Weitere Ermittlungen nach Schießerei mit Polizei

Rodgauer wollte durch Kugeln sterben

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Bild vom Tatort in Rodgau.

Rodgau - Nach den tödlichen Schüssen der Polizei auf einen 74-jährigen Mann in Rodgau hat die Staatsanwaltschaft neue Erkenntnisse gewonnen. Der Rentner wollte demnach durch Polizeikugeln sterben. Von Ekkehard Wolf

Entgegen ersten Meldungen stand jedoch keine Einweisung in eine Klinik bevor. Drei Wochen nach dem Tod eines Rentners bei einem Polizeieinsatz in Rodgau korrigiert die Staatsanwaltschaft die damals von den Behörden herausgegebenen Informationen. Nach ersten Erkenntnissen hatte der 74-Jährige auf Polizisten geschossen, um seine bevorstehende Unterbringung in einer Klinik zu verhindern. Heute weiß man es besser. Die Staatsanwaltschaft Offenbach ermittelt gegen vier Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) routinemäßig wegen fahrlässiger Tötung. Am Morgen des 17. Mai schossen mehrere SEK-Beamte auf den Rentner, als er bewaffnet aus der Haustür trat. Ein Schuss in den Oberkörper verletzte ihn tödlich.

„Es gab kein Einweisungsverfahren und es gab keine Zwangseinweisung. Es stand auch kein Kliniktermin bevor“, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Der 74-Jährige habe aber befürchtet, dass in absehbarer Zeit ein Klinikaufenthalt erforderlich würde. Der Rentner sei nicht psychisch krank gewesen, betont Oberstaatsanwalt Alexander Homm. Er spricht von einem „sich verschlechternden Zustand aufgrund einer körperlichen Erkrankung“. Der Mann habe befürchtet, eines Tages so eingeschränkt zu sein, dass er nicht mehr ohne fremde Hilfe leben könnte - und auch nicht ohne Hilfe sterben.

Den Ablauf der Nacht zum 17. Mai kann die Ermittlungsbehörde anhand der Zeugenaussagen nachzeichnen. Demnach wählte der 74-Jährige gegen Mitternacht die Notrufnummer der Polizei: Er wolle sterben und werde eine Situation schaffen, in der man ihn erschießen müsse. „Mehr oder weniger ein Suizid durch Polizeibeamte“, fasst Alexander Homm die Absicht des Mannes zusammen.

Tödliche Schüsse in Rodgau

Die Polizei habe aus zwei Gründen tätig werden müssen: um den angekündigten Freitod zu verhindern und eine Gefahr für Unbeteiligte auszuschließen. Die Beamten hätten zunächst mit dem Anrufer verhandelt. Dann hätten sie Angehörige und den behandelnden Arzt angerufen, um mehr Informationen zu erhalten. Als der 74-Jährige in einem weiteren Telefonat seinen Willen bekräftigte, habe man Landeskriminalamt und SEK verständigt. Gegen 6.50 Uhr fielen die Schüsse. Oberstaatsanwalt Homm spricht von „Abwehrschüssen, um ihn davon abzuhalten, auf die Beamten zuzugehen“. Wer wie viele Kugeln abgefeuert hat, müssen Gutachter klären. Auch die Gewehre des 74-jährigen Jägers werden untersucht. Laut Staatsanwaltschaft ist nicht erwiesen, ob der Rentner überhaupt geschossen hat.

Quelle: op-online.de

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