Visionär macht seinen Traum wahr

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Riccardo M Sahiti dirigiert die „Roma und Sinti Philharmoniker“ - ein Orchester gegen Vorurteile und Intoleranz.

Urberach - Der Fernsehsender Arte zeigt zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz ein Porträt des Dirigenten Riccardo M Sahiti. Er leitete gut fünf Jahre das Jugendorchester des Musikvereins 06 Urberach.

Der Film würdigt Sahitis Arbeit mit den weltweit einzigartigen „Roma und Sinti Philharmonikern“. Rödermärker Konzertgänger kennen Riccardo M Sahiti als Dirigenten des Musikvereins 06 Urberach. Von 2004 bis 2009 gab er dem Jugendorchester den Takt vor. Von 2010 bis 2013 leitete er ein „Sinfonisches Blasorchester“, das wochenlang für einen Auftritt probte. Doch Riccardo M Sahiti hat sich längst international einen Namen gemacht. Er rief 2001 ein Orchester ins Leben, das es in dieser Form nur ein einziges Mal auf der Welt gibt - die „Roma und Sinti Philharmoniker“. Dirigent und Ensemble musizieren gegen jene Vorurteile, die „den Zigeunern“ entgegenschlagen.

Riccardo M Sahiti wurde 1961 in der kleinen Stadt Kosovska Mitrovica im damaligen Jugoslawien geboren. Seine Eltern schickten ihn zur Musikschule, wo der kleine Roma-Junge Klavierspielen lernen sollte. Nach der Schule zog er zum Studieren nach Belgrad - mit dem Wunsch, nicht Pianist, sondern Dirigent zu werden. Er schloss sein Studium ab und ging zunächst an ein Konservatorium in Moskau, um ab 1992 seine Ausbildung in Frankfurt fortzusetzen.

In den 90er Jahren reifte in Sahiti der Traum, ein Orchester für Roma und Sinti zu gründen. Es sollte jene Werke aufführen, deren Wurzeln in der Kultur der Roma und Sinti liegen oder die von „Zigeunerklängen“ inspiriert wurden. Dazu zählen die „Rumänischen Volkstänze“ von Béla Bartók, die „Ungarischen Rhapsodien“ von Franz Liszt oder der „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß.

2001 gründeten 14 Musiker den „Philharmonischen Verein der Sinti und Roma Frankfurt am Main“. Am 3. November 2002 gab die „Roma und Sinti Philharmonie“ im Dr. Hoch’schen Konservatorium ihr erstes Konzert. Ihm folgten Auftritte in Bad Nauheim, Wiesbaden, Frankfurt, auf dem Beethoven-Fest in Bonn oder im August bei den „classic nights“ in der Abtei Brauweiler. Große internationale Beachtung erfuhr das Orchester mit dem von Sahiti dirigierten „Requiem für Auschwitz“, das im Mai 2012 in Amsterdam uraufgeführt wurde. Am 27. Januar jährt sich der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz zum 70. Mal.

Das „Requiem für Auschwitz“ erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus, insbesondere an die Verfolgung und Vernichtung der Sinti und Roma - Sahitis Volk. Der niederländische Sinto-Komponist Roger Rathgeb komponierte das gewaltige Chor- und Orchesterwerk. Bei seinem ersten Besuch 1998 in Auschwitz beschloss er, den Opfern des Holocaust ein „lebendes Denkmal“ zu setzen. „Wenige Menschen wissen, dass 500.000 Sinti und Roma von den Nazis ermordet wurden“, sagt Moreno. Riccardo M Sahiti will mit seinem Orchester alte Traditionen bewahren und gleichzeitig junge Sinti und Roma zu neuen Werken animieren. „Die Menschen sollen unsere Musik live erleben.“ Ein „Zigeuner-Musiker“, betont er, ist er nicht. „Ich bin ein Musiker, der die Klassik liebt.“

Musikverein auf dem Nikolausmarkt in Urberach

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Am Sonntag, 25. Januar (23.35 Uhr), zeigt der TV-Sender Arte einen Film über Sahiti aus. Mit Margarete Kreuzers Dokumentation ehrt der Kulturkanal einen visionären Dirigenten. Das filmische Porträt ist auch eine Reise durch ganz Europa, mit Bildern von Amsterdam bis Belgrad, von Budapest bis Brüssel. Zu Wort kommen viele Wegbegleiter von Riccardo M Sahiti. Sie zeichnen ein eindrucksvolles Bild vom kulturellen Schaffen der Sinti und Roma, von den Virtuosen der „Roma und Sinti Philharmoniker“ und vom Mann mit dem Taktstock.

Der Musikverein 06 Urberach fühlt sich Sahiti ganz besonders verbunden: Von Sommer 2004 bis 2009 leitete er das Jugendorchester und wurde durch seine charmante Lebhaftigkeit und musikalische Ausdrucksstärke rasch zum Liebling von Musikern und Publikum. Und von 2010 bis 2013 dirigierte er das vom Musikverein 06 gegründeten „Sinfonische Blasorchester“ das einen einzigen Zweck verfolgte: möglichst viele Musiker der Region an vier Probewochenenden in einem Orchester zusammenzuführen und gemeinsam ein Konzert zu gestalten. (lö)

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Quelle: op-online.de

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