Michael Schiege baut untergegangene Kulturen aus Plastiksteinchen nach

Römisches Reich aus Lego

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Michael Schiege baut schon knapp zwei Monate lang am chinesischen Kaiserpalast.

Dudenhofen - Die Welt von Tutanchamun oder Cleopatras Schiff ganz aus Lego? Hadrianwall und das Leben der Römer – nachgestellt mit Legosteinen? Michael Schiege ist so fasziniert von den bunten Plastikteilchen, das er sie zu seinem Hobby gemacht hat: Seit zwei Monaten baut er zurzeit am chinesischen Kaiserpalast. Von Simone Weil 

Der gelernte Kfz-Schlosser-meister, der lange in der Automobilbranche im Kundendienst und Verkauf gearbeitet hat, ist heute als Berater für Firmen und Hausverwaltungen tätig und hilft, Energie und Kosten zu sparen. Schon als Kind hat er mit Lego gespielt, später auch mit seinem Sohn und seiner Tochter gemeinsam gebaut. Weil der Sport- und Kraftraum in seinem Haus in Dudenhofen überflüssig wurde, richtete der 55-Jährige sich dort ein Legozimmer ein: Zunächst baute er eine Stadt mit Flughafen und Hafen. Dann entstand ein Hotel und eine Kirche – ganz ohne den sonst üblichen vorgegebenen Bausatz. Von dieser Idee, beliebige Gebäude nachzubauen, war der Bastler so begeistert, dass er sich nun ausschließlich diesem Thema widmet.

So ist das römische Reich entstanden und Ägypten liegt gleich daneben: Pyramiden, Kastelle, Galeeren, römische Villen, prachtvolle Gärten – etwa 1200 Figuren tummeln sich in seiner Anlage, die insgesamt etwa 7,60 Meter lang und 1,20 Meter breit ist. Bäume, blühende Blumen, Tiere und viele liebevoll gestaltete Einzelheiten mehr verraten, dass hinter der Plastiksteinchenwelt zunächst erst einmal eine ganz präzise Beobachtung und Analyse steckt.

Eine der ersten Herausforderungen ist es für den Tüftler, eine vernünftige Vorlage zu beschaffen, nach der gewerkelt werden kann: Dank Internet lassen sich solche Bilder einfach beschaffen, sind aber nicht immer in allen Details präzise genug. Michael Schiege hat deswegen schon zu allen möglichen Hilfsmitteln gegriffen: hat zum Beispiel Standbilder aus Filmen abfotografiert.

Wer sind die Comic-Helden aus Lego-Steinen?

Dann geht es daran, die richtigen Steine zu besorgen: „Die kaufe ich weltweit ein“, erzählt der Lego-Bauer. Deswegen ist er mit dem neusten Hersteller-Katalog immer bestens vertraut. „Ich kaufe oft große Pakete auf, kürzlich erst war es ein 23-Kilo-Gebinde“, erzählt Schiege. Doch was er nicht gebrauchen kann, wird gleich weiterverkauft: „In der Regel nehme ich alles mit Rittern, Piraten und goldenen Elementen“, verrät der Bastler.

Die Mitgliedschaft in einem Lego-Club bringt weitere wichtige Informationen wie Bezugsquellen oder andere Anregungen von Profi-Bastlern. So hat der Lego-Fan neulich gesehen, dass diejenigen, die ihre Werke ausstellen, darauf achten, dass sie einzelne Module bauen, um nicht große Teile aus ihrer Anlage herausnehmen zu müssen. Bislang aber haben seine Bauwerke das Haus noch nicht verlassen, dafür aber macht ihr Schöpfer sie gern in kleinen Filmen auf Youtube zugänglich. So kann er Fans zeigen, was mit den Plastiksteinchen möglich ist. Doch wie reagiert die Umwelt auf einen erwachsenen Mann, der mit Lego spielt?

„Manche belächeln mich, manche finden das cool“, verrät der Baumeister. „Andere gehen abends in die Kneipe, ich mache halt das zum Runterfahren.“ Seine Lebensgefährtin Natalja Gavruskin ist inzwischen auch infiziert, sie hat sich auf Ägypten spezialisiert und malt den Hintergrund für seine Installation. Doch was macht er, wenn alles fertig ist? Dann fällt dem Tüftler noch manches ein, das umgestaltet werden muss: Für den Winter plant er, alle Gebäude zu beleuchten und stimmungsvoll flackernde Lagerfeuer einzubauen.

Quelle: op-online.de

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