Firma Stratic aus Rodgau bietet Koffer mit spezieller Konstruktion

Leichtigkeit steht im Fokus

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Stratic-Chef Patrick Welsch (links) schaut Mitarbeiter Fouad Kiloui über die Schulter, der einen Koffer entwickelt.

Rodgau - Teils sehen die Trolleys sowie Kosmetik- und Reisetaschen klassisch aus, die Farben dezent. Andere sind knallbunt. Eines ist den Produkten der Firma Stratic aus Rodgau gemeinsam: Sie sind sehr leicht. Von Marc Kuhn 

Schleppen war gestern, schweben ist heute, lautet das Motto des traditionsreichen Kofferherstellers. Der Name Stratic leitet sich von Stratosphäre ab und soll ein Gefühl des Emporsteigens suggerieren. Konsequenterweise ist das Symbol der Firma ein Heißluftballon. „Wir konzentrieren uns auf Koffer“, sagt Patrick Welsch. „Es war immer eine Stärke unserer Firma, besonders leichte Koffer zu produzieren“, erklärt der Geschäftsführer, der das Familienunternehmen in der dritten Generation mit Marina Heinz leitet. Immer leichtere Produkte sind am Markt gefragt, weil die Fluggesellschaften für Übergewicht beim Gepäck viel Geld verlangen. Verkauft werden die Koffer bei Karstadt, Kaufhof und im Fachhandel.

Stratic wirbt für seine Produkte auch auf der Lederwarenmesse I.L.M Winter Styles, die ab 27. Februar in Offenbach stattfindet. Früher sei sie eine reine Ordermesse für den Fachhandel gewesen, erinnert sich Welsch. Heute sei die Schau auch eine Art Showroom für die ausstellenden Firmen. „Die Messe ist ein Treiber unserer Geschäftsentwicklung“, berichtet der Stratic-Chef. Schließlich müssten zweimal im Jahr neue Produkte präsentiert werden.

Angefangen hatte das 1946 von Jacob Bonifer gegründete Unternehmen mit Reißverschlusskoffern, deren Rahmen aus Sperrholz waren. 1960 kam die Marke Stratic auf den Markt. 1972 wurde der erste Koffer mit Rollen ausgeliefert. 2001 erfand Stratic einen Koffer mit sechs Rollen.

Alles dreht sich um Leichtigkeit

Heute dreht sich alles um die Leichtigkeit. Zudem müssten die Koffer auch sehr stabil sein, erläutert Welsch. „Unsere Stärke ist das Ingenieur-Knowhow.“ Die Techniker haben die patentierte Konstruktion Shelltech entwickelt. Die Weichgepäck-Serien haben ein Skelett aus Glasfaserstäben. An der Rückseite befindet sich eine spezielle Kunststoff-Wabenversteifung. Um das Gerüst herum werden die weiche Außenhülle - zum Beispiel aus Stoff - sowie Gestänge und Rollen angebracht.

Die leichtesten großen Fernreisekoffer wiegen drei Kilogramm. „Vor ein paar Jahren wogen solche Koffer noch fünf Kilogramm“, erklärt Welsch. Diese Konstruktion gebe es nur in Deutschland. Sie sei noch von keiner chinesischen Firma nachgebaut worden. Die klassischen Koffer sind aus Polyester oder Nylon. Sie machen den größten Teil des Geschäfts von Stratic aus. Andere Produkte sind aus Polycarbonat und Polypropylen.

Relativ neu im Sortiment sind die Hybrid-Koffer im Outdoor-Design. Die hintere Seite ist hart, die vordere weich. Das Außenmaterial wird aus recycelten Kunststoffflaschen hergestellt. Zudem hat Stratic ein Patent für die geteilte Unterseite angemeldet, die vier Rollen hat. Reisende können ihre Getränke in einem Halter am Koffer abstellen. Bei der Lederwarenmesse wollen die Rodgauer auch einen klassischen Koffer mit Getränkehalter vorstellen. „Das Sortiment muss sich von dem der Konkurrenten absetzen“, betont der Geschäftsführer.

Teile der Koffer in China produziert

Die einzelnen Teile der Koffer werden in China produziert. Hergestellt werden sie dann in Moldawien. Im März startet eine weitere Produktion in Bosnien, wie Welsch berichtet. Entwickelt werden die Trolleys in Rodgau - auf Papier, nicht am Computer. Für die aufwendige Arbeit gebe es keine Programme, erläutert Welsch. Die gesamte Auslieferung läuft über das Lager in Rodgau. Etwa 400.000 Koffer verkauft Stratic pro Jahr. Rund 50 Mitarbeiter stehen auf den Gehaltslisten, in den europäischen Produktionsstätten sind es etwa 350. Stratic erwirtschaftet einen Umsatz von rund elf Millionen Euro im Jahr.

„In Deutschland ist der Markt gesättigt“, klagt der Geschäftsführer. Sein Unternehmen könne nur außerhalb der Grenzen Europas wachsen. Bisher verkauft Stratic seine Produkte auch in Polen, Slowenien, Österreich, Spanien, den Niederlanden und Rumänien. Mittlerweile werden nach den Worten von Welsch auch „ordentliche Umsätze“ in Singapur, Japan, China und Saudi Arabien erzielt.

Eine weitere Herausforderung für die Rodgauer ist das Internet. „Wir müssen eine Antwort finden auf den Boom im E-Commerce“, sagt Welsch. Der Handel verliere an Boden. Etwa zehn Prozent der Koffer in Deutschland werden über das Internet verkauft. Bei Stratic sei die Entwicklung ähnlich, erklärt der Geschäftsführer. Die Firma verkauft ihre Waren über einen eigenen Shop und über Amazon. Beim Internethandel müsse ein Unternehmen mehrere Wege gehen, ist Welsch überzeugt.

Quelle: op-online.de

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