ideale Brutstätte für Schnaken. Schädlingsbekämpfer Jonas Kitzinger aus Rodgau schaut sich prüfend an, ob im Wasser schon wieder Larven zu entdecken sind.

Rodgau - Der feuchte Sommer macht nicht nur im Keller Probleme, sondern stresst auch Mensch und Natur. Denn jetzt kommen dank der Schwüle und teils überfluteter Felder Milliarden Stechmücken. Derweil drohen im Wald erhebliche Schäden. „Die Bäume stehen wie im Pudding“, warnt der Forstamtsleiter Christian Münch. Von Bernhard Pelka 

Überall Pfützen. Auf Wegen, Feldern und im Wald. Dazu feuchtwarmes Wetter. Ideale Brutbedingungen für stechende Plagegeister. Erschwerend kommt diesen Möchtegernsommer hinzu, dass die Fressfeinde der Blutsauger durch die viel zu nasse Witterung stark dezimiert sind. Der IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer Jonas Kitzinger aus Rodgau merkt das an der Auftragslage. Im super heißen Sommer 2015 hatte er rund 250 Anfragen wegen Hornissen- und Wespennestern, in diesem Jahr bis vergangenen Donnerstag nur zehn. Kitzinger erläutert, dass wegen der Nässe Pilz- und Parasitenbefall die gestreiften Schnakenjäger stark dezimiere. Entsprechend ungestört entwickeln sich jetzt die Schnaken. Auch der Jügesheimer Wespenexperte Peter Tauchert beobachtet diese Entwicklung aufmerksam. Er schätzt, dass „30 bis 40 Prozent der Wespenpopulation eingegangen ist“. Viele Königinnen seien schon in der Phase der Nestgründung etwa Mitte April verhungert. „Rausgeflogen sind sie aus dem Nest schon. Aber sie haben nichts zu fressen gefunden. Es war zu kalt und zu stürmisch.“

Taucherts Statistik bestätigt dies. Den Rat des Fachmanns für Hautflügler suchen Jahr für Jahr übers Internet Kunden zum Beispiel aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum Umgang mit Nestern hatte er allein im Juni 2015 insgesamt 127 Beratungen und im Juli 2015 nochmals 122. Diesen Juni sind es gerade einmal 19 gewesen. Probleme bereitet die extreme Witterung auch den Forstarbeitern. „Für meine Leute und mich ist die Waldarbeit derzeit eine echte Prüfung“, sagt Forstamtsleiter Christian Münch. „Überall in den Gräben steht Wasser. Die Schnaken fressen einen förmlich auf.“ Nicht mal sein Hund habe derzeit Lust auf einen Waldspaziergang. „Der würde am liebsten die Biege machen.“ Krass sei auch die Zeckenplage. „Dass ich bis zu zehn in kürzester Zeit abbekomme, ist keine Seltenheit“, beschreibt Münch die Lage.

Der viele Regen gefährdet inzwischen sogar die Standfestigkeit mancher Bäume. „Gerade dort, wo eine Tonschicht weiter unten wie eine Sperre wirkt. Zum Beispiel in Nieder-Roden gegenüber dem DHL-Frachtzentrum. Der Ton dichtet ab wie Teichfolie. Da kann das Wasser nicht weg.“ Sorgen bereitet Münch die Möglichkeit, dass ein Gewittersturm über den Wald hereinbrechen könnte. „Insbesondere die Laubbäume sind gefährdet. Die stehen wie im Pudding.“ Stürze einer der Bäume um, komme es womöglich zum gefürchteten Dominoeffekt. „Einer nimmt den anderen mit.“ Jetzt 14 Tage Trockenheit täten dem Wald also gut. „Dann hätte sich die Situation entspannt.“

Quelle: op-online.de

Kommentare