Gefährliche Situationen entschärfen

Radler sollen an Fußgängerüberweg runter vom Sattel

+
So machen Radler sich unbeliebt: Auf dem Fußgängerüberweg haben die Zweiradfahrer nichts verloren, wenn sie ihr Rad nicht schieben.

Rodgau - Sie haben bei anderen Verkehrsteilnehmern oft kein gutes Image: Radfahrer gelten als wenig bereit, sich an Verkehrsregeln zu halten. Von Simone Weil 

Weil in der wärmeren Jahreszeit mehr Radler als sonst unterwegs sind, kommt es zu Konflikten – gerade, wenn Autofahrer, Radler und Fußgänger aufeinandertreffen. Schwierig wird es an Fußgängerüberwegen: Eigentlich sagt der Name ganz genau, für wen diese Markierung auf der Fahrbahn gedacht ist. Doch immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, weil Radfahrer glauben, sie könnten ohne abzusteigen den Zebrastreifen nutzen, um sicher auf die andere Straßenseite zu kommen. Dass sie Passanten und Autofahrer in brenzlige Situationen bringen, ist ihnen oft nicht bewusst: wenn sie auf dem Zebrastreifen zwischen von Fußgängern durchradeln oder mit einem Affenzahn von einer Straßenseite auf die andere wechseln. Leser Peter Voss aus Nieder-Roden jedenfalls hält es für problematisch, wenn Radler sich den Fußgängerüberweg erobern. Er selbst sei zweimal zur Notbremsung gezwungen worden und habe noch wüste Beschimpfungen geerntet.

Er hat einige besonders problematische Überwege ausgemacht: Rodgau-Ringstraße – Heusenstammer Weg; Frankfurter Straße Ecke Hanauer Straße (der über die Frankfurter Straße führende sei besonders kritisch), Wiesbadener Straße am Weg zur Marktstraße (am Parkplatz) und an der Frankfurter Straße am Bahnhof in Verlängerung des Weges zum Gemeindezentrum. Anfang Mai war es in Nieder-Roden zu einem Unfall mit einer Radfahrerin gekommen, die von einem Auto erfasst worden war, weil sie – unvermittelt und ohne abzusteigen – die Straße auf dem Fußgängerweg überquerte.

Auch eine Anwohnerin nahe des Hainhäuser Kreisels beobachtet, dass insbesondere Schüler den Zebrastreifen nutzen und die Straße überqueren, ohne auf den Verkehr zu achten. „Die machen das in der Annahme, dass die Autofahrer schon halten werden“, sagt die Dame, die das Schülerverhalten ausgesprochen gefährlich findet.

Dr. Alfred Wörsching, Vorsitzender des Ortsverbands Rodgau des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), weiß, dass Unklarheiten darüber bestehen, wie sich Radler am Zebrastreifen verhalten sollen: „Sitzend auf dem Rad haben sie keine Vorfahrt“, sagt er. Wenn der Zweiradfahrer sicher sein wolle, müsse er sich am Übergang wie ein Fußgänger verhalten und das Rad schieben.

Weil der ADFC-Chef weiß, dass das Verhältnis von Fußgängern und Radlern bereits belastet ist von schlechten Erfahrungen, rät er zur Rücksicht. „Wenn wir als ADFC in einer Gruppe unterwegs sind, wie etwa bei der Feierabendtour, dann vermeiden wir es, durch eine Fußgängerzone zu radeln“, erzählt er.

Automarken auf zwei Rädern: Die Fahrräder der Fahrzeugbauer

Aus Erfahrung weiß das Vorstandsmitglied, dass es außer dem Zebrastreifen weitere Orte gibt, die konfliktträchtig sind: etwa der kombinierte Rad- und Fußweg. Eigentlich sollten dort Radler als auch Geher gleichberechtigt unterwegs sein. Wenn allerdings viel los ist, sieht das anders aus. „Deswegen machen wir um den Mainuferradweg nahe Seligenstadt einen Bogen“, erläutert Wörsching.

Der Experte weiß auch, dass manche Fußgänger gern gewarnt sein wollen, wenn ein Radfahrer kommt, andere wiederum dagegen zu Tode erschrecken, wenn geklingelt wird. „Gut finde ich es selbst, wenn mir der Fußgänger dann signalisiert, dass er mich gehört hat und mich vorbei lässt“, wünscht sich der Rodgauer ADFC-Chef. Außerdem sollten Spaziergänger doch bitte darauf achten, dass anderen weder Kinder noch Hunde vors Rad laufen, appelliert er.

Im Gegenzug könne sich der Radler freundlich bedanken und vor allem solle er seine Geschwindigkeit anpassen: „Sonst gibt es „hässliche Kommentare“, sagt Wörsching. Im Übrigen ist der hiesige ADFC-Vorsitzende der Meinung, dass nicht alles gesetzlich geregelt werden müsse, sondern auch über Höflichkeit und Rücksichtnahme funktionieren könne.

Groß, massiv und hip: Die Welt der Lastenfahrräder

Quelle: op-online.de

Kommentare