Erneuerung der Wilhelm-Leuschner-Straße

Flickenteppich mit Bodenwellen

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Wegen Baufälligkeit gesperrt: Der Geh- und Radweg am Rand der Rodau-Aue ist seit Jahren unbenutzbar. Gräser und Blumen haben ihn sich teilweise zurückerobert.

Hainhausen - Nach jahrelangem Warten auf die Sanierung der Wilhelm-Leuschner-Straße zeichnet sich nun Bewegung ab. Der Magistrat will dem Stadtparlament demnächst eine Planung vorlegen, die mit Anwohnern abgestimmt ist. Der Baubeginn steht aber noch in den Sternen. Von Ekkehard Wolf 

Die 360 Meter zwischen dem Kreisel an der Südtrasse und der August-Neuhäusel-Straße sind ein Flickenteppich. Bodenwellen zeigen, dass es auch um den Unterbau nicht zum Besten steht. Dass dieses Straßenstück saniert werden muss, ist seit vielen Jahren klar. Seit der ehemalige Bahnübergang in der Ortsmitte nicht mehr besteht (September 2002), fließt der komplette Ost-West-Verkehr über die Südtrasse - und damit auch über die Wilhelm-Leuschner-Straße. Rund 8 000 Autos pro Tag wurden 2010 gezählt. Für diese Belastung ist die Straße nicht gebaut. Ursprünglich war sie als Verbindung zwischen Jügesheim und Hainhausen geplant.

Seit Dezember 2013 hat der Magistrat den Auftrag, die „Ertüchtigung“ der Straße so zu planen, dass die Belang aller Verkehrsteilnehmer, die Interessen der Anwohner und die Einbindung von Natur und Landschaft berücksichtigt sind. Darin geht es um grundlegende Dinge wie Fahrbahnbreite, Parkplätze, Geh- und Radwege. Wann die Bagger anrücken, steht noch nicht fest. Darüber soll das Stadtparlament später entscheiden. Der Plan könne nicht alle Wünsche erfüllen, schränkt Bürgermeister Jürgen Hoffmann ein. Die betroffenen Bürger hätten gegensätzliche Interessen: „Es ist eine nicht einfache Gemengelage.“

„Die Positionen der Menschen sind nachvollziehbar, keine Frage“, sagt Hoffmann, der selbst lange Zeit an der Wilhelm-Leuschner-Straße wohnte. Dennoch betont er: „Wir können keine verkehrsberuhigte Zone daraus machen.“ Genau das wäre vielen lärmgeplagten Anwohnern aber am liebsten. Sie wünschen sich einen Durchstich durch die Rodau-Aue, also eine Direktverbindung von der Südtrasse zur B45 am Wasserturm. Das würde aber mehr Verkehr auf die Südtrasse locken - was den Anwohnern dort nicht behagt.

Autos unter Beschuss - Steinschlagschäden beseitigen

Hinzu kommt, dass ein Durchstich wegen der ökologischen Bedeutung der Rodau-Auen wohl nur mit erheblichen Auflagen und hohen Kosten möglich wäre. Zudem müsste die Straße von der Rußfabrik nach Hainhausen zurückgebaut werden. Die Verkehrsgutachter von Habermehl & Follmann rieten 2013 davon ab, den Durchstich zu bauen. Er würde die Wilhelm-Leuschner-Straße um 5 850 Autos pro Tag entlasten, aber 2 200 Autos mehr auf die Südtrasse bringen. Die Mehrheit der Stadtverordneten beschloss, die Durchstich-Idee bis 2020 nicht weiter zu verfolgen.

Die Sanierung der Leuschner-Straße scheiterte bisher auch am Geld. Der Landrat fordert seit 2007, dass die Stadt Rodgau eine Straßenbeitragssatzung erlässt, so dass die Anwohner die Sanierung mitbezahlen müssen. Ohne eine solche Satzung darf die Stadt keine Straße sanieren, solange ihr Haushalt ein Defizit aufweist.

Quelle: op-online.de

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