Durch Rodgau, Rödermark und Offenbach

Dampflok auf Entspannungstour

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Kurz vor 12 Uhr gestern Mittag rollte die 136 Tonnen schwere Dampflok des Vereins Museumseisenbahn Hanau erstmals in Jügesheim ein.

Rodgau/Rödermark - Einen erholsamen Ausflug unternahm gestern die Dampflok 50 3352-2 des Vereins Museumseisenbahn Hanau. Zweimal schnaufte der schwarze Riese von Offenbach und Ober-Roden - sieben Waggons und einen Tender mit acht Tonnen Kohlen im Schlepptau. Von Michael Löw 

Museumslok und Arbeit, wie passt das? Nachdem Siegrid Zscherneck gestern am frühen Abend den letzten Passagier in Offenbach abgesetzt hatte, übernahm Vereinsvorsitzender André Labes das Kommando und fuhr die „50 3352-2“ nach Gießen. Dort transportiert sie Schotter und Schwellen beim Gleisbau. „Das bringt Geld in die Kasse“, nennt Axel Karl einen Grund für den Einsatz in Mittelhessen. Der Jügesheimer ist stellvertretender Vorsitzer der Museumsbahner.

Ulf Oehrle schaufelte gestern, was das Zeug hielt. Eineinhalb Tonnen Kohle braucht die Dampflok des Hanauer Vereins auf 100 Kilometer. Siegrid Zscherneck fährt nicht nur in der Freizeit Lokomotiven, sondern auch in ihrem Job.

Grund Nummer zwei ist der Lärmschutz für genervte Anwohner von Bahnbaustellen: Die Loks fahren dann immer nur ein paar Meter. Dann halten sie an, damit Material abgeladen und verlegt werden kann. Die normalerweise benutzten Dieselloks machen auch im Leerlauf jede Menge Krach. Die Dampflok faucht, zischt und rattert jedoch nur, wenn sie auch fährt. Und ihr Oldtimer-Bonus besänftigt die auch die aufgeregtesten Baustellen-Nachbarn. 136 Tonnen ist die „50 3352-2“ schwer. Bei Ausflugsfahrten wie gestern verschwinden 1,5 Tonnen russischer Spezialkohle pro 100 Kilometer im Ofen und machen 26 Kubikmeter Wasser zu Dampf, der die Maschine antreibt. Dass Heizer Ulf Oehrle nur an jedem der acht Bahnhöfe entlang der Strecke ein paar Schaufeln Kohle nachlegt, liegt an der guten Qualität des Heizmaterials. Axel Karl: „Die russische Kohle brennt schwer an, hält aber lang.“ Die Tonne kostet auch knappe 400 Euro.

Bilder der Dampflok

Dampflok auf Tour in Rodgau, Rödermark und Offenbach

Die Lok ist 72 Jahre alt, der rote Büfettwagen, in dem Vereinsmitglieder Bier, Glühwein und Würstchen an die etwa 250 Nostalgiefreunde verkauften, hat fast 90 Jahre auf dem Fahrgestell. Die grünen Waggons fuhren in der Vor-S-Bahn-Zeit zwischen Offenbach und Ober-Roden. Aussehen und Einrichtung sind typisch für die fünfziger Jahre. Die Karosserie wurde auf Unterkonstruktionen preußischer Waggons gesetzt. Deshalb sprechen Eisenbahnexperten immer nur von „Umbauwagen“.

Die erste Tour auf der Rodgau-Strecke begann mit einer halben Stunde Verspätung. „Nicht mal auf die Dampflok ist Verlass“, lästerte ein Mann am Jügesheimer Bahnhof. Doch er tat der „50 3352-2“ Unrecht: Auf dem Weg von Hanau nach Offenbach waren etliche Weichen eingefroren. Siegrid Zscherneck und ihre Kollegen im Führerstand passierten Bautrupps der Bahn, die die Weichen wieder gangbar machten.

Axel Karl räumte aber ein, dass auch die robusteste Technik nicht vor den Unbilden des Winters gefreit ist: „Voriges Jahr auf der Schwäbischen Alb fror uns eine Leitung ein. Da ging nichts mehr, wir mussten nach Hause geschleppt werden!“

Quelle: op-online.de

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