Hilfe für Flüchtlinge

Gilt ein Führerschein aus Eritrea?

Hilfe beim Einleben in der neuen Heimat finden Flüchtlinge beim Netzwerk, das ein Jahr besteht.

Rodgau - Nach dem jüngsten Bootsunfall auf dem Mittelmeer scheinen noch mehr Menschen begriffen zu haben, was Flüchtlinge alles auf sich nehmen, um Krieg, Unterdrückung oder Armut zu entkommen. Von Simone Weil 

Deswegen finden es Freiwillige, die sich in verschiedenen Initiativen engagieren, nur recht und billig, den Betroffenen zu helfen: In Rodgau besteht das Flüchtlingsnetzwerk jetzt seit einem Jahr, getragen wird es von Ehrenamtlichen.

Sibille Steinmeyer (Foto) allerdings ist als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung im Vorzimmer des Bürgermeisters für die Koordination zuständig, das sich um die 190 in Rodgau lebenden Flüchtlinge kümmert. Bei ihr laufen die Fäden zusammen, sie betreut einen Adressenpool, lädt per Mail zu Treffen ein und bringt Spender von Möbeln und anderen Dingen, mit denen zusammen, die etwas brauchen. Ihre Kollegin Clarissa Jäger sucht im Auftrag der Stadt nach Wohnungen für die Flüchtlinge (06106 693-1451).

Anfangs anonyme, fremdenfeindliche Briefe

„Sehr spontan haben sich Menschen gefunden, die eine große Bereitschaft mitbringen, zu helfen“, berichtet die Netzwerk-Koordinatorin. Dies sei umso erfreulicher, da es anfangs zwei unschöne, anonyme Briefe zum Thema Flüchtlinge gegeben habe, erzählt Steinmeyer.

Die Stadtteile Weiskirchen, Hainhausen und Jügesheim bilden das Netzwerk Nord, Dudenhofen und Nieder-Roden das Netzwerk Süd, das sich jeweils einmal monatlich zu Information und Austausch trifft – zweimal im Jahr kommen die Beteiligten in großer Runde zusammen.

Erstbesucher begrüßen die Asylbewerber und stellen fest, was sie brauchen: Möbel, Kinderwagen, Bekleidung. Die ehrenamtlichen Begrüßer vermitteln Paten, die die Neuankömmlinge beim Orientieren und Einleben unterstützen. Sie helfen bei Formalitäten wie Schulanmeldungen und weiteren Fragen des Alltags.

„Brauchen jeden, den wir kriegen können“

Andere Helfer bieten konkrekte Dienste im Einzelfall an, transportieren etwas oder sammeln Sachspenden. Darüber gibt es das Plenum, das sich aus Privatpersonen und Multiplikatoren wie Vertreter von Vereinen oder Religionsgemeinschaften zusammensetzt, die Räume für Treffen oder für Sprachunterricht anbieten. „Wir brauchen jeden, den wir kriegen können“, wirbt die Koordinatorin um Unterstützung.

Immer wieder werden die Ehrenamtlichen mit neuen Fragen konfrontiert: Dürfen Asylbewerber Praktika machen, wird ein Führerschein aus Eritrea anerkannt und wo bekommen Flüchtlinge einen Krankenschein? „Das alles ist auch für das Netzwerk ein großer Lernprozess“, meint Steinmeyer. Erst kürzlich musste man klären, wie ein unverheiratetes Paar zusammengeführt werden kann: Die Frau ist schwanger und war ohne ihren Partner untergebracht.

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Besonders schwierig sei die Situation der Asylbewerber, weil es lange dauere, bis es zu einem Verfahren kommt, in dem geklärt wird, ob sie dauerhaft bleiben dürfen, bedauert die Stadtmitarbeiterin.

Kontakt: Sibille Steinmeyer,  06106 693-1101.

Quelle: op-online.de

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