Im Dudenhöfer Feld

Nur Mut zum kräftigen Schnitt

+
Karsten Liebelt ist ein Virtuose an der Garten- und Astschere. In Dudenhofen zeigte er, wie der Baumschnitt gelingt.

Rodgau - An die Astschere, fertig, los! 28 Rodgauer mit grünem Daumen nahmen an einem Baumschnittkurs im Dudenhöfer Feld teil. Gartenbau-Ingenieur Karsten Liebelt vom Streuobstzentrum „MainÄppelHaus Lohrberg“ gab dabei wertvolle Tipps.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Schnitt? Welche Äste können (oder müssen sogar) weg, welche sollten als Leittriebe unbedingt stehen bleiben? Baumschnitt ist eine Wissenschaft für sich. Wie’s richtig geht, lernten 28 Rodgauer bei einem Kurs im Feld unweit der Gärtnerei Fischer. Dort hatte der Kreis Offenbach vor fünf Jahren auf einer Wiese an der Kreisquerverbindung nach Seligenstadt 15 Streuobstbäume spendiert und unter tätiger Mitwirkung der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger gepflanzt. Diese heute fünf Jahre alten Bäumchen sollten in Form gebracht werden. Nachmittags waren dann ältere und weit verzweigte Kandidaten auf einer Wiese von Ortslandwirtin Beate Mahr an der Reihe, die den Gästen der Streuobstkooperative Rodgau überdies ihre Feldscheune zum Essen öffnete.

Der Erziehungsschnitt für die jungen Bäumchen war überfällig. Denn deren Wuchs ist bisher „eher nicht so schön“, merkte Liebelt kritisch an. Der Fachmann reklamierte, es sei versäumt worden, nach dem Anpflanzen die Baumscheiben von fremdem Bewuchs frei zu halten. Mit der Folge, dass Gräser und andere Pflanzen verhindert haben, dass die kleinen Bäumen genug Wasser und Nährstoffe bekommen. „Wir haben hier Bäume fast ohne Zuwachs“, bedauerte der Streuobstexperte. In den zurückliegenden fünf Jahren seien die Gewächse wohl allenfalls am Anfang ein einziges Mal geschnitten worden. Dabei sei ein regelmäßiger Rückschnitt fürs Wachstum äußerst wichtig. Auch fehle bei manchen Kümmerlingen inzwischen die einst vorhandene Anbindung an den Stütz-Pfahl.

„Das ist kein Rodgauer Problem, sondern in unserer Region ein grundsätzliches. Man denkt bei Ausgleichsmaßnahmen in der Natur vor der Anpflanzung nicht genug über die spätere Pflege nach“, sagte Liebelt. „Die ist mit Kosten verbunden, die die Kommunen nicht mehr tragen wollen oder können.“ Umso sinnvoller war die von der Streuobstkooperative und dem Kreis Offenbach angeleierte Aktion.

Die Kooperative ist ein Zusammenschluss aus Nabu Rodgau und dem Verein Heimat, Geschichte und Kultur in Dudenhofen mit Klaus Klein an der Spitze. Zusammen mit Imkern, Landwirten, dem Kreis Offenbach, Grundbesitzern und anderen verfolgen alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel: den Lebensraum Streuobstwiese und die Kulturlandschaft Rodgau zu erhalten.

Klein freute sich über den regen Zuspruch beim Baumschnittkurs. „Eigentlich hatten wir die Veranstaltung bei 20 Teilnehmern gedeckelt, aber ich schicke die Leute ja nicht heim. Landwirt Karlheinz Mahr hatte vor dem Beginn des Kurses die Wiese rings um die jungen Bäumchen gemulcht, damit die Teilnehmer überhaupt arbeiten konnten.

Erst vor gut einer Woche hatten der Kreis Offenbach und die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger 87 hochwertige Obstbäume aus dem Bestand der Baumschule Schüler (Jügesheim) an die Eigentümer von Streuobstwiesen verschenkt. Die Bäume dürfen nur auf bestimmten Grundstücken gepflanzt werden, deren Eignung die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises zuvor prüft.

Seit 2012 unterstützt der Kreis den Erhalt der Streuobstwiesen. Seither wurden in Rodgau mehr als 300 Bäume gepflanzt. Zudem zahlt der Kreis Zuschüsse für Schnittlehrgänge wie am vergangenen Wochenende. In diesem Jahr gibt der Kreis dafür rund 2 450 Euro an Steuergeldern aus.

bp

Quelle: op-online.de

Kommentare