Erfindung mit Rückenwind aus Rodgau

Praktischer Helfer in der Küche

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Rodgau - Wie lässt sich die verflixte Schnippelei von Gemüse & Co. in der Küche erleichtern? Als Antwort auf diese Frage entwickelten die Offenbacher Zwillingsbrüder Johannes und Joseph Schreiter ein revolutionäres Schneidebrett: das Frankfurter Brett. Von Bernhard Pelka

Jeder kennt das vom Kochen zuhause: Sind Paprika, Zwiebeln und Lauch erst mal geschnitten, ist es meist schwierig, die weit auf dem Brett verstreuten Gemüsestückchen ohne Sauerei ins passende Behältnis zu befördern. Am Schneidebrett der Schreiter-Brüder hängen die Behälter fürs Gemüse, Abfall oder Kräuter allerdings unmittelbar am Brett dran. Köche müssen sich aus den Behältern nur bedienen oder die gehackten Häufchen dort mühelos hineinschieben. Das funktioniert schnell. Und es ist ein sehr sauberes Arbeiten.

Ein schwerer Rahmen aus gegossenem Ultrahochleistungsbeton hält das massive Brett, Stahlbügel tragen die Behälter. Die Gussformen für diese Rahmen entstehen bei der Jügesheimer Kegelmann Technik GmbH. Die Spezialisten für Modellbau fertigten sie dort exakt nach den Vorstellungen der kreativen Geschwister. 16 Prototypen verließen die Werkstatt, bis die jungen Firmengründer mit dem Ergebnis zufrieden waren. Im vergangenen September gingen sie mit ihrer Frankfurter Brett GmbH an den Start, seit Dezember läuft die Serienproduktion mit Vertrieb ausschließlich übers Internet.

Den Betonrahmen gießt ein Unternehmen in Kassel, die Bambusholzbretter von verschiedenen Maßen fräst eine Schreinerei in Bad Vilbel passgenau. Die Endkontrolle mit Schleifen, Einölen, Verpacken und Versand übernehmen die Brüder selbst. Derzeit geschieht das noch in der Privatwohnung in Offenbach an der Senefelderstraße. „Wir suchen aber dringend neue und vor allem größere Räume“, schildert Joseph Schreiter die Lage. Das neue Unternehmen startet gerade durch. Nach 400 bereits verschickten Brettern warten nun 700 Vorbestellungen darauf, abgearbeitet zu werden. Viel zu verdanken haben die Offenbacher Tüftler der Kegelmann Technik GmbH. „Die haben das mit uns angeschoben“, lobt Schreiter die gute Zusammenarbeit. Der Kontakt kam zustande, nachdem Joseph Schreiter bei Kegelmann als Praktikant gearbeitet hatte.

Die Idee zu der praktischen Werkbank für die Küche kam Johannes Schreiter bei der Arbeit. Der Profikoch war das viele Improvisieren am Arbeitsplatz leid. Also entstand das bis zu 450 Euro teure Designerteil. Ein Glücksfall war dabei natürlich, dass sein Bruder Joseph Schreiter als Student für Produktgestaltung an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung ein Mann vom Fach ist. Die Offenbacher stören sich übrigens kein bisschen daran, dass sie ihre Erfindung ausgerechnet nach der ungeliebten Nachbarstadt benannt haben. Frankfurt kenne eben fast jeder auf der ganzen Welt.

Bei der internationalen Vermarktung ihres Produkts sei dieser populäre Name deshalb von unschätzbarem Vorteil. In seinem Namen erinnert das Frankfurter Brett an die Frankfurter Küche, die 1926 entwickelt wurde, um Arbeitsabläufe zu vereinfachen. Diesen Faden griffen die Zwillingsbrüder auf. Jetzt haben sie es mit ihrer Idee sogar ins Fernsehen geschafft. Am Dienstag, 12. Januar, sind sie auf Kabel eins um 20.15 Uhr Teil der Serie mit dem leicht irreführenden Titel „Vom Spinner zum Gewinner.“ Gedreht wurde dafür auch bei Kegelmann.

Quelle: op-online.de

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