Maschinen werden abgebaut, Gebäude bleiben

Rußfabrik hört auf: Was wird aus der Altlast?

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Der Ofen ist aus, die Maschinen werden abgebaut. Was wird nun aus der Hainhäuser Rußfabrik?

Hainhausen - Die Rußfabrik an der Alfred-Delp-Straße hat ihren Betrieb eingestellt. Mehr als 80 Jahre lang wurde dort Flammruß produziert. Der amerikanische Chemiekonzern Huntsman lässt derzeit die Maschinen abbauen. Das Regierungspräsidium will das komplette Betriebsgelände auf Altlasten untersuchen. Von Ekkehard Wolf

Eine Grundwassersanierung läuft bereits seit 1996. Die Fabrik in der Rodau-Aue ist älter, als die Fassade vermuten lässt. Die Angaben schwanken zwischen 1889 und 1928. Die älteste bekannte Betriebserlaubnis stammt vom 2. Juli 1932. Nun hat der Betreiber gegenüber dem Regierungspräsidium die Stilllegung angezeigt. Der Flammruß aus Hainhausen diente als schwarzes Farbpigment für Lacke, Farben und zur Einfärbung von Beton. Da der Ruß elektrisch leitfähig ist, wurde er auch für die Kohlebürsten von Elektromotoren verwendet. Das Herzstück der Fabrik war ein riesiger Ofen, der vier runde Pfannen mit glockenförmigen Abzughauben enthielt. In den Pfannen wurde Steinkohleteeröldestillat verbrannt - und zwar so, dass neben dem Rauchgas möglichst viel Ruß entstand. Der Ruß wurde in Kerzenfiltern abgeschieden. Der fertige Ruß wurde in Säcke abgefüllt. Die Verbrennungsrückstände aus den Pfannen mussten als Sondermüll entsorgt werden.

Einen Blick in den Rußofen erlaubt dieses Foto von einem Feuerwehreinsatz am 2. November 2012. Nach eine Betriebsstörung waren schwarze Wolken ausgetreten.

In der Bevölkerung wurde das Werk lange als „Rußbude“ bezeichnet – ein wenig schmeichelhafter Name. Das Wäldchen am Wallersee wurde als „Schwarzwald“ tituliert. Anwohner auf der anderen Seite der Rodau konnten ihre Wäsche nicht im Freien trocknen, wie ältere Hainhäuser noch heute erzählen. Die Situation besserte sich erst Mitte der 1960er Jahre, als die offene Verbrennung auf den Rußbrennofen umgestellt wurde. Doch auch danach klagten Anwohner noch über Rußwolken, Lärm und den Gestank nach faulen Eiern. Noch 1992 lag die Lärmbelastung an der Wilhelm-Leuschner-Straße weit über dem zumutbaren Wert.

Auf Druck der Behörden baute das Unternehmen schließlich eine wirkungsvolle Anlage zur Abgasreinigung ein, die 1995 in Betrieb ging. Nach zahlreichen Einwänden musste Brockhues die Pläne nachbessern. 208 Bürger beteiligten sich an einer Sammeleinwendung auf Initiative der Grünen. Seit Mitte der 80er Jahre ist bekannt, dass der Boden an der Rußfabrik mit Schadstoffen belastet ist. Ein Teil des Erdreichs wurde ausgetauscht. Seit 1996 läuft eine Grundwassersanierung, um polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) zu beseitigen. Diese Chemikalien sind krebserregend. Die Sanierung gilt erst als erfolgreich, wenn der PAK-Gehalt im Wasser unter 0,2 Mikrogramm pro Liter sinkt. Derzeit werden bis zu 10.000 Mikrogramm gemessen, wie der Magistrat berichtet.

Aus für Rußfabrik in Hainhausen: Bilder

Das Regierungspräsidium erwartet, dass die bisherigen Betreiber der Rußfabrik die Grundwassersanierung vertragsgemäß fortsetzen. Allerdings haben sich die Eigentumsverhältnisse seit 1996 geändert. Die Firma Brockhues wurde vor einigen Jahren vom US-amerikanischen Konzern Rockwood übernommen. Seit Oktober 2014 gehört sie zur Huntsman Corporation. Huntsman übernahm jedoch nur die Maschinen: Grundstück und Gebäude gingen via Rockwood an die Albemarle Corporation über. Wer ist nun für die Altlasten verantwortlich?

Huntsman will die Rußfabrik Ende Januar „besenrein“ an den Eigentümer zurückgeben, kündigt Pressesprecher Axel Martens (Duisburg) an. Die Fabrik in Hainhausen gehöre zu einer Reihe kleinerer Produktionsstätten, die Huntsman stilllege. Vier Arbeiter seien betroffen: einer gehe in den Ruhestand, ein zweiter habe das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen verlassen, die beiden übrigen würden in Walluf weiterbeschäftigt.

Quelle: op-online.de

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