Kreis quartiert Asylbewerber im Industriegebiet ein

160 Betten im Bürohaus für Flüchtlinge

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Foto des Gebäudes aus dem Jahr 2012, 2016 kommen dort Flüchtlinge unter.

Weiskirchen - Eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete hat der Kreis Offenbach im Industriegebiet Weiskirchen eingerichtet. In der Boschstraße 2 sollen bis zu 160 Menschen unterkommen.

Dazu wurden zwei ehemalige Büroetagen im Hauptgebäude und eine Etage des Nebengebäudes umgebaut. Im August sollen die ersten Bewohner einziehen. Ein Tag der offenen Tür findet am Mittwoch, 27. Juli, von 16.30 bis 18 Uhr statt. Dann können interessierte Bürger die Räume besichtigen. Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller (SPD), sein Rodgauer Kollege Michael Schüßler (FDP) und Flüchtlingsbetreuer der Caritas beantworten Fragen der Besucher. Erst gestern kündigte der Kreis diesen Termin in einer Pressemitteilung an. Die neue Gemeinschaftsunterkunft steht an der Autobahn. Die A 3 ist nur 50 Meter von der Gebäuderückseite entfernt.

Der Kreis hat die Räume zunächst für drei Jahre angemietet. So lange läuft eine Ausnahmeregel des Baurechts, die solche Unterkünfte auch in Gewerbegebieten erlaubt. Bereits im Herbst hatten erste Gespräche über dieses Mietobjekt stattgefunden. Carsten Müller: „Das hat sich einige Zeit gezogen, weil die Frage zu klären war, ob es überhaupt zulässig ist.“

Die 160 Betten in Weiskirchen sind laut Müller unter anderem notwendig, „um die Situation zu entzerren“. Einige Einrichtungen seien noch überbelegt. „Wir haben auch Einrichtungen, die wir lieber zumachen würden, weil es nur Notbehelfe waren.“ Besonders für Familien brauche der Kreis bessere Möglichkeiten. Die Gemeinschaftsunterkunft in Weiskirchen sei auch nur „ein besserer Notbehelf“, weise aber immerhin kleinere Räume mit Nasszellen auf: „Das macht es für alle einfacher, wenn die Lebensumstände etwas besser sind als in einem Zwölfbettzimmer mit vier Familien.“

Beide Sozialdezernenten betonen, die neue Unterkunft sei in gutem Einvernehmen von Stadt und Kreis entstanden. Gemeinsam habe man sich darauf verständigt, dass der Kreis die Einrichtung betreibe, sagt Michael Schüßler.

Durch das Haus an der Boschstraße hofft die Stadt auf eine Atempause bei der Suche nach Wohnraum für Asylbewerber. Die Menschen, die dort einziehen, werden auf das Rodgauer Kontingent angerechnet. Das Belegungsrecht liegt jedoch beim Kreis: Die Stadt kann nicht selbst auf die 160 Plätze zugreifen, auch wenn es sinnvoll wäre, Menschen aus Mietwohnungen in die Boschstraße umzusiedeln. Erster Stadtrat Michael Schüßler: „Wenn wir überlegen, wie wir die Unterbringung entzerren, nützt uns diese Unterkunft nichts.“ Darüber habe auch der Kreistag diskutiert: „Wir brauchen eine abgestimmte Kapazitätsplanung und eine Reservekapazitätsplanung.“

In dem Gebäudekomplex stellte die Firma Wetzel Gravotechnik früher Druckwalzen für den Tiefdruck her. Nach dem Umzug des Unternehmens standen Büros und Hallen jahrelang leer. Seit einiger Zeit nutzt die Spedition Ontrans Logistic einen Teil der Flächen. (eh)

Quelle: op-online.de

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