Bahn und RMV setzen sich mit der Fahrgastkritik auseinander

„Bei Störfällen besser werden“

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Wenn es wieder mal länger dauert: Wartende Schüler auf dem Heimweg am Bahnsteig Dudenhofen.

Jügesheim - Laubfall, Weichenstörungen, Kapazitätsprobleme im Tunnel, Notarzteinsatz und Baustellen: Es gibt viele Gründe, die den Fahrplan der S-Bahnen durcheinander bringen können.

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Deswegen wirbt ein Bahnsprecher um Verständnis und macht wieder einmal auf das fragile System aufmerksam, dem die Züge auf der längsten S-Bahn-Linie zwischen Ober-Roden und Wiesbaden unterworfen sind. Er räumt ein, dass es bei der Bahn in Sachen Information und Kommunikation Nachholbedarf gebe: „Vor allem in Störfällen müssen wir schneller und besser werden“, sagt er. Bei Durchsagen und Anzeigen komme es immer wieder zu menschlichem Versagen, weil in Ausnahmesituationen eben ganz besonders viel zu tun sei. Da müsse nachgebessert werden. Darüber hinaus will die Bahn unter anderem die elektronische Benachrichtigung per Smartphone ausbauen.

Sven Hirschler vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sagt zum sogenannten Anforderungstaster: „... Um das Problem nachhaltig abzustellen, blieb dann keine andere Lösung, als die Taster im Türbereich stillzulegen. Der Hersteller bzw. DB Regio hat die Taster ausgebaut, um zu vermeiden, dass im tatsächlichen Bedarfsfall der Taster mit der Erwartung der Hilfestellung, dann aber erfolglos gedrückt wird. Im Bereich der Rollstuhlabstellplätze bleiben die auch durch europarechtliche Vorgaben zur Barrierefreiheit vorgeschriebenen Taster aktiv, so dass Rollstuhlfahrer auf diesem Weg weiterhin Hilfe anfordern können. Die Zahl der Beschwerden tendiert seitdem bei unserer Kundenkommunikation gegen Null (eine Beschwerde in der vergangenen Woche).“

. . . zum Vergleich mit anderen Städten: Es gebe keinen anderen Verbund, der eine vergleichbare Struktur von Ballungsraum und ländlichen Gebiet mit der entsprechenden Bevölkerungsentwicklung und derart starken Pendlerströmen aufweise. Dazu wachse die Bevölkerung in und um Frankfurt rasant und so entstünden neue Anforderungen an den ÖPNV.

. . . warum wenden Züge vorzeitig: „Das S-Bahn-Netz ist sehr stark ausgelastet, die Zuläufe nach Frankfurt sind fast alle an ihren Kapazitätsspitzen. Dazu sind alle Fahrpläne aufeinander abgestimmt, es gilt Regeln (wie: Wenn ein Fernzug kommt, muss der Nahverkehr warten) zu beachten. Um möglichst viele Fahrten anzubieten, haben wir die Wendezeiten an den Endhaltepunkten sehr kurz gestaltet. Dies führt zu mehr Fahrten, hat aber leider den Nachteil, dass stärkere Verspätungen nicht aufgefangen werden können.

Umfrage: Hier gibt es die meisten Schwarzfahrer

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Daher müssen wir im Ausnahmefall Züge vorzeitig enden zu lassen, so dass sie dann pünktlich wieder in den Betrieb in der Gegenrichtung gehen können. Anderenfalls würden sich Verspätungen aufschaukeln und aufgrund der extremen Streckenauslastung und der hohen Komplexität und gegenseitigen Abhängigkeit im System weitere Auswirkungen auf andere Linien ergeben.“

. . . zum abendlichen Taktsprung auf der S 9, (die viele S 1-Kunden im Anschluss nutzen; Anm. der Redaktion): „Diese Situation ändert sich mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember, dann fahren wir einen sauberen Halbstundentakt bis Hanau.“

. . . zum Thema Regressforderungen/Fahrgastrechte: „Um allen Fahrgästen europaweit die gleichen Rechte einzuräumen, gibt es verbindliche Fahrgastrechte, an die sich der RMV zu halten hat. In vielen Punkten gehen wir schon über die geforderten Standards hinaus, sei es bei der Mitnahmeregelung oder bei bestimmten Garantiefällen. Der RMV ist jedoch per Gesetz zur Wirtschaftlichkeit angehalten: Über alles, was uns keine Einnahmen generiert, müssen wir Rechenschaft ablegen und sind dafür auch letztendlich haftbar.“

siw

Quelle: op-online.de

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