Aktion für Erdbebenopfer

An Grenzen der Hilfe gestoßen

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Victoria März schickte uns diese Aufnahme aus Nepal, die zeigt, unter welchen fürchterlichen Bedingungen die Menschen dort ausharren: Drei Millionen sind obdachlos. 

Rodgau - Als zwei schwere Erdbeben Nepal erschütterten, hielt sich die junge Rogauerin Victoria März gerade dort auf, um für zwei Monate an einer Schule zu unterrichten. Die Not der Bevölkerung traf die Studentin tief.

Deswegen rief sie mit anderen jungen Leuten spontan eine Hilfsaktion ins Leben. Inzwischen ist die 23-Jährige wieder daheim. Per Mail hatte Victoria März einen Spendenaufruf an unsere Zeitung geschickt – obwohl es nur selten Strom gab. Doch es gelang sogar, die Studentin ans Telefon zu kriegen. Von Nepal aus berichtete sie für unsere Zeitung von den dramatischen Folgen der Naturkatastrophe. Weil die Versorgungslieferungen entlegene Bergdörfer anfangs überhaupt nicht erreichte, fingen die ausländischen Besucher mit Hilfe ihrer einheimischen Gastgeber an, unter abenteuerlichen Bedingungen an, die Betroffenen zu unterstützen. „Obwohl wir mittlerweile wieder zurück in Deutschland sind, möchten Fabien, Alina und ich die Menschen auch weiterhin unterstützen“, schreibt die Studentin. Während ihrer Zeit in Nepal haben sie zwölf Dörfer mit Nahrungsmitteln, Hygieneartikel und Zeltplanen versorgt. Dank der Spender, zu denen auch Leser unserer Zeitung zählen, schlafen 750 Nepalesen unter einem Dach und mehr als 2400 Menschen haben zu essen.

„Es fiel uns nicht leicht, uns von den Menschen, die uns so ans Herz gewachsen sind, zu verabschieden und ins sichere Deutschland zurückzukehren“, gesteht die junge Frau, die außerschulische Bildung in Gießen studiert. Doch daheim freuten sich die eigenen Familien, die Praktikanten wieder in die Arme schließen zu können. Victoria März: „Es war eine unvergessliche Zeit für uns in Nepal. In diesem Land haben wir Freunde fürs Leben gefunden, wir hatten Spaß und haben Dankbarkeit und Unterstützung erfahren. Gleichzeitig haben wir jedoch auch Enttäuschungen einstecken müssen, sind an unsere Grenzen gestoßen und mussten schnell lernen, dass wir nicht jedem helfen können.“ Weil der Aufenthalt der jungen Leute in Nepal zeitlich begrenzt war, konnten sie nicht alle Vorhaben vor Ort umsetzen. Dennoch wollen sie die Hilfsbereitschaft würdigen, indem sie die Spenden vollständig aufbrauchen. Zuerst erwogen sie, Geld an eine Organisation zu spenden. Doch weil sie sich im Unterschied zur eigenen Direkthilfe nicht sicher sein konnten, dass das Geld auch dort landet, wo es hin soll, verwarfen sie die Idee wieder.

Nepal sammelt Milliarden für Wiederaufbau ein

Nach langem Suchen haben sich die Initiatorinnen der Hilfsaktion für zwei Projekte entschieden: Bei der Organisation „Nepalmed e.V.“ handelt es sich um eine Gruppe deutscher Ärzte, die in ihrer Freizeit ein Bergkrankenhaus in Amppipal leiten. Dort behandeln sie kostenlos Bedürftige. Sie finanzieren sich durch Spenden und arbeiten sehr transparent. Da das Projekt dem entspricht, was die deutschen Praktikantinnen gemacht haben, konnte die Gruppe überzeugt werden, mit Unterstützung der Ärzte ein eigenes Projekt ins Leben zu rufen, bei welchem rund 20 Häuser der ärmsten Menschen aus Solukhumbu wiederaufgebaut werden. Außerdem werden 14 Schüler der „Highland Secondary Boarding School“ in Langtang unterstützt, die durchs Erdbeben alles verloren haben. Für diese wird das Schulgeld übernommen, damit sie ihren Abschluss machen können. In einigen Monaten werden die drei jungen Frauen nach Nepal fliegen, um sich persönlich von den Fortschritten zu überzeugen.

(siw)

Quelle: op-online.de

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