Bücherzelle wird Sonntag eingeweiht

Stadt sieht sich mit Büchereikonzept auf gutem Weg

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Marco Weisenbach und Hasibullah Muradi vom Berufsbildungsprojekt „Rodgau 16 plus“ montieren das Bücherregal im offenen Bücherschrank am Rathaus. Beim Seniorentag am Sonntag wird der Ersatz für die gesprengte Telefonzelle eingeweiht. 

Rodgau - Und sie lesen noch: Auch wenn mancher glaubt, elektronisches Gerät habe dem Buch längst den Rang abgelaufen, wird er in Rodgau eines Besseren belehrt. Es wird reichlich gelesen. Das belegen die Statistikzahlen des hiesigen Bücherverbunds. Von Simone Weil

Zum Verbund zählen außer den beiden städtischen Bibliotheken in Nieder-Roden und Jügesheim auch die katholischen Büchereien in Hainhausen und Dudenhofen zählen sowie die evangelische Einrichtung in Dudenhofen. Der Medienbestand ist von 2014 bis 2015 um 4 635 gestiegen. Die größere Auswahl lässt auch im gleichen Zeitraum die Zahl der Ausleihen um 3 657 steigen. „Das ist ein erfolgreicher Weg“, findet Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) sieht in der Zunahme der Leselust gar eine Rodgauer Erfolgsgeschichte: „Was sich bei uns in den Büchereien ereignet hat, ist Ausdruck unserer Überlegungen: Es sind Bildungseinrichtungen für Groß und Klein.“ Besonders stolz ist Schüßler darauf, dass die Zahl der jährlichen Ausleihen von 2007 bis 2015, von 27 833 auf 97 516 gesteigert haben: „Ein Plus von 70 000“, freute sich der Bildungsdezernent. Er sieht die zufriedenen Leser auch als Bestätigung für die Zentralisierung an zwei Standorten.

Lust aufs Lesen machen unter anderem Initiativen wie „Buchdurst“: Bei der jüngsten Auflage der Aktion haben sich 116 Kinder und Jugendliche beteiligt und 250 Bücher gelesen. Gezielt werden Schüler aus den dritten bis neunten Klassen animiert, auch außerhalb der Schule zu schmökern. Pro Band gibt es eine Bewertungskarte, die ausgefüllt abgegeben wird. Eine Abschlussparty für alle, die wenigstens ein Buch gelesen haben, und Preise locken. Auch mit weiteren Veranstaltungen wie etwa dem Märchenerzähler, dem Bilderbuchkino oder Lesungen will die Stadt Kindern und Erwachsenen Freude an Ausflügen in Fantasiewelten bereiten.

Um noch genauere Zahlen der Besucher zu ermitteln, wird seit Mitte August am Eingang der Bücherei Nieder-Roden automatisch gezählt. Der Besucherzähler in Jügesheim wird gerade aufgehängt. Die reinen Ausleihzahlen sagen schließlich nichts darüber aus, wer in der Bücherei in Zeitschriften schmökert, den PC nutzt oder auch nur etwas nach nachschaut. Die sogenannte Aufenthaltsqualität spielt eben auch eine Rolle, wie gern, wie häufig und wie lang die Einrichtung besucht wird.

Unbekannte sprengen öffentliches Bücherregal: Fotos

Zur gesteigerten Lesefreude der Rodgauer passt auch die Rückkehr des Bücherschranks am Rathaus, der im Februar von Vandalen gesprengt worden war. Weil die Rodgauer der Telefonzelle nachtrauerten, wurde mit Unterstützung der Stadt Rödermark ein Ersatz beschafft.

Die ausgemusterte und restaurierte Telefonzelle soll am kommenden Sonntag, 28. August, beim Seniorentag um 12.15 Uhr offiziell eingeweiht werden: nach Karlheinz und Hiltrud und vor der Blasmusik, wie Gerrit Kratz, Leiter des Fachbereichs Kommunales Bildungsmanagement, ankündigte. Der Bücherschrank, der von den Teilnehmern des Berufsbildungsprojektes Rodgau 16plus aufgearbeitet worden war, hat etwas mehr als 1400 Euro gekostet, berichtete Kratz. 550 Euro waren bereits von Bürgern gespendet worden. Der Bürgermeister hofft, dass mögliche Übeltäter von erneuten Angriffen auf den kommunalen Bücherschrank abgehalten werden, gerade weil die Arbeit der jungen Leute drinsteckt: „Die Bücherzelle hat damit eine Identität“, meint Jürgen Hoffmann.

Quelle: op-online.de

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